Aktualisiert: 26.08.2020 - 17:03

Der richtige Weg? In München droht jetzt ein Alkoholverbot!

Nicht nur zu Wiesn-Zeiten beliebt: gemeinsames Biertrinken. Setzt ein Alkoholverbot in München dem jetzt bald ein Ende?

Foto: iStock.com / golero

Nicht nur zu Wiesn-Zeiten beliebt: gemeinsames Biertrinken. Setzt ein Alkoholverbot in München dem jetzt bald ein Ende?

Ein Alkoholverbot in München? Richtig gehört: Genau das droht jetzt der Heimat des größten Bierfestes der Welt. Weshalb dieser Vorschlag diskutiert wird, erfahren Sie hier.

Es ist ein Vorschlag, der wohl nicht nur so manchem Münchner einen ordentlichen Schrecken einjagen wird. Auch für nicht-bayerische Ohren mag sich die Idee, die in manchen bayerischen Städten schon seit Längerem Realität ist, sonderbar anhören: Tatsächlich droht in Zukunft ein Alkoholverbot in München!

Alkoholverbot "light" in München: Das sind die Details

Voraussetzung für das Alkoholverbot sei, dass die Zahl der Corona-Infizierten über einen Zeitraum von 7 Tagen auf 35 pro 100.000 Einwohner steige. Das verkündete Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstag. Die Stadt München reagiert damit auf den stetigen Anstieg der Corona-Zahlen, wie er auch im Rest Deutschlands beobachtet werden kann.

Für die vielen Neuinfektionen werden neben den vielen Urlaubsrückkehrern auch die spontanen, nicht genehmigten Partys verantwortlich gemacht, wie sie beispielsweise am Gärtnerplatz in München bereits seit mehreren Wochen stattfinden. Im Moment liegt die Zahl der infizierten in München bei 30,92 pro 100.000 Einwohner, wie "spiegel.de" berichtete. Sollte die Zahl der Infizierten wieder sinken, könne auch das Verbot wieder gelockert werden.

Freunde des gepflegten Bierkonsums können sich dennoch erst einmal wieder etwas beruhigen, denn von der Verkündung einer zweiten Prohibition ist die Hauptstadt des Freistaats immer noch weit entfernt. Das Alkoholverbot in Bayern soll auf den öffentlichen Raum beschränkt sein und erst nach 21 Uhr greifen. Ab diesem Zeitpunkt dürfe dort dann kein Alkohol verkauft werden. Der Konsum hingegen sei erst ab 23 Uhr verboten. Im Grunde plant München also ein "Alkoholverbot light"...

Das Alkoholverbot in München kommen nicht aus heiterem Himmel

Im Sommer sind öffentliche Orte wie der Gärtnerplatz, das Ufer der Isar oder Parks wie der englische Garten immer heiß begehrt – sei es, um dort gemütlich zu sitzen und die Seele baumeln zu lassen, sich mit Freunden zu treffen oder auch mal ein, zwei Bier zu konsumieren. Die Corona-Pandemie verstärkt diesen Drang natürlich, hat sie doch vielen anderen beliebten Treffpunkten erst einmal auf unbekannte Zeit den Riegel vorgeschoben: Wer zuvor gern in schummerigen Kneipen, vollen Clubs oder urigen Festzelten unterwegs war, muss von dieser Art der Freizeitgestaltung vorerst Abstand nehmen.

Abstand – das ist es auch, was sich Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wünscht. Sie hatte die bayerischen Kommunen bereits Anfang August dazu aufgefordert, für bestimmte öffentliche Orte lokale Alkoholverbote zu prüfen. Dass diese jetzt wohl kommen, dürfte nicht allzu überraschend sein.

Im Interview mit der "tz" sagte Huml: "Man kann auch feiern und beisammen sein, wenn man Abstand hält und Vernunft walten lässt." Das haben die Feiernden in Bayern in der Vergangenheit offensichtlich nicht getan. Kein Wunder: Die enthemmende Wirkung von Alkohol, auf die auch die Gesundheitsministerin verweist, kann wohl niemand ernsthaft bestreiten.

Diese Städte Bayerns waren Vorreiter in Sachen Alkoholverbot

Bereits in mehreren bayerischen Städten wurden Vorstöße in Richtung Alkoholverbot unternommen. So wurde in Bamberg beispielsweise am 3. Juli ein zweiwöchiges Alkoholverbot in der Innenstadt erlassen, das nun sogar bis zum 25. August verlängert wurde. In Augsburg hingegen darf bis auf Weiteres nach Mitternacht kein Alkohol "to go" mehr verkauft werden.

Viele fragen sich in Anbetracht solcher Maßnahmen: Sind diese überhaupt legal? Ja – das sind sie tatsächlich. Seit Juli 2013 enthält der Artikel 30 des bayerischen Landesstraf- und Verordnungsgesetzes einen Verweis darauf, dass die Gemeinden auf bestimmten öffentlichen Flächen den Verzehr von alkoholischen Getränken zwischen 22 und 6 Uhr verbieten können. Die Voraussetzung dafür: Es müssen Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass an diesen Orten übermäßiger Alkoholkonsum regelmäßig zu Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten führt. Diese Anhaltspunkte wären durch Verletzungen der Abstandsregeln wohl gegeben.

Auch, wenn es legal ist – es stellt sich die Frage, ob ein solches Alkoholverbot auch klug ist. Wer weder in eigens dafür gedachten Lokalitäten, noch draußen an öffentlichen Orten mit Freunden und Bekannten auf ein Bier zusammenkommen kann, wird sich vermutlich in den privaten Bereich zurückziehen – schlimmstenfalls in geschlossene Räume, in denen das Corona-Infektionsrisiko noch höher ist.

Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Wussten Sie zum Beispiel, dass beinahe die Hälfte der Corona-Infizierten keine Symptome hat, dafür aber auch weniger Antikörper entwickelt? In der Wirtschaft hingegen werden die Auswirkungen des Virus vermutlich bald ziemlich stark zu spüren sein: Experten zufolge rollt eine Corona-Pleitewelle auf uns zu.

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