Aktualisiert: 17.07.2020 - 18:32

Krankes Spiel Neuer Kettenbrief: "Grusel-Goofy" treibt Kinder in den Selbstmord

"Grusel-Goofy" schreibt mit Kettenbriefen gezielt Kinder an und stellt ihnen Aufgaben, die mir selbstverletzendem Verhalten einhergehen.

Foto: iStock / sam thomas

"Grusel-Goofy" schreibt mit Kettenbriefen gezielt Kinder an und stellt ihnen Aufgaben, die mir selbstverletzendem Verhalten einhergehen.

Der Social-Media-Account von "Grusel-Goofy" ist alles andere als ein harmloser Scherz. Stattdessen animiert dieser Kinder in Kettenbriefen dazu, sich selbst zu verletzen.

"Wenn du diese Nachricht nicht an 10 Freunde weiterleitest, wirst du 7 Jahre lang Pech haben!" Wer erinnert sich nicht an die guten alten Kettenbriefe aus den Anfangsjahren des Internets für alle? Wenn Sie jetzt allerdings denken, dass dieses Phänomen im Jahr 2020 endgültig in der Versenkung verschwunden ist, irrt sich.

Kettenbriefe gibt es nach wie vor – und diese haben mit den harmlosen Massenmails von früher leider nicht mehr viel gemein. Die Kettenbriefe, die seit einigen Jahren im Netz kursieren, richten sich an die verletzlichsten Internetnutzer überhaupt: Kinder. Diese werden zu gefährlichen Handlungen animiert. Das neueste Beispiel: "Grusel-Goofy", ein Kettenbrief-Phänomen, das Kinder in den Selbstmord treibt.

Das Kettenbrief-Phänomen Grusel-Goofy – so läuft es ab

Grusel-Goofy ist nicht der echte Name des Accounts, unter dem ein Unbekannter auf Plattformen wie WhatsApp, Instagram und TikTok Kontakt zu Minderjährigen aufnimmt. Stattdessen werden die Profile unter dem Namen Jonathan Galindo angelegt. Der Name kommt von dem Profilbild des anonymen Täters: Dieses zeigt eine gruselige, menschliche Version des Disney-Charakters Goofy. Es ist davon auszugehen, dass es mittlerweile nicht mehr nur einen Grusel-Goofy gibt, sondern dass zahlreiche Nachahmer ebenfalls solche Grusel-Profile anlegen.

Grusel-Goofy schreibt gezielt Kinder an. Wenn diese reagieren, sendet er ihnen einen Link zu. Dieser Link führt zu einer Liste mit 50 Aufgaben, die die Kinder erfüllen sollen – jeden Tag eine. Die Aufgaben sind zum Teil selbstverletzend und gefährlich, im schlimmsten Fall führt ein Abarbeiten der Liste zu Selbstmord. Weiterhin werden die Kinder instruiert, die Liste an ihre Freunde weiterzuleiten. Weigern sie sich oder wollen gar aus dem kranken Spiel aussteigen, jagt Grusel-Goofy ihnen mit Drohungen Angst ein.

Social-Media-Plattformen ergreifen erste Maßnahmen

Wie eine Unternehmenssprecherin der Video-Plattform TikTok der "Passauer Neuen Presse" berichtete, habe TikTok mittlerweile alle Nachrichten von Jonathan Galindo gelöscht und die Suchfunktion für diesen Namen deaktiviert. Eine lobenswerte Reaktion – es sollte allerdings nicht vergessen werden, dass der Versuch, gefährliche Inhalte zu bannen, keinesfalls die Aufklärung der Kinder über Gefahren im Netz ersetzen kann. Diese Ansicht teilt auch der Cyber-Kriminologe Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger, der in einem Post auf LinkedIn vor Grusel-Goofy warnte. Als "einzigen wirklichen Schutz" sieht der Experte die "Aufklärung und Vermittlung von Medienkompetenz bei den Kindern".

Dabei gilt vor allem eins: Nehmen Sie die Gefahren, die von Accounts wie diesem ausgehen, ernst. Ihnen als erwachsener Person mag es unrealistisch vorkommen, dass ein Social-Media-Account zu selbstverletzenden Handlungen motivieren kann. Kinder hingegen erkennen derartige Gefahren nicht immer gleich und lassen sich unter Umständen in ein gefährliches Spiel wie dieses verwickeln. Auch Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger schreibt: "Auch wenn zu Beginn viele solche Kettenbriefe als Hoaxe [Anm. d. Red.: eine Falschmeldung, die online verbreitet wird] angesehen haben, muss man doch sagen spielen sie gerade bei Kindern leider eine echte Rolle."

Grusel-Goofy ist nicht das erste Kettenbrief-Phänomen

Grusel-Goofy ist nicht der erste Account, der Kinder zu selbstverletzendem Verhalten auffordert. Stattdessen weist das neueste Kettenbrief-Phänomen Parallelen zu früheren Challenges auf. So sorgte 2016 zum Beispiel die "Blue Whale Challenge" für Aufruhr: In deren Rahmen wurde ebenfalls eine Liste mit 50 Aufgaben an Minderjährige verschickt, in Russland begingen drei Mädchen Suizid. 2018 sollen Kinder dann Nachrichten von "Momo" erhalten haben, die wie Grusel-Goofy ebenfalls ein unheimlich verzerrtes menschliches Gesicht als Profilbild hatte. Auch Momo soll ihre Opfer zu gefährlichen Aufgaben angestiftet haben, später stellte sich dann jedoch heraus, dass die "Momo-Challenge" tatsächlich ein Hoax sei und so nicht stattgefunden habe.

Grusel-Goofy ist also nicht das erste gefährliche Kettenbrief-Phänomen – und wird voraussichtlich auch nicht das letzte sein. Schärfen Sie Ihrem Kind deshalb ein, generell nicht auf die Nachrichten von Fremden zu antworten – nicht nur dann, wenn diese mit einem unheimlichen Profilbild einhergehen. Stattdessen sollte Ihr Kind damit zu Ihnen kommen. Im Anschluss können Sie gemeinsam die Nachricht löschen und den Absender blockieren.

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Auch zu Beginn der Corona-Krise sorgten Kettenbriefe für Aufsehen. Durch diese wurden gezielt Falschinformationen verbreitet: Falsche "Arzt-Tipps" via WhatsApp: Panikmache vor Coronavirus.

Auch sonst ist WhatsApp kein rechtsfreier Raum. Lesen Sie hier, wie schnell Sie sich bei WhatsApp strafbar machen!

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