Aktualisiert: 16.07.2020 - 21:41

Rührende Aktion in Berlin Wie Truck-Fahrer einem todkranken Mann den letzten Wunsch erfüllten

Ein Truck-Konvoi mitten in Berlin: Einem todkranken Ex-LKW-Fahrer wurde diese letzte Bitte jetzt erfüllt.

Foto: iStock.com/Oleksandr Filon

Ein Truck-Konvoi mitten in Berlin: Einem todkranken Ex-LKW-Fahrer wurde diese letzte Bitte jetzt erfüllt.

Hartmut muss bald sterben. Der letzte Wunsch des todkranken Ex-LKW-Fahrers: Noch einmal einen so richtig schön beleuchteten Truck zu sehen. Eine Freundin postete das Anliegen auf Facebook...

"Hallo an die lieben Trucker die sich hier vielleicht tummeln. Ich habe ein Anliegen, das mir sehr am Herzen liegt." So beginnt ein Facebook-Post, der am 5. Juli 2020 online gestellt wurde. Aus der virtuellen Bitte ist eine wunderbar anrührende Geschichte entstanden, die mittlerweile ganze Massen von Menschen erreicht – und mit Sicherheit sehr berührt hat. Es ist die Geschichte von Hartmut: Der ehemalige LKW-Fahrer muss bald sterben und will so gerne noch einmal einen Truck in voller Beleuchtung sehen.

Bitte eines todkranken Mannes: noch einmal einen Truck sehen

Die Facebook-Gruppe "Nett-Werk Berlin" ist eine Art Nachbarschaftshilfe, das Menschen helfen und sie zusammenbringen will. Dort verfasste Sabine Erfmann vor nicht einmal zwei Wochen den Aufruf für ihren todkranken Freund Hartmut, den sie so fortsetzt: "Ein Freund von mir hat nur noch wenige Tage zu leben. Sein größter letzter Wunsch wäre es, wenn er nochmal einen Truck sehen könnte, der ordentlich beleuchtet ist."

Und dann formuliert sie die eigentliche Bitte: "Vielleicht hat ja einer von euch Zeit und Lust, ihm sein letzten Wunsch zu erfüllen. Das wäre super."

Was dann folgte, hätte sich die Freundin von Hartmut wohl nicht träumen lassen: Es folgten zahlreiche Antworten von Truckern, die ihrerseits wieder weitere Kumpel und Freunde mobilisierten, so dass sich innerhalb kurzer Zeit etliche Fahrer mit ihren LKWs aus Berlin, Brandenburg, ja ganz Deutschland gemeldet hatten. Nach und nach wurde klar, dass sich aus der kleinen Bitte via Facebook ein großer Konvoi auf Berlins Straßen bilden würde.

Dem Berliner "Tagesspiegel" gegenüber sagte einer der Initiatoren der spontanen Aktion: "Ich kenne Hartmut zwar nicht, aber solange ich ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, mache ich das gerne." Angesichts des regen Zulaufs ergänzte er: "Das liebe ich an der Trucker-Szene. Da ist einer für den anderen da."

Nicht mehr viel Zeit: Konvoi startet früher als geplant

Doch dann muss auf einmal alles noch schneller gehen als ohnehin schon. Wie "Focus" berichtet, meldet sich das Berliner Hospiz, in dem Hartmut seine letzten Tage verbringt, bei den Initiatoren: Hartmut gehe es sehr schlecht, es bleibt wohl nicht mehr viel Zeit. Also werden alle Trucker aus der näheren Umgebung zusammengetrommelt, um die Aktion sofort starten zu lassen.

Und so versammeln sich insgesamt 17 LKWs, außerdem einige ausgediente US-Polizeifahrzeuge unter den Augen der Berliner Polizei, die die Großaktion überwacht, mitten in Berlin. Auch ein ehemaliges US-Einsatzfahrzeug in Knallorange ist dabei – dort hinein wird Hartmut aus seinem Rollstuhl gehoben, der das Ganze mit glänzenden Augen vom Straßenrand verfolgt.

Der dem Tod Geweihte ist nicht der einzige, der zutiefst gerührt ist: Das Hupkonzert, die vielen Menschen und vor allen Dingen der Anlass zu dieser Aktion treibt vielen anderen Wasser in die Augen: "Ich habe Trucker gesehen, gestandene Männer, die Rotz und Wasser geheult haben", zitiert "Focus" einen der Anwesenden.

Ein riesiges Dankeschön, auch vom Hospiz: Aktion kam zur rechten Zeit

Nicht nur Hartmut selbst hat diese Aktion wohl außerordentlich gut gefallen: Auch Sabine Erfmann, die mit ihrem Post die Aktion ins Leben gerufen hatte, schrieb noch am selben Abend: "Hartmut liegt jetzt überglücklich in seinem Bett. Danke euch allen."

Die Betreiber des Hospizes Ricam sind von der großen mitmenschlichen Geste ebenfalls sehr gerührt. Auf deren Facebook-Seite heißt es über die Aktion, dass sie "in dieser Geschwindigkeit und Präsenz in unseren Augen einmalig war". Und weiter: "Es ging darum, einem sterbenden Menschen den letzten großen Wunsch zu erfüllen." Sie wüssten nicht, "wie viele Menschen sich am Sonntag und am Montag dafür eingesetzt haben, dass Hartmut nicht nur 1 beleuchteten Truck sehen konnte", sondern ein ganzer Konvoi zusammen gekommen sei.

"Fast alle Menschen, die sich für Hartmuts letzten Wunsch engagiert haben, waren Menschen, die Hartmut nicht kannten. Sie alle gaben ihm am Montag das Gefühl, ein Mensch unter vielen guten lieben Freunden zu sein. Freunden, denen er etwas bedeutete."

Es folgen Danksagungen – für "Menschlichkeit, Zusammenhalt und Liebe" als "treibende Kräfte unseres Zusammenlebens", an "alle Menschen, die diesen Moment der Menschlichkeit für Hartmut möglich gemacht" haben, außerdem "allen Menschen, die unsere Hospizarbeit unterstützen." Und noch ein Satz steht dort: "Heute ist Hartmut verstorben."

Was für eine traurige Nachricht. Und dennoch: Was für ein Glück, dass Hartmut diese letzte große Aktion ihm zu Ehren noch erleben durfte!

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Waren Sie schon mal in einem Hospiz? Schauspieler Falk-Willy Wild sagt, dass gerade dies ein Ort der Lebensfreude sei. Er ist Botschafter der Björn-Schulz-Stiftung, der unter anderem das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin gehört. Im Interview spricht Wild über den Alltag in der Einrichtung, den Umgang mit dem Tod und was wir alle von den kleinen, mutigen Patienten im Sonnenhof lernen können.

Wie aus einem Unfalltod eine Freundschaft entstehen kann, erfahren Sie in der Geschichte von Jutta Andresen. Sie hat ihre Tochter durch einen Autounfall verloren. Es bricht ihr das Herz – dennoch nimmt sie irgendwann Kontakt zum Unglücksfahrer und dessen Familie auf. Mit seiner Mutter ist sie heute befreundet – und hat zusammen mit ihr die ganze bewegende Geschichte aufgeschrieben.

Familie & Leben

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