23.07.2020 - 19:17

Stiftung Warentest Billig-Online-Shops: Wie seriös sind Wish und Co?

Online-Shopping? Na klar – aber mit Vorsicht! Wir verraten Ihnen, was es mit Billig-Online-Shops wie Wish und Co auf sich hat.

Foto: iStock / Ridofranz

Online-Shopping? Na klar – aber mit Vorsicht! Wir verraten Ihnen, was es mit Billig-Online-Shops wie Wish und Co auf sich hat.

Billig-Online-Shops wie Wish und Co verkaufen scheinbar alles, was man sich nur erträumen kann. Doch was erwartet Sie, wenn Sie dort bestellen? Die Experten von Stiftung Warentest haben die Billig-Online-Shops einmal genauer unter die Lupe genommen…

Wish, AliExpress und Co vertreiben gefühlt alles: Kleidung und Accessoires können Sie dort genauso erwerben wie Elektroartikel, Kinderspielzeug oder Hygieneartikel. Und das Beste daran: All diese Waren gibt es für einen Bruchteil dessen, was Sie woanders zahlen würden. Klingt traumhaft, nicht wahr? Das finden auch viele Schnäppchenjäger und schwören auf die Billig-Online-Shops.

Andere sind da skeptischer: Sind die Billig-Online-Shops seriös? Kommt die Ware überhaupt an? Wie steht es um die Qualität? Und was, wenn ich mit einem Produkt mal nicht zufrieden bin? Bleibe ich dann darauf sitzen? Es mögen im Zweifelsfall zwar nur wenige Euro sein, die Sie bei Wish und ähnlichen Shops ausgeben – dennoch ist es schade, dieses Geld im Zweifelsfall "wegzuschmeißen". Ganz zu schweigen davon, dass mangelhafte Qualität nicht nur ärgerlich, sondern auch richtig gefährlich sein kann. Das zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die die beliebten Billig-Shops mal genauer unter die Lupe genommen hat.

Billig-Online-Shops = China Shops? Das steckt dahinter

Oft wird diese Art von Online-Shops auch als "China-Shops" bezeichnet. Da die Produktion in China besonders günstig ist und Postsendungen aus dem Land aufgrund einer Sonderregelung des Weltpostvereins bisher extrem billig verschickt wurden konnten, kostet dort produzierte Ware oft deutlich weniger als vergleichbare Produkte in Deutschland. Die Bezeichnung "China-Shop" gilt deshalb mittlerweile als Signalwort für niedrigpreise Ware, deren hervorstechendstes Merkmal nicht unbedingt ihre lange Lebensdauer ist.

Dabei ist der Begriff "China-Shops" teilweise irreführend, impliziert er doch, dass diese sich in Asien befänden. Tatsächlich liegt aber der Sitz der Shopping-Plattform Wish, die in der Online-Welt vor allem für ihre absurden und teils verstörenden Werbeanzeigen bekannt ist, in San Francisco. Die Assoziation mit China stammt daher, dass Wish nicht selbst Waren anbietet, sondern lediglich eine Plattform bereitstellt, auf der Händler ihre Ware vertreiben können. Ein Großteil dieser Händler stammt aus China. Typisch für die verkaufte Ware ist, dass kein Hersteller oder Markenname angegeben ist.

Ähnlich verhält es sich bei der Plattform AliExpress, mit dem Unterschied, dass AliExpress tatsächlich in China sitzt. Die Plattform ist Teil der Alibaba Group, einem Unternehmen mit Sitz in Hangzhou. Auch Plattformen, die deutschen Konsumenten geläufiger sind, beispielsweise Ebay oder Amazon, machen das "China-Shopping-Erlebnis" möglich: Bei diesen Anbietern verkaufen ebenfalls Händler aus China ihre Ware.

Harte Kritik an Wish und Co

Am häufigsten kritisiert wird an den Billig-Online-Shops die lange Versanddauer und die minderwertige Qualität. Bestellen Sie zum Beispiel bei Wish, kann der Versand mehrere Wochen dauern, bei anderen Händlern aus Asien ist es oft ähnlich. Der Grund dafür ist nicht nur der lange Transportweg, sondern auch die Überprüfung beim Zoll, die sich aufgrund der Überlastung der Zollämter teilweise über mehrere Wochen ziehen kann.

Was schlechte Qualität angeht, so ist diese natürlich weniger einfach objektiv zu bestimmen als die Versanddauer. Was dem einen als minderwertig aufstößt und ihn bei der Verwendung des Artikels stört, fällt dem anderen nicht einmal auf. Zwar gibt es durchaus Siegel und Zeichen, die Produkten eine zufriedenstellende Qualität bescheinigen sollen. So weist Stiftung Warentest beispielsweise darauf hin, dass in Europa ausschließlich Spielzeug- und Elektronikartikel verkauft werden dürfen, die das sogenannte CE-Zeichen trägt. Das CE-Zeichen bestätigt, dass bei dem Produkt die Regeln zur Produktsicherheit eingehalten wurden. Für Produkte aus China gilt diese Vorgabe nicht.

Doch wie minderwertig ist die Ware der Billig-Online-Shops denn nun wirklich? Um eine Aussage darüber treffen zu können, wie es um die Qualität diverser Produkte aus Billig-Online-Shops steht, hat Stiftung Warentest die Ergebnisse von Produkttests verschiedener europäischer Verbraucherorganisationen zusammengetragen:

  • Motorradhelm, 36 Euro mit Versand, über Amazon Marketplace: Der Helm erfüllte die EU-Sicherheitsstandards nicht. Im Falle eines Unfalls kann das für den Motorradfahrer schwere Verletzungen oder sogar den Tod bedeuten.
  • Powerbank, 2 Euro mit Versand, AliExpress: Die Powerbank zum Schnäppchenpreis schmorte im Test einfach durch. Das gefährdet nicht nur angeschlossene Geräte, die Powerbank kann Ihnen auch einen elektrischen Schlag versetzen.
  • Rauchmelder, 6 Euro mit Versand, Ebay: Der Rauchmelder reagierte weder auf Rauch, noch auf Kohlenmonoxid. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich! Besonders schockierend: Keiner der vier getesteten Rauchmelder reagierte auf Rauch.
  • Spieluhr, 9 Euro mit Versand, Wish: Das Batteriefach der Spieluhr war nicht abschließbar. Das bedeutet, dass Kinder an Kleinteile gelangen, diese verschlucken und ersticken können.
  • Lippenstift, 2 Euro mit Versand, Wish: Die Tester erwarben insgesamt 39 Kosmetikartikel. Bei über der Hälfte davon waren die Inhaltsstoffe nicht angegeben. Ganz davon abgesehen, dass giftige oder anderweitig schädliche Inhaltsstoffe für jeden ein Gesundheitsrisiko bedeuten können, kann ein Kosmetik-Fehlgriff insbesondere für Allergiker gefährlich sein.

Offenbar hat Qualität – und Sicherheit! – also doch häufig ihren Preis. Gut zu wissen! Wenn es aber bereits zu spät ist und Sie bereits ein mangelhaftes Produkt erworben haben, dann stellt sich natürlich die Frage: Was jetzt? In Deutschland ist es in der Regel möglich, mangelhafte Ware wieder zurückzusenden, den Kaufpreis bekommt man dann erstattet. Aber wie sieht es bei den Billig-Online-Shops wie Wish und Co aus?

Käuferrechte sind nur "graue Theorie"

Grundsätzlich gilt laut Stiftung Warentest: Der Hersteller haftet. Auch in China gibt es schließlich ein Produkthaftungsgesetz. Das Problem ist: Es ist schwierig, dieses Gesetz durchzusetzen, insbesondere, weil man gerade bei den Verkaufsplattformen nicht immer weiß, wer der Hersteller ist. Eventuell könnte es auch sein, dass der Händler, also in diesem Fall die entsprechende Verkaufsplattform, haftbar gemacht werden kann. In der Realität sind solche Anforderungen aber nur schwer durchzusetzen.

Außerdem ist bei grenzüberschreitenden Geschäften nur schwer feststellbar, welches Recht angewendet wird. Felix Braun, Jurist und Leiter der Universalschlichtungsstelle des Bundes, sagte gegenüber der Stiftung Warentest, er halte es für vorstellbar, dass beim Einkauf in den "China-Shops" deutsches Recht anwendbar sei, schließlich werden über die Portale bewusst europäische Kunden angesprochen. In diesem Fall könne der Kunde zwar auf Nacherfüllung durch ein Ersatzprodukt oder Reparatur bestehen oder sein Geld zurückverlangen. Auch in diesem Fall sind die Rechte des Kunden aber laut Felix Braun nur "graue Theorie". Sogar wenn ein Händler in Deutschland verklagt werden könne, werde dieses Urteil in China nicht unbedingt anerkannt.

Das bedeutet übrigens nicht, dass Verkaufsportale von vorneherein als rechtsfreier Raum konzipiert sind. Die meisten von ihnen bieten Schutzprogramme an, bei Amazon Marketplace haben Sie beispielsweise eine 90-Tage-Garantie, außerdem muss der Verkäufer bei einem beschädigten Produkt für den Rückversand aufkommen. Auch bei Wish und AliExpress können Sie Ware zurücksenden. Im Normalfall müssen Sie hier das Rückporto aber selbst übernehmen. Da die Versandkosten von Deutschland nach China aber viel höher sind als umgekehrt, kann das teuer werden. Auch gezahlte Zollabgaben und Steuern erhalten Sie nicht zurück.

Gern vergessen: Zoll und Steuern

Denn das vergessen viele im Glücksrausch des billigen Online-Shoppings gerne: Günstige Produkte aus dem Ausland sind oft doch nicht so günstig: Es winken hohe Steuern und Zollabgaben. Auch Wish und Co sind da keine Ausnahme. Sobald Sie mit Ihren bestellten Waren und den Versandkosten auf 150 Euro kommen, zahlen Sie Zollgebühren. Besonders riskant ist es, wenn Sie die Billig-Online-Shops dazu nutzen, Plagiate hochpreisiger Markenware zu bestellen: Stoßen die Zollbeamte bei ihren stichprobenartigen Kontrollen auf Fälschungen, werden diese einbehalten und im Normalfall vernichtet. Außerdem wird gegebenenfalls der Originalhersteller benachrichtigt – in diesem Fall winken zusätzlich zu dem vermutlich verlorenen Kaufpreis teure Abmahnungen.

Schon bei Beträgen ab 22 Euro fallen hingegen die sogenannten Einfuhrumsatzsteuern an. Meistens betragen diese 19 Prozent, manchmal auch 7 Prozent. Solange der Steuerbetrag allerdings kleiner als 5 Euro ist, werden die Steuern nicht eingefordert, Sie als Käufer müssen diese Steuern also nicht zahlen.

Billig-Online-Shops: Unser Fazit

Das Fazit über die Billig-Online-Shops fällt in Anbetracht der von Stiftung Warentest angestellten Überprüfungen denkbar ernüchternd aus. Wenn etwas eine Spur zu traumhaft klingt um wahr zu sein, dann ist es das offenbar auch – zumindest in Bezug auf Wish, AliExpress und Co. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie keines der Produkte, die Sie dort bestellen, erhalten. Es heißt auch nicht, dass alle Produkte mangelhaft oder qualitativ minderwertig sind. Das Risiko ist aber definitiv vorhanden.

Generell lässt sich sagen: Wenn Sie das Produkt, mit dem Sie liebäugeln, nicht allzu dringend benötigen und etwas Ungefährliches bestellen, können Sie das Experiment mit den Billig-Online-Shops vermutlich wagen. Eine Handyhülle kann – solange nicht aus giftigem Material hergestellt – nur wenig Schaden anrichten und wenn Ihnen der neue Cardigan in der Wäsche eingeht, so mag das zwar ärgerlich sein, aber nicht gefährlich. Sie sollten allerdings darauf achten, nicht zu viel Geld auszugeben. Zum einen für den Fall, dass etwas mit Ihrer Bestellung schiefgeht, zum anderen, weil ansonsten hohe Zollabgaben und Steuern auf Sie zukommen.

Wenn Sie allerdings nicht die Zeit haben, gegebenenfalls mehrere Wochen auf Ihr Produkt zu warten und Sie etwas benötigen, bei dem mangelhafte Qualität zu ernsthaften Schäden führen kann, insbesondere Spielzeug, Elektronik und Kosmetik, gilt: Lassen Sie lieber die Finger von den Billig-Online-Shops und bestellen Sie stattdessen irgendwo, wo Sie sich sicher sein können, dass Sicherheitsstandards eingehalten wurden und wo Sie im Ernstfall rechtlich geschützt sind.

Shopping kann die Laune heben – zumindest, wenn man es richtig anstellt: Mit diesen drei goldenen Einkaufsregeln macht Shopping glücklich!

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Weitere Tests der Stiftung Warentest finden Sie auf unserer Themenseite sowie auf der Website von Stiftung Warentest.

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