Aktualisiert: 23.10.2020 - 15:47

Gegen das Bezeichnungsverbot Kein Verbot: EU-Parlament stimmt zugunsten der "Veggie-Wurst" ab!

Die "Veggie-Wurst" darf bleiben! Am Freitag entschied sich das EU-Parlament gegen ein Verbot derartiger Benennungen.

Foto: iStock / dourleak

Die "Veggie-Wurst" darf bleiben! Am Freitag entschied sich das EU-Parlament gegen ein Verbot derartiger Benennungen.

Um zu verhindern, dass Verbraucher im Supermarkt versehentlich zum falschen Produkt greifen, sollten Bezeichnungen wie "Veggie-Wurst" verboten werden. Der Vorstoß blieb erfolglos.

Wer sich vor 20 Jahren vegetarisch oder vegan ernährte, galt nicht nur vielen als Sonderling, sondern kam auch im Supermarkt lange nicht in den Genuss der Auswahl an vegetarischen und veganen Produkten, die ihm heute zur Verfügung steht. Musste man früher kreativ werden und Bratlinge, Aufstriche und Co selbst herstellen, gibt es mittlerweile ein breites Spektrum an vegetarischen und veganen Optionen, ganz gleich ob man nach einer Milchalternative oder einem leckeren Brotaufstrich sucht.

Diese große Auswahl an Ersatzprodukten bleibt uns voraussichtlich erhalten. Jetzt steht fest: Bei vielen Produkten bleibt auch der Name gleich! Was hingegen bald geändert werden könnte, sind ihre Namen: Das EU-Parlament diskutierte ein Verbot von Bezeichnungen wie "Veggie-Wurst" – und entschied sich dagegen.

Veggie-Wurst: Verbot wegen Verwechslungsgefahr?

Es ist und bleibt eine beliebte Streitfrage in der Auseinandersetzung zwischen Vegetariern und Fleischessern: Wenn man doch Wert auf vegane oder vegetarische Ernährung legt, warum konsumiert man dann Produkte, die in Optik, Haptik und Bezeichnung dem fleischigen Original so ähnlich wie möglich sein sollen? Tatsächlich entspringt diese Präferenz normalerweise nicht dem geheimen Verlangen nach Fleisch, das sich Vegetarier und Veganer einfach nicht eingestehen wollen. Stattdessen geht es darum, welche Erwartungen an ein Produkt gestellt werden.

Neuanfänger auf dem Gebiet der fleischlosen Ernährung wissen: Sich auf dem vegetarischen Markt zurechtzufinden, ist oft gar nicht so einfach. Was schmeckt am besten im Kaffee, Soja-, Hafer- oder Reismilch? Und was ist die perfekte Ergänzung für die Gemüselasagne, Seitan, Tofu, oder doch lieber Fleischersatz aus Lupinen oder Jackfruit?

Etablierte Bezeichnungen erleichtern hier die Orientierung: Wer ein Produkt kauft, das die Bezeichnung Veggie-Schnitzel trägt, weiß, dass die Konsistenz nicht an Hackfleisch erinnert. Und wer Veggie-Wurst auf das Kassenband legt, hat gute Chancen darauf, dass sich diese als Brotbelag für die morgendliche Stulle verwenden lässt. Und da die Ersatzprodukte normalerweise deutlich als solche gekennzeichnet sind, besteht auch keine Verwechslungsgefahr – sollte man zumindest meinen…

EU-Parlament: Die Veggie-Wurst bleibt

Diese Auffassung vertrat offensichtlich auch das EU-Parlament. Laut der Deutschen Presse-Agentur lehnte dieses das Bezeichnungsverbot am Freitag ab: Fleisch-Ersatzprodukte dürfen auch weiterhin Veggie-Wurst, Veggie-Burger oder Veggie-Steak heißen.

Statt Würstchen und Geschnetzeltem sind aber jetzt andere Produkte von strengeren Richtlinien bei der Namensgebung betroffen: Vegane Milch und veganer Käse! Bereits seit 2017 sind Bezeichnungen wie "Mandelmilch" in der EU verboten, da – mit Ausnahme von Kokosmilch – der Begriff "Milch" nur für Erzeugnisse aus der "normalen Eutersekretion" von Tieren verwendet werden darf. Benennungen, die das Namensproblem mit Ausdrücken wie "Typ", "Ersatz für" oder "Nachahmung von" lösten, waren bisher erlaubt. Damit ist nun Schluss.

So berichtete BILD der FRAU in der Vergangenheit: Original vom 27.07.20:

Verbraucherschützer werfen Herstellern Kundentäuschung vor

Verbraucherschützer bemängeln bereits seit Längerem, dass es für Kunden nicht immer klar ersichtlich ist, ob es sich bei einem Produkt um echtes Fleisch oder ein fleischloses Ersatzprodukt handelt. Sie werfen den Herstellern von Ersatzprodukten Kundentäuschung vor. Hersteller von Ersatzprodukten sollten auf Benennungen zurückzugreifen, die nicht bereits aus der Fleischindustrie bekannt sind, so die Forderung.

Aus der Veggie-Wurst solle beispielsweise die Veggie-Disc werden. Bereits 2016 hatte der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ein Verbot für die fleischigen Benennungen gefordert – und das, obwohl eine Erhebung der Verbraucherzentrale Bundesverband bereits 2015 gezeigt hatte, dass lediglich 4 Prozent der Befragten in der Vergangenheit bereits versehentlich zu fleischlosen anstatt fleischhaltigen Produkten gegriffen hatten.

Schnitzel: ja, Steak: nein

Trotz dieses geringen Prozentsatzes ist seitdem ein Verbot von Veggie-Wurst und Co im Gespräch. Derartige Vorstöße gehen vor allem vom Agrarausschuss des EU-Parlaments aus. Im Nachbarland Frankreich wurde es sogar bereits eingeführt, obwohl die endgültige Entscheidung der Europäischen Kommission noch aussteht. Wie "chip.de" berichtete, soll diese im Spätherbst gefällt werden.

Bisher gibt es lediglich die "Leitsätze für vegane und vegetarische Lebensmittel mit Ähnlichkeit zu Lebensmitteln tierischen Ursprungs", die 2018 von der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission erarbeitet wurden. Diese Leitsätze sehen unter anderem vor, dass die Benennung von Ersatzprodukten nach zerkleinerten Fleischteilen erlaubt ist, Benennungen, die sich an speziellen gewachsenen Fleischstücken orientieren, sind hingegen verboten. Kurz gesagt bedeutet das: Veggie-Schnitzel und Veggie-Frikadellen: ja, Veggie-Schinken und Veggie-Steak: nein.

Dazu ist zu sagen, dass diese Leitsätze laut "lebensmittelklarheit.de" noch nicht rechtlich bindend sind. Sie dienen lediglich als Orientierungshilfe für Hersteller, auf die auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen Bezug genommen werden kann. Dies könnte sich mit der Entscheidung der Europäischen Kommission allerdings bald ändern.

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