Aktualisiert: 24.06.2020 - 18:11

Sie stehen unter Naturschutz! Wespennester entfernen: Ist das gefährliche Unterfangen eigentlich erlaubt?

Wespen bauen ihre Nester auch in der Nähe von Menschen. Wie Sie sich in einem solchen Fall verhalten und ob Sie ein Wespennest entfernen müssen oder nicht, lesen Sie hier.

Foto: iStock.com/Dejan Kolar

Wespen bauen ihre Nester auch in der Nähe von Menschen. Wie Sie sich in einem solchen Fall verhalten und ob Sie ein Wespennest entfernen müssen oder nicht, lesen Sie hier.

Ein Wespennest in unmittelbarer Nähe der Wohnung ist lästig! Doch Sie sollten es nicht einfach entfernen: Zum einen stehen Wespen unter Naturschutz, zum anderen ist das ziemlich gefährlich! Wie Sie vorgehen sollten.

Sie fliegen wieder: Die ersten Wespen sind bereits unterwegs, von Woche zu Woche werden es mehr, bis die Plage im August schließlich am größten ist. Leider bauen sie ihre Nester auch an Häusern oder in Gärten, sprich: in unmittelbarer Nähe von Menschen. Wir verraten Ihnen, ob Sie ein Wespennest entfernen dürfen und wie Sie im Zweifelsfall vorgehen sollten.

Ein Wespennest entfernen: Ist das erlaubt – und notwendig?

Zugegeben: Umherschwirrende Wespen können einem den Aufenthalt im Freien ganz schön verhageln, zumal dann, wenn Lebensmittel und Getränke mit im Spiel sind. Sind die Plagegeister besonders zahlreich vertreten, könnte es an einem Wespennest liegen, das sich in der Nähe Ihres Aufenthaltortes befindet. Blöd, wenn es sich dabei um Ihre Wohnung handelt. Und verständlich, dass der erste Gedanke dann ist: Das Wespennest muss entfernt werden!

Allerdings stehen Wespen unter Naturschutz: Wespennester dürfen deshalb nicht eigenmächtig zerstört, sondern müssen von einem Experten entfernt werden, teilt der Naturschutzbund (NABU) mit. Wer sich nicht daran hält, muss damit rechnen, tief in die Tasche greifen zu müssen, denn wer eigenmächtig handelt, das Nest mutwillig zerstört, ausräuchert oder Gift gegen die Wespen einsetzt, riskiert eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro! Ob eine Umsiedlung von einem Wespennest überhaupt infrage kommt, muss durch einen Fachmann geklärt werden.

Droht von einem Wespennest in unmittelbarer Nähe denn grundsätzlich Gefahr? Nein, sagt Rainer Michalski, NABU-Experte für Hautflügler – und erklärt: "Wespen sterben am Ende des Sommers, so dass die Nester dann ganz von alleine verlassen werden. Im nächsten Jahr suchen die Wespen-Königinnen dann ein neues Nest. Die alten werden nicht wieder besiedelt." Der Tierschützer rät, einen Abstand von etwa drei Metern zum Wespennest zu halten, dann könne kaum etwas passieren, und die Tiere fühlten sich nicht bedroht.

Wespennest in der Nähe? Was Sie tun können und lassen sollten

Immer wieder hört man davon, an einem Wespennest einfach den Eingang zu verschließen. Von diesem Vorgehen rät NABU-Experte Rainer Michalski jedoch dringend ab: "Es ist zum einen gefährlich, sich einem Wespennest so direkt zu nähern. Desweiteren suchen sich die Wespen einen anderen Ausgang, ist der eine verschlossen." Und das ist schließlich nicht gerade förderlich, wenn sich das Wespennest am Haus befindet.

Sinnvoller ist es, ein altes Bettlaken oder vergleichbar große Stoffbahnen im Abstand von etwa zehn Zentimetern zum Nest aufzuhängen. Auch ein Brett vor dem Nest zu befestigen, ist eine Option. Aber Vorsicht beim Anbringen: Der Umwelt- und Naturschutzverband BUND rät, dabei lange, dicke Kleidung zu tragen, falls sich die Insekten gestört fühlen. Auch schnelle Bewegungen sollten Sie vermeiden. Da Wespen in der Regel nur bei Störungen direkt am Nest aggressiv reagieren, sei das Anbringen aber relativ ungefährlich. Kommt man dem Wespennest dennoch zu nahe und wird angegriffen, ist es wichtig, sich zügig, aber ruhig, und vor allem ohne schnelle, fuchtelnde Armbewegungen zu entfernen. "Auf keinen Fall darf das Nest erschüttert werden", warnt der BUND.

Auch das Bespritzen des Wespennests mit Wasser sowie das Verbrennen sind Optionen, die Sie nicht ausprobieren sollten! Die erste Variante ist zu gefährlich, die zweite schlicht grausam und außerdem verboten!

Wespennest entfernen lassen: Das kostet es

Soll das Wespennest partout weg, weil vielleicht ein Familienmitglied eine Allergie gegen das Wespengift hat, müssen Sie einen Profi ranlassen. Im Telefonbuch, Internet oder auch über Ihren örtlichen Naturschutzbund finden Sie Kammerjäger, die Ihr Wespennest entfernen. Achten Sie darauf, dass diese möglichst schonende, schadstofffreie Methoden und Mittel verwenden.

Wie T-Online berichtet, hängen die Kosten für die Entfernung eines Nests durch einen Schädlingsbekämpfer vor allem davon ab, wie gut es erreichbar ist. "Für ein frei hängendes, gut zugängliches Nest kann man etwa mit 150 bis 160 Euro rechnen", heißt es dort. Teurer seien schwer erreichbare Nester, weil der Aufwand dann einfach höher sei. Über 250 Euro müsse man aber nur sehr selten zahlen. Viele Schädlingsbekämpfer böten gegen Aufpreis auch einen Notdienst an und würden das Wespennest noch am selben Tag entfernen.

Günstiger und schonender: Wespen umsiedeln

Besser, als die Tierchen mit Gift töten zu lassen, ist die Umsiedelung des Nests. Besonders, wenn es gut zugänglich ist. Auch hier sollten Sie auf keinen Fall auf eigene Faust handeln, sondern Experten ranlassen, die Ihr Wespennest aus Ihrem Garten entfernen und einen besser geeigneten Platz dafür finden.

Eine Umsiedlung des Nests ist laut NABU meist nur bis Mitte August möglich, danach sind die Nester oft zu groß. Der neue Standort wird dabei in mindestens drei Kilometer Entfernung gewählt, wo das Nest dann an einem geeigneten Ort befestigt wird. Die Kosten betragen dabei ab 50 Euro, aber selten mehr als 120 Euro, selbst bei schwer zugänglichen Nestern, wie T-Online mitteilt.

Schon gewusst? Wespen sind auch sehr nützlich

So schön das Frühstücken ohne die Plagegeister im Freien auch sein mag: Wespen sind nicht nur schädlich. Im Gegenteil: Die Insekten sind effektive Schädlingsbekämpfer. Sie verfüttern Fliegen, Blattläuse, Raupen und Mücken, die sie als Nahrung für ihren Nachwuchs ins Wespennest bringen. Ein Wespenstaat vernichtet tatsächlich bis zu zwei Kilogramm Schädlinge am Tag!

Das unterscheidet sie auch von den Bienen. Während diese ihre Nachkommen mit Pollen und Nektar versorgen, setzen Wespen für ihren Nachwuchs auf eiweißreiche Kost. Und als Aasfresser räumen sie in der Natur auch gleich noch auf!

Tipps für den friedlichen Umgang mit Wespen

"Die Angst vor Wespen ist meist unbegründet", erklärt Rainer Michalski und plädiert dafür, ein Wespennest nicht gleich zu entfernen. Unter Beachtung von ein paar kleinen Vorsichtsmaßnahmen können Mensch und Wespe gut miteinander auskommen. Denn Wespen werden nur aggressiv, wenn sie sich bedroht fühlen.

  • Halten Sie einen Abstand von drei Metern zum Wespennest.
  • Schlagen oder pusten Sie Wespen nicht weg.
  • Essen Sie nicht unter einem Obstbaum.
  • Decken Sie süße oder fleischhaltige Lebensmittel ab.
  • Lassen Sie keine offenen Lebensmittel oder Abfälle herumliegen.
  • Richten Sie Wespen etwa 10 Meter von Ihrem Esstisch eine eigene Futterstelle ein, beispielsweise mit überreifen Trauben.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie barfuß über den Rasen laufen.
  • Bringen Sie kleinmaschige Fliegengitter vor Fenstern und Türen an, um den Wespen den Zugang zum Haus zu versperren.

Quellen: NABU, BUND, T-Online, eigene Recherche

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Übrigens, auch Bienen und andere wichtige Insekten brauchen im Sommer unsere Hilfe. Unsere Bienen leiden – und das Bienensterben betrifft uns alle. Im Garten können Sie wunderbar eine Wildblumenwiese anlegen, die Bienen, Schmetterlingen und Co genügend Nahrung bietet, oder gar ein selbstgemachtes Insektenhotel aufstellen!

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