06.07.2020 - 16:10

Purer Leichtsinn? Diese Bundesländer diskutieren ein Ende der Maskenpflicht

Ist die Mund-Nasen-Bedeckung bald Vergangenheit? Einige Bundesländer diskutieren das Ende der Maskenpflicht.

Foto: iStock / undefined undefined

Ist die Mund-Nasen-Bedeckung bald Vergangenheit? Einige Bundesländer diskutieren das Ende der Maskenpflicht.

Gerade erst haben wir uns an den Anblick von Mund-Nasen-Bedeckungen im Alltag gewöhnt. Soll die Maskenpflicht jetzt etwa schon wieder abgeschafft werden? Diese Bundesländer ziehen ein Ende der Maskenpflicht in Betracht!

Nachdem Experten bereits seit Längerem auf die positiven Effekte von Mund-Nasen-Bedeckungen bei der Eindämmung des Coronavirus hingewiesen hatten, wurde in Deutschland Ende April offiziell die Pflicht zum Tragen einer Maske in Geschäften und anderen öffentlichen Gebäuden sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln eingeführt. Die Bevölkerung steht der Maskenpflicht gespalten gegenüber. Während die Einen die Maske als Zumutung empfinden, fühlen sich Andere dadurch kaum eingeschränkt. Aufgrund der aktuell niedrigen Infektionszahlen diskutieren nun einige Bundesländer ein Ende der Maskenpflicht – eine Überlegung, die beinahe so kontrovers diskutiert wird wie die Maske an sich.

Welche Bundesländer denken über ein Ende der Maskenpflicht nach?

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sind die Bundesländer, in denen jetzt ein Ende der Maskenpflicht diskutiert wird. Die Länder konnten in den letzten Tagen alle eine niedrige Anzahl an Neuinfektionen aufweisen. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts gab es in Mecklenburg-Vorpommern in den letzten sieben Tagen nur 3 neue Fälle, insgesamt gab es 804 Corona-Erkrankte. Damit hat Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Infektionszahlen bundesweit. In Sachsen gab es in der letzten Woche 13 neue Infizierte, in Sachsen-Anhalt 17 und in Bremen 18. Allein Niedersachsen fällt mit 129 neuen gemeldeten Fällen innerhalb der letzten Woche aus dem Rahmen. Die Diskussionen bezüglich der Abschaffung der Maskenpflicht beziehen sich bisher allein auf den Einzelhandel, das Einkaufen soll für den Kunden wieder angenehmer gestaltet werden. Im öffentlichen Nahverkehr wird die Mund-Nasen-Bedeckung demnach weiterhin verpflichtend sein.

Ende der Maskenpflicht: Wer sie befürwortet

Harry Glawe (CDU), der Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns, wies gegenüber der "Welt am Sonntag" auf das niedrige Infektionsgeschehen im Bundesland hin. Demzufolge gäbe es für ihn "keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten". Glawe plant, das Ende der Maskenpflicht am 4. August im Kabinett in Schwerin zu beschließen. Auch Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) gab gegenüber der Zeitung an, zu überprüfen, ob eine Maskenpflicht im Handel nach wie vor sinnvoll ist, genau wie Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) ist dafür, die Maskenpflicht in eine Empfehlung zum Tragen einer Schutzmaske umzuwandeln.

Und die stimmen dagegen

Selbstverständlich stößt die Diskussion über die Abschaffung der Maskenpflicht nicht nur auf Zustimmung. Kanzlerin Angela Merkel sah sich in Anbetracht der Vorstöße Mecklenburg-Vorpommerns dazu gezwungen, ein Machtwort zu sprechen. Regierungssprecher Steffen Seibert wies darauf hin, dass Masken überall dort, wo in der Öffentlichkeit der Mindestabstand nicht gewährleistet werden könne, ein unverzichtbares Mittel seien, um sich und andere zu schützen. Aus diesem Grund solle die Maskenpflicht bestehen bleiben – "ob im Bus, in der U-Bahn oder im Einzelhandel".

Bereits zuvor hatten sich Bayern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hamburg gegen ein Ende der Maskenpflicht positioniert. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte auf Twitter Verständnis für jene, die aus dem "Wunsch nach Normalität" ein Ende der Maskenpflicht diskutieren. Nichtsdestotrotz sei "das Virus noch da", weshalb das Tragen einer Maske nach wie vor notwendig sei.

Auch Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitswissenschaftler und Mitglied des Deutschen Bundestags, sprach sich gegen die Abschaffung der Maskenpflicht aus. Gegenüber der "Rheinischen Post" bezeichnete er derartige Überlegungen als "völlig falsches Signal". Wer so etwas in Betracht ziehe, experimentiere ihm zufolge mit der Gesundheit der Menschen und erhöhe das Risiko für eine zweite Infektionswelle.

So bewertet der Handel das Ende der Maskenpflicht

Bei jenen, für die eine neue Regelung am relevantesten wäre, nämlich den Vertretern des Handels, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), befürwortete gegenüber der dpa ein Ende der Maskenpflicht – allerdings nur, wenn dies gesundheitspolitisch und aus der Sicht von Politik und Medizin vertretbar wäre. Anders bewertet eine solche Änderung hingegen die Dienstleistungsgesellschaft Verdi. Matthias Baumgart, Fachbereichsleiter Handel von Verdi Nord, sprach sich entschieden gegen die Überlegungen aus Mecklenburg-Vorpommern aus. Er kritisierte, dass das Bestreben, "Einkaufen wieder zum Erlebnis machen zu können, die Gesundheit der Menschen im Land gefährde".

Schlussendlich bleibt abzuwarten, ob die Pläne zur Abschaffung der Maskenpflicht tatsächlich umgesetzt werden. Insbesondere im Hinblick darauf, dass Experten eine zweite Infektionswelle im Herbst befürchten, könnte eine derartige Lockerung, selbst falls sie in Kraft treten sollte, nur von kurzer Dauer sein.

Quellen: dpa, t-online.de, tagesschau.de, bundesregierung.de, rki.de, rtl.de

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