02.08.2020 - 10:58

Keine Chance für Betrüger Helga Grotheer: "Ich lege Liebes-Verbrechern das Handwerk"

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Symbolbild

Foto: iStock / Viktor Pryymachuk (Viktor Pryymachuk (Photographer)

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Vor zehn Jahren wurde Helga zum Opfer: Sie glaubte den Liebesschwüren eines Betrügers im Internet. Jetzt hat die Bremerin den Spieß umgedreht: Sie jagt die Abzocker – mit großem Erfolg!

Eine Erfahrung, die offenbar lang und nachhaltig geprägt hat: Helga Grotheer wurde zum Opfer eines Liebes-Betrügers, der ihr Liebe vorgaukelte – sie am Ende aber nur im ihr Geld betrügen wollte. Nun will Sie andere Frauen schützen – und den Betrügern das Handwerk legen.

Über Monate chattet und mailt Helga Grotheer, um Liebes-Verbrecher zu überführen. Zuletzt mit "Staley": "Er will 26 000 Euro von mir"

So überführt Helga Grotheer die Internetbetrüger

Wenn Helga Grotheer Bilder von Steve zeigt, huscht ein grimmiges Lächeln über ihr Gesicht. Steve, der gut aussehende Engländer auf einer schweren Harley-Davidson. Steve, der leicht gebräunte Mittvierziger. Steve, der muskulöse Ingenieur. "Er war genau mein Typ", erzählt die Bremerin. Helga ist damals 48 und Hals über Kopf verliebt. "Ich dachte: Es gibt sie tatsächlich noch, die Liebe auf den ersten Blick!" Auf der Dating-Plattform "neu.de" hat Steve Kontakt zu ihr aufgenommen. Vier Monate lang schreiben sie sich täglich, telefonieren sogar.

Steves Ziel war nur ihr Geld

Helga: "Er sprach von einer gemeinsamen Zukunft." Obwohl sie sich nie treffen, schwebt Helga im 7. Himmel, aber Steve entpuppt sich als "Love Scammer", als Liebesbetrüger. Sein Ziel: ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. "Er behauptete, beruflich in Nigeria zu sein. Wichtige Maschinen für ein Bauprojekt würden im Zoll festhängen. Um die auszulösen, sollte ich ihm 7500 Euro leihen." Aber Helga hat nicht so viel Erspartes. Auf Steves Vorschlag, ihr Cabrio zu verkaufen, geht sie nicht ein.

Dass "ihr" Steve ein Betrüger ist, kommt ihr da noch nicht in den Sinn. Bis ein Zufall sie wachrüttelt. "Ich wollte ihm schreiben und habe aus Versehen seine E-Mail-Adresse in das Google-Suchfeld eingegeben." Sie traut ihren Augen nicht: In Foren berichten Frauen von Helgas Steve. Als sie ihn konfrontiert, sagt er, seine Adresse sei geklaut worden. Doch jetzt sieht Helga klar: "Du bist ein Betrüger", sagt sie zu Steve.

Helga Grotheer kämpft gegen die Betrüger

Helga ist wütend. Wie Betrüger mit den Gefühlen von Frauen spielen – das lässt sie nicht los. Kurze Zeit später eröffnet die Bremerin ein Forum im Internet, nennt es "Romance Scambaiter" (Scam = Betrug; Bait = Köder). Sie will den Liebesverbrechern das Handwerk legen. In dem Forum treffen sich Opfer, 3500 Leute sind hier vernetzt. Sie tauschen sich aus, machen gefälschte Profile öffentlich, zeigen Bilder der Männer.

Helga will andere warnen, die Betrüger überführen. Männer, die Frauen dazu bringen, ihr Konto zu räumen, sich zu verschulden. Sie suchen sich ihre Opfer auf Dating-Seiten, aber auch auf Facebook und Instagram. Schwören unter falscher Identität Liebe, machen Komplimente – und wenn das Vertrauen groß genug ist, erfinden sie eine Notlage und wollen Geld. Die Hintermänner dieser Betrugsmaschinerie sitzen in Nigeria, Ghana oder der Elfenbeinküste

"Wir spielen ihr Spiel mit"

Helga und ihre Mitstreiterinnen wollen den Kriminellen mit eigener Taktik an den Kragen: "Wir bleiben so lange mit den Männern in Kontakt, spielen die Verliebte und himmeln sie an, bis sie sich auf eine persönliche Geldübergabe einlassen." Treffpunkte sind öffentliche Orte, Bahnhöfe. Sobald die Betrüger oder ihre Mithelfer nach dem Umschlag mit dem vermeintlich großen Geld greifen, schlägt die Polizei zu. Rund 40 Verhaftungen gab es dank Helga schon, bei acht war sie live dabei.

Es ist wichtig, Beweise zu sammeln

Bis zu so einem Erfolg dauert es Monate. Viele Frauen geben vorher auf. "Sie sind enttäuscht, schämen sich, schaffen es nicht, den Kontakt lange genug aufrechtzuerhalten", erklärt Helga. Sie übernimmt, sammelt Beweise. Schlottern ihr nicht manchmal die Knie? "Längst nicht mehr. Die Männer spielen mit unseren Gefühlen und ich spiele jetzt einfach mit." Helga kennt alle Tricks der Verbrecher. Aber welches Ausmaß das "Love Scamming" angenommen hat, das schockiert sie immer noch sehr. "Sich zu verlieben", sagt Helga, "sollte etwas Schönes sein." Ihr Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sich kein Love Scammer mehr sicher fühlt. Sie warnt: "Wir wissen, wie ihr vorgeht!"

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Wegen solcher Internetbetrügern sollten Sie auf keinen Fall die Suche nach der wahren Liebe im Internet aufgeben. Für Tinder, Bumble und Co. gibt es außerdem witzige Alternativen, die Sie bestimmt noch nicht kennen.

Sie haben genug vom Internet-Dating? Dann probieren Sie es doch mal mit der Bräutigamseiche in Eutin – Ein Paar berichtet von ihrem romantischen Kennenlernen durch die Eiche.

Und falls Sie doch mal einem Betrüger im Internet begegnen: Auf unserer Themenseite Ratgeber Recht stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Zuerst erschienen in: Frau von Heute, Juni 2020. Ausgabe 26.

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