Aktualisiert: 20.07.2020 - 20:07

Hamburger Experten sind sich einig Corona-Pleitewelle: Da rollt was auf uns zu...

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Viele Läden mussten bereits schließen, weitere werden folgen – davon geht jedenfalls der Kreditversicherer Euler Hermes aus Hamburg aus: Wen trifft die Corona-Pleitewelle?

Foto: iStock.com/franconiaphoto

Viele Läden mussten bereits schließen, weitere werden folgen – davon geht jedenfalls der Kreditversicherer Euler Hermes aus Hamburg aus: Wen trifft die Corona-Pleitewelle?

Aktuell halten sich viele Firmen weltweit trotz Produktionsausfällen aufgrund der Coronavirus-Pandemie noch überraschend gut. Das könnte aber bald ein Ende haben – vermutet der Kreditversicherer Euler Hermes aus Hamburg. Warum Deutschland aber weltweit noch mit am besten dasteht:

Rund zwölf Prozent mehr Insolvenzen in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr: Der Vergleich zu 2019, den die Hamburger Finanzforscher von Euler Hermes ziehen, klingt erst einmal niederschmetternd. Zwölf Prozent, das sind etwa 21.000 Insolvenzfälle mehr. Sie rechnen damit, dass die Corona-Pleitewelle ab Herbst ins Rollen kommt – weltweit.

Corona-Pleitewelle soll sich ab Herbst bemerkbar machen

Für dieses Jahr erwarten die Experten demnach einen Insolvenz-Zuwachs von vier Prozent, 2021 sollen dann nochmal acht Prozent folgen. Wie sie darauf kommen? Unternehmen müssen ihre Probleme, die zu einer Insolvenz führen können, dieses Jahr erst spätestens im Herbst bei einem Insolvenzgericht anzeigen. Aus diesem Grund gibt es auch aktuell noch wenig Fälle hierzulande – Anfang des Jahres war die Zahl der Insolvenzfälle sogar gesunken. "Aber der Schein trügt, und im Herbst schlägt für viele die Stunde der Wahrheit", erklärt Ron van het Hof, Geschäftsführer von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz, gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa.

Erste Insolvenzen gab es schon – Deutschland komme dennoch "mit blauem Auge davon"

Die Antragsfrist ist derzeit coronabedingt auf den 30. September verschoben worden. Dennoch mussten einige große Unternehmen bereits Insolvenz anmelden, darunter Galeria Karstadt Kaufhof, sowie die Modeunternehmen Hallhuber und Appelrath Cüpper.

Doch im globalen Vergleich schlägt sich Deutschland damit noch verhältnismäßig wacker und komme der Prognose zufolge mit einem "blauen Auge davon", so van het Hof: "Gründe dafür sind neben der besseren Ausgangssituation und dem kürzeren, weniger strikten Lockdown vor allem die schnellen und sehr umfangreichen Sofortmaßnahmen der Regierung."

Weltweit rasanterer Insolvenz-Anstieg

Weltweit sieht es da nämlich noch extremer aus: Die Experten von Euler Hermes erwarten global einen kumulierten Anstieg der Insolvenzen um 35 Prozent für 2020 und 2021. Möglicherweise reicht das aber noch nicht, erklärt Maxime Lemerle, Oberhaupt der Insolvenz- und Branchenanalysen bei Euler Hermes: "Wenn die jeweiligen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zu früh beendet werden, dürfte der Anstieg sogar noch um 5 bis 10 Prozentpunkte höher ausfallen."

Wie gut Deutschland in dieser Prognose dasteht, wird bei einem kurzen Blick auf die Zahlen anderer Industrienationen deutlich: Der Kreditversicherer erwartet in seiner Zukunftsaussicht für die USA einen Insolvenz-Anstieg von 47 Prozent im Vergleich zu 2019. Gefolgt wird diesem Spitzenwert von Brasilien mit einem Plus von 32 Prozent. Aber auch China (plus 21 Prozent) sowie viele europäische Staaten sind demnach massiv betroffen: In Portugal rechnen die Experten mit einem Anstieg der Insolvenzen um 30 Prozent, in den Niederlanden um 29 Prozent, in Spanien um 20 Prozent und in Italien um 18 Prozent.

Experte rät Unternehmen: Lieber frühzeitig kümmern

Ein Trost sind diese Vergleichszahlen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor allem in den stark betroffenen Branchen wie der Gastronomie, dem Kultur- und Eventsektor und mehr sicherlich trotzdem kaum. Das hatte der Insolvenzverwalter Lucas Flöther bereits im Juni gegenüber t-online erklärt: Über 850.000 Unternehmen hatten bis dahin bereits Kurzarbeit angemeldet. Zwar sei der Großteil dieser Unternehmen dadurch nicht gleich von der Insolvenz bedroht, doch die Zahl zeige eindrücklich, wie groß die finanziellen Schwierigkeiten sind.

Er prognostiziert: "Sicher ist schon jetzt: Die Zahl der größeren Unternehmen, die in Schieflage geraten, wird in der Corona-Krise deutlich steigen." Und weiter: "Die Krise wird folglich deutlich größere Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, weil mehr Menschen der Verlust ihrer Arbeitsplätze droht." Vor allem im Gastgewerbe werde das Wiederhocharbeiten aufgrund ohnehin schon geringer Margen schwierig. Sein Tipp an Unternehmer, die aufgrund der Corona-Krise in Schieflage geraten, ist daher: Lieber früher als später mit allen Möglichkeiten vertraut machen, die ein geordnetes Insolvenz- oder Schutzschirmverfahren mitbringen können. Das kann endgültige Pleiten, die auch noch aufgrund von schwer abbezahlbaren Krediten entstehen können, verhindern.

Nicht nur die Menschheit leidet unter der Krankheit – auch auf die Wirtschaft haben die Einschränkungen wegen der Pandemiesituation großen Einfluss. Auch auf die Rente könnte die Corona-Krise Auswirkungen haben.

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