Aktualisiert: 29.07.2020 - 15:21

So verhalte ich mich richtig Campingplatz voll? Diese Regeln gelten beim Wildcampen!

Von

Einen Sonnenuntergang in freier Natur vom Zelt aus beobachten – herrlich! Leider ist wildes Campen in Deutschland so nicht überall erlaubt.

Foto: iStock.com/NathalieNasrallah

Einen Sonnenuntergang in freier Natur vom Zelt aus beobachten – herrlich! Leider ist wildes Campen in Deutschland so nicht überall erlaubt.

Deutschland macht Campingurlaub – und sprengt damit die Kapazitäten. Was also tun? Ist Wildcampen nicht eigentlich verboten? Nicht überall! Zu beachten gibt es dabei aber einiges!

Mit dem in die Ferne reisen klappt es dieses Jahr aufgrund von Corona ja nicht so gut. Warum also nicht mal das eigene Land erkunden? Nun – das denken alle. Die Folge? Hotels ausgebucht, Campingplätze voll. Aber nicht verzagen, wer die Natur mal so richtig erkunden will, kann spontan auch einfach das Zelt einpacken und los – oder? Einfach so auf freier Fläche oder im Wald campen ist aber nicht unbedingt erlaubt. Je nachdem, wo Sie Ihr Zelt aufschlagen, drohen horrende Bußgelder! Welche Regeln herrschen in Deutschland für das Wildcampen?

Wildcampen in Deutschland: Einfach irgendwo ein Zelt aufbauen?

Eines vorneweg: Die genauen Regelungen für ein klassisches Wildcampen mit einem Zelt in freier Wildbahn sind in Deutschland relativ undurchsichtig und in zahlreichen unterschiedlichen Gesetzen und Verordnungen in den einzelnen Bundesländern geregelt. Es empfiehlt sich also immer, erst einen Blick in die Regelungen der Länder zu werfen. Ein generelles Betreten von Natur und Wald ist hingegen deutschlandweit "zum Zwecke der Erholung" grundsätzlich immer erlaubt – das regelt das Bundesnaturschutz- bzw. Bundeswaldgesetz. Das Zelten schließt das allerdings nicht mit ein. Wer ganz sicher gehen will, findet heraus, ob das ausgeguckte Grundstück jemandem gehört und fragt um Erlaubnis.

Streng verboten ist das Campen dagegen in Naturschutzgebieten – also in Nationalparks, Biosphärenreservaten oder Biotopen. Auch Küstenbereiche sind streng geschützt. Im Wald zelten ist übrigens auch nicht erlaubt.

Das Biwakieren, also ein Übernachten unter freiem Himmel, ist dagegen in aller Regel zumindest für eine Nacht prinzipiell geduldet. Ausnahmen können hier jedoch Naturschutzgebiete oder Nationalparks sein. Für jeden Biwak- und Zelt-Fan gilt deswegen: Informieren Sie sich vorab, sprechen Sie die zuständigen Behörden oder auch private Grundstücksbesitzer an. Unter Umständen fallen ansonsten hohe Geldbußen an, wenn man gegen bestehende Gesetze oder Verordnungen verstößt.

Übrigens: Feuer machen in freier Wildbahn und abseits dafür vorgesehener und überwachter Flächen ist grundsätzlich keine gute Idee!

Eine Ausnahme bilden übrigens sogenannte Trekkingplätze. Das sind Plätze ohne viel Komfort, auf denen Zelte aufgeschlagen werden dürfen. Meist kostet das pro Nacht und pro Zelt 10 Euro. In Schleswig-Holstein ist das Benutzen von Trekkingplätzen sogar kostenlos.

So sieht es in den Bundesländern aus

Das Zelten in freier Landschaft ist in Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen sowie in Rheinland-Pfalz nicht ausdrücklich verboten. In Niedersachsen, im Saarland, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist das Wildcampen in freier Landschaft überall ohne Ausnahme verboten. In Bremen dürfen Sie Ihr Zelt nicht auf Feldern aufschlagen – alles andere ist nicht ausdrücklich verboten. In Brandenburg ist das Zelten Fuß-, Rad-, Reit- und Wasserwanderern dann erlaubt, "wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine besonderen Schutzvorschriften entgegenstehen." (§49, BbgNatschG)

Einfach den Campingwagen auf einem Parkplatz aufstellen?

Für Besitzer von Wohnwägen oder Wohnmobilen gelten hingegen andere Regeln. Generell sollten hier nur ausgewiesene Stellplätze oder Campingplätze angesteuert werden. Auch hier kann es ansonsten zu hohen Geldbußen kommen. Doch es gibt auch hier eine Ausnahme: Das Parken von Wohnmobilen, Gespannen und Caravans ist generell immer dort erlaubt, wo es nach der Straßenverkehrsordnung oder Schildern nicht ausdrücklich verboten ist. Dabei ist zum Beispiel laut ADAC auch erlaubt, eine "einmalige Zwischenübernachtung zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit" einzulegen.

Man gehe von einem Zeitraum bis zu zehn Stunden aus, bei der "natürlich auch die Camping-Ausstattung im Fahrzeug genutzt werden darf. Mehrmaliges Übernachten am gleichen Ort sei hingegen nicht erlaubt, damit würde man ansonsten die öffentlichen Verkehrswege und Parkplätze nicht mehr "vorwiegend zu Verkehrszwecken" nutzen. Auf Privatgrundstücken wie Parkplätzen von Restaurants, Tankstellen, Sportanlagen oder Ähnlichem muss generell immer eine Genehmigung des Eigentümers eingeholt werden.

Generell gilt natürlich, wo auch immer Sie wild Campen oder Biwakieren gehen: Ihren Müll nehmen Sie selbstverständlich wieder mit und beseitigen ihn in den dafür vorgesehenen Behältnissen. Und: Machen Sie keinen Lärm! Die Tierwelt wird es Ihnen danken!

Während der Coronavirus-Krise ist also auch bei Sommer-Urlaub im eigenen Land Vorsicht geboten. Ansonsten: Schauen Sie doch mal, nicht überall schlägt der Tourismus-Boom in Deutschland dieser Tage zu.

Vorsicht: Alle Angaben sind ohne Gewähr – bitte informieren Sie sich über die Gesetze der einzelnen Bundesländer. Hier gibt's den Bußgeldkatalog zum Thema "Illegal Campen" der Bundesländer.

Tolle Empfehlungen zur Adventszeit

Tolle Empfehlungen zur Adventszeit

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe