03.07.2020 - 17:02

Pro Persönlichkeitsrechte Bundestag: Endlich sind Upskirting und Unfallfotos strafbar!

Der Bundestag hat beschlossen: Upskirting und Fotos von Unfalltoten sind jetzt strafbar. Upskirting bezeichnet das heimliche Fotografieren unter einen Rock.

Foto: iStock / justhavealook

Der Bundestag hat beschlossen: Upskirting und Fotos von Unfalltoten sind jetzt strafbar. Upskirting bezeichnet das heimliche Fotografieren unter einen Rock.

Heimlich unter Röcke fotografieren? Fotos von Unfalltoten machen? Handlungen wie diese werfen die Frage auf: "Wer macht so etwas?!" Tatsächlich sind Aufnahmen wie diese traurige Realität. Jetzt hat der Bundestag beides zur Straftat erklärt.

Was die Gesetzeslage zum Schutz der Persönlichkeitsrechte angeht, wurden heute zwei Erfolge erzielt: Der Bundestag verabschiedete eine Gesetzesverschärfung, nach der "Upskirting" und Unfallfotos jetzt strafbar sind.

"Upskirting" setzt sich aus den Wörtern "up" und "skirt", auf Deutsch: "hoch" und "Rock", zusammen und ist die Bezeichnung dafür, unter Röcke zu fotografieren – ohne das Wissen des Rockträgers. Die Gesetzesänderung bezüglich der Unfallfotos betrifft das Fotografieren von Unfalltoten. Beides ist nun strafbar und kann entweder mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren geahndet werden – eine Gesetzesverschärfung, die längst überfällig war!

Dank Petition: Upskirting – endlich strafbar!

Die Fotos, die beim "Upskirting" entstehen, dienen im "besten" Fall zum Privatvergnügen des Fotografierenden. Im schlimmsten Fall werden sie nachher im Internet verbreitet, landen auf einschlägigen Porno-Plattformen und werden von Millionen angesehen. Absurd, dass diese Handlung nach der bisher vorherrschenden Rechtslage nicht als Straftat, sondern bestenfalls als Ordnungswidrigkeit galt, nicht wahr?

Das fanden auch Hanna Seidel und Ida Marie Sassenberg. Die beiden jungen Frauen hatten Anfang 2019 eine Online-Petition ins Leben gerufen, in der sie gefordert hatten, Upskirting zur Straftat zu erklären. Die Petition fand viele Unterstützer und das Anliegen der beiden wurde bei der Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) platziert. Diese bezeichnete Upskirting bereits im Herbst letzten Jahres als "demütigende, durch nichts zu rechtfertigende Verletzung der Intimsphäre".

Dass diese Verletzung der Intimsphäre jetzt strafbar ist, führt hoffentlich dazu, dass solche Übergriffe in Zukunft seltener passieren. Weiterhin ist zu wünschen, dass die Einordnung von Upskirting als Straftat dazu beiträgt, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt, nicht um einen Jungenstreich und definitiv nicht um eine Kleinigkeit handelt. Stattdessen ist Upskirting eine klare Grenzüberschreitung und eine Form von sexualisierter Gewalt.

Bundestag beschließt: Auch Unfallfotos sind jetzt strafbar

Während Upskirting ein Angriff auf die sexuelle Selbstbestimmung lebender Personen ist, ist das Fotografieren von Unfalltoten und Unfallopfern eine ganz andere Form der Persönlichkeitsverletzung. Was wie der Gipfel der Geschmacklosigkeit anmutet, ist leider traurige Realität.

Viele Gaffer begnügen sich nicht damit, beispielsweise bei Autounfällen ganz langsam am Unfallort vorbeizufahren, Fotos von Autowracks zu schießen und dabei Polizei und Rettungskräfte unnötig zu behindern. Stattdessen fotografieren sie auch jene, die den Unfall nicht überlebt haben, sofern sie sie zu Gesicht bekommen.

Auch diese Fotos landen häufig im Internet. Wie beim Upskirting kamen auch in diesem Fall die Täter meist ungestraft davon: Das Strafrecht schützte bisher nur lebende Unfallopfer.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht verurteilt das Fotografieren von Unfalltoten zutiefst. "Verletzte Unfallopfer oder gar Tote aus reiner Sensationsgier zu fotografieren, ist widerlich und verstößt gegen die Grundregeln menschlichen Anstands." Sie weist darauf hin, dass auch zu bedenken ist, dass, falls die Fotos der Verstorbenen im Internet landen sollten, immer auch die Möglichkeit besteht, dass Angehörige diese zu Gesicht bekämen. Diesen müsse das zusätzliche Leid erspart werden, so die Ministerin.

Quellen: t-online.de, dpa, faz.net, bnn.de, bmjv.de

Die Erklärung von Upskirting zum Strafbestand zeigt: Petitionen können durchaus etwas bewirken. Hoffentlich auch diese: Rihanna und Promi-Kollegen unterschrieben eine Petition gegen Polizeigewalt.

Ebenfalls ein Erfolg: 2019 senkte der Bundestag die Tampon-Steuer!

Alles Weitere rund um Rechtsangelegenheiten finden Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

Neben sexualisierter Gewalt sind viel zu viele Frauen auch von häuslicher Gewalt betroffen. Sehen Sie sich jetzt unser Video über den Geheim-Code bei häuslicher Gewalt an:

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