23.06.2020 - 19:30

Sicherheit? Fehlanzeige! Echt unterirdisch: Die Hälfte der europäischen Tunnel fällt im ADAC-Test 2020 durch

In Tunneln können besonders schnell Gefahrensituationen entstehen. Dass im ADAC-Tunnel-Test 2020 über die Hälfte der europäischen Tunnel durchfällt, ist umso bedenklicher...

Foto: iStock.com/Lukassek

In Tunneln können besonders schnell Gefahrensituationen entstehen. Dass im ADAC-Tunnel-Test 2020 über die Hälfte der europäischen Tunnel durchfällt, ist umso bedenklicher...

Regelmäßig überprüft der ADAC europäische Tunnel auf Sicherheitsmängel. Beim ADAC-Tunnel-Test 2020 fiel nun mehr als die Hälfte der getesteten Tunnel durch!

Besonders der alljährliche Weg in den Sommerurlaub hat sich vielen als scheinbar endlose Aneinanderreihung von Tunneln ins Gedächtnis gebrannt. Und auch wenn manch einen nach mehreren Kilometern in der Dunkelheit ein unbehagliches Gefühl befallen mag: Wirklich unsicher sollte sich in europäischen Tunneln niemand fühlen. Jetzt allerdings deckt der ADAC-Tunnel-Test 2020 Bedenkliches auf: Mehr als die Hälfte der getesteten europäischen Tunnel fällt bei der Tunnel-Inspektion durch!

Europäische Tunnel: Deshalb fallen sie im ADAC-Tunnel-Test 2020 durch

Insgesamt hat der ADAC 16 Tunnel in Italien, Kroatien und Österreich getestet. Alle Tunnel haben eine Mindestlänge von einem Kilometer, außerdem befinden sich unter den getesteten Tunneln viele "Urlaubstunnel", also Tunnel, die auch von vielen deutschen Touristen auf ihrem Weg in den Urlaub durchfahren werden.

Im aktuellen ADAC-Tunnel-Test fällt über die Hälfte durch

Die ADAC-Tunnel-Inspektion 2020 orientiert sich an den Mindestanforderungen der Europäischen Union für Sicherheit. Diese beurteilen, ob die Tunnel für das tatsächliche Verkehrsvolumen ausgelegt sind. Das wiederum soll Tunnel-Unglücken vorbeugen. Die Mindestanforderungen umfassen unter anderem folgende Punkte:

  • Gefälle: Neue Tunnel dürfen kein Gefälle von mehr als 5 % haben, es sei denn, die geographischen Gegebenheiten machen das notwendig.
  • Fluchtwege und Notausgänge: Neuen Tunnel müssen über genügend Fluchtwege und Notausgänge verfügen. Der Abstand zwischen den Notausgängen darf nicht mehr als 500 Meter betragen.
  • Nothalte- bzw. Pannenbuchten: In neuen Tunneln, die keine Seitenstreifen haben, muss es in regelmäßigen Abständen Nothalte- bzw. Pannenbuchten geben. Der Abstand zwischen diesen darf nicht mehr als 1.000 Meter betragen. Jede Nothaltebucht muss mit einer Notrufeinrichtung ausgestattet sein.

Ungeschlagener Sieger des Tunnel-Tests ist Österreich: Hier erfüllen alle Tunnel die Mindestanforderungen. Auch Kroatien kann ein zufriedenstellendes Testergebnis vorweisen: Die meisten Tunnel haben ausreichende Sicherheitsstandards – nur der Učka-Tunnel bei Vranja fällt durch: Hier liegen die Pannenbuchten bis zu 1750 Meter auseinander, auch Notausgänge oder Zufahren für Rettungskräfte gibt es keine.

ADAC Tunnel-Inspektion 2020: Italien verliert

Absolut unbefriedigend hingegen schneidet Italien ab: Sieben italienische Tunnel weisen große Sicherheitsmängel auf, die im Falle eines Unfalls oder einer sonstigen Störung im Tunnelbetrieb für Autofahrer sehr gefährlich sein können. Am schlechtesten schneiden die Tunnel Giovi, Les Cretes und Castelletto ab, bei einigen davon fehlt so gut wie alles: Pannenbuchten, durchgehende Seitenstreifen, Notruftelefone, Lautsprecher, …

Den Grund für dieses schlechte Ergebnis sieht der ADAC darin, dass die italienischen Tunnel sich mehrheitlich in Privatbesitz befinden. Sechs der Tunnel werden von der Firma Autostrade per l’Italia betrieben. Das Unternehmen war 2018 durch Negativ-Schlagzeilen ins internationale Visier geraten: Eine Autobahnbrücke, die von der Autostrade per l’Italia betrieben wurde, stürzte ein und riss 43 Menschen in den Tod. In Anbetracht eines solchen Unglücks bleibt nur zu hoffen, dass sich in einem der Tunnel kein ähnliches Horror-Szenario wiederholt.

Deshalb sind die Ergebnisse so brisant

Alles in allem fällt mehr als die Hälfte der getesteten Tunnel beim ADAC-Test durch. Diese Resultate sind umso heikler, da die entsprechenden Tunnel eigentlich schon vor Jahren hätten nachgerüstet werden sollen: Schon 2004 wurde die Richtlinie über die Mindestanforderungen an die Sicherheit von Tunneln im transeuropäischen Straßennetz beschlossen, bis 2019 sollte sie umgesetzt sein. Gegen Italien und Kroatien sowie gegen Belgien, Bulgarien und Spanien wurde deshalb auch bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet – bisher scheinen diese Maßnahmen allerdings keine Früchte zu tragen.

Und wie sieht es mit deutschen Tunneln aus?

Dieses Mal hat der ADAC nur Tunnel in Ländern unter die Lupe genommen, die bisher keine zufriedenstellenden Ergebnisse vorweisen konnten. Die Tunnel in Deutschland wurden im Jahr 2015 zum letzten Mal überprüft – und erzielten Spitzennoten!

Quellen: br.de, adac.de, ec.europa.eu, eur-lex.europa.eu

Noch mehr ADAC-Testergebnisse gefällig? Dann sehen Sie sich auch dieses Video an:

ADAC-Crashtest: Winterkleidung mit Gurt

Auch interessant: Der ADAC hat außerdem untersucht, wie das Coronavirus unsere Mobilität verändert.

Weitere interessante und informative Testergebnisse finden Sie auf unserer Themenseite Stiftung Warentest.

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