30.05.2020 - 16:32

Nachhaltiger gärtnern So bringen Sie Ihren Garten und Balkon ganz umweltbewusst zum Blühen und Grünen

Nachhaltig leben ist gar nicht so schwer. Es kommt auf uns alle an und jeder noch so kleine Schritt zählt – auch im Garten und auf dem Balkon.

Foto: iStock.com/franckreporter

Nachhaltig leben ist gar nicht so schwer. Es kommt auf uns alle an und jeder noch so kleine Schritt zählt – auch im Garten und auf dem Balkon.

Ein nachhaltiger Garten oder Balkon ist nicht nur wunderschön anzusehen, er entlastet auch die Umwelt und bietet unzähligen Kleinstlebewesen ein Zuhause. Wir zeigen Ihnen, wie das geht!

Die wichtigste Voraussetzung für den nachhaltigen Garten oder Balkon ist, dass Ihnen eines bewusst ist: Sie sind zwar Besitzer oder Mieter eines Gartens oder Balkons – doch Sie sind nicht allein! Denken Sie bei allem, was Sie tun oder auch vielleicht extra NICHT tun, stets auch an all die lieben kleinen Mitbewohner, die sich ebenfalls so in Ihrem Stück Grün tummeln.

Der nachhaltige Garten und Balkon

Idealerweise sehen Sie sich als Teil des natürlichen Systems aus Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroben, für die Ihr Garten (oder auch im Kleinen Ihr Balkon) ebenfalls ein Zuhause ist. Dann liegen viele weitere Schritte schnell auf der Hand, und es fällt Ihnen auch nicht schwer, diese umzusetzen.

Der Boden – Ihr Schatz

Vom Gartenboden hängt es ab, wie Ihre Blumen, Pflanzen und das Gemüse gedeihen. Denn der Boden versorgt diese mit Nährstoffen und je nach Beschaffenheit mal besser, mal schlechter. Falls Sie beim Nährstoffgehalt etwas nachbessern wollen, denken Sie daran, dass in nur einem Gramm Erde mehr Bakterien und Organismen leben, als es Menschen auf der Erde gibt. Deswegen heißt nachhaltig düngen auch, besser auf mineralische Dünger zu verzichten. Grund: Für deren Herstellung wird nicht nur enorm viel Energie verbraucht, Kunstdünger beeinträchtigt auch das gesunde Bodenleben. Die Nährstoffe in Mineraldünger sind zwar sofort und in großer Menge für die Pflanzen verfügbar, geben aber dem Boden keine Nährstoffe zurück und werden schnell ins Grundwasser ausgewaschen. So wachsen die Pflanzen rasch, sind aber gleichzeitig anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Düngen Sie stattdessen besser mit organischem Dünger, zum Beispiel mit selbst gemachtem Kompost oder mit Mist vom Bauern Ihres Vertrauens. Oder sie kaufen nachhaltigen Bio-Dünger.

Nachhaltige Blumenerde

Vor allem Balkongärtner sind auf Blumenerde angewiesen. Aber auch im Garten kommt die gekaufte Erde zum Einsatz und hilft beispielsweise beim Heranziehen der Setzlinge. Doch dabei ist zu beachten: Viele Blumenerden sind echte Klimakiller. Und das nicht etwa wegen der Plastikverpackung. Viele handelsübliche Blumenerden enthalten Torf; dessen Abbau zerstört wichtige Biotope wie Moore und Sümpfe und nimmt seltenen Pflanzen- und Tierarten den Lebensraum. Außerdem werden auch noch große Mengen CO2 freigesetzt, welches vorher natürlicherweise im Moor gespeichert war. Daher sollten Sie beim Kauf von Blumenerde immer auf torffreie Bio-Erde zurückgreifen. Oder Sie stellen sich mithilfe von Kompost selber eine gute Blumenerde her.

Eigener Komposthaufen

Unsere Müllberge wachsen und wachsen, vor allem die Plastikmüllberge. Unser aller Aufgabe ist es, ganz generell, aber eben auch im Garten möglichst auf sämtlichen Kunststoff zu verzichten. Produzieren Sie in Ihrem Garten ausschließlich Abfälle, die Sie bedenkenlos auf den Kompost entsorgen können, am besten in einen Komposter aus Holz. Lesen Sie hier eine einfache Anleitung, wie Sie ganz einfach selbst Kompostieren können.

Übrigens produziert ein Komposthaufen nicht nur gehaltvolle Erde, sondern ist auch ein wertvolles Biotop für Kleinstlebewesen und größere Tiere, wie Igel.

Gründüngung

Eine ganz natürliche Methode, um den Gartenboden gesund zu halten, ist die Gründüngung. Dabei werden bestimmte Pflanzen im Garten ausgesät, die nicht nur die Erde mit Humus und Nährstoffen anreichern, sondern auch dafür sorgen, dass der Boden aufgelockert wird und die Beete nicht austrocknen. Toll: Außerdem versorgen die Blüten dieser Planzen Insekten mit Nektar. Ideale Gründüngungspflanzen sind zum Beispiel die Phacelia aus der Familie der Wasserblattgewächse, Klee, Wicken und auch Gemüsesorten, wie Spinat oder Feldsalat.

Regenwasser für die Tonne

Wer zur Bewässerung des Gartens Regenwasser statt Leitungswasser nutzt, schont die Umwelt und den eigenen Geldbeutel. Regenwasser eignet sich ohnehin besser zum Gießen, als das kalkhaltige aus dem Wasserhahn und ist ganz leicht zu sammeln. Für Fallrohre an Dachrinnen gibt es spezielle Regenwasserklappen, die das wertvolle Nass direkt in die Regentonne leiten.

Wasser sollte generell sparsam verwendet werden. Daher ist es sinnvoll, für das Gießen die passende Uhrzeit zu wählen: Früh morgens können die Pflanzen das Wasser am besten aufnehmen. Und in der prallen Mittagssonne verdunstet ein Großteil des kostbaren Lebenselixiers, bevor es überhaupt mit der Pflanze in Berührung kommt.

Holz und Naturstein aus der Region

Verzichten Sie auch bei Gartenmöbeln möglichst auf Plastik. Doch wer stattdessen in umweltbewusstem Glauben Holz wählt, hat nicht automatisch alles richtig gemacht. Vermeiden Sie aus ökologischen Gründen tropische Hölzer wie Teak oder Bangkirai und damit auch lange Transportwege sowie Regenwald-Raubau. Wählen Sie besser Möbel aus ebenso haltbarem, dafür aber heimischem Holz wie Lärche, Edelkastanie, Eiche oder Douglasie. Schöne und nachhaltige Gartenmöbel aus Holz finden Sie bei allnatura.de.

Auch bei Natursteinen, die Sie als Wege und Stellflächen verlegen, ist das Ursprungsland ausschlaggebend und sollte besser aus der eigenen Region stammen. Bei vielen Produkten handelt es sich um Importstein aus Fernost, meist aus China oder Indien, der durch die langen Transportwege vom Steinbruch bis nach Deutschland leider einen sehr großen ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Kunststoff vermeiden bei Pflanzgefäßen

Stapeln sich in Ihrer Gartenhütte auch all die kleinen und großen Plastiktöpfe und -kästen, in denen wir einmal Pflanzen gekauft haben? Viel nachhaltiger in der Herstellung sind Tontöpfe oder Pflanzgefäße aus Weidengeflecht. Manche Gärtnereien bieten beim Pflanzenkauf auch "Pfandkisten" an, die nach dem Blumentransport nach Hause wieder zurückgebracht werden können.

Auch für die grüne Oase auf dem Balkon können Sie statt auf Plastik auf Holz-Blumenkästen oder auf Pflanzbehälter aus Metall zurückgreifen.

Ohne Motor nachhaltig gärtnern

Erledigen Sie mehr Handarbeit in Ihrem Garten. Das ist umweltbewusster und hält Sie fit. Und im Naturgarten ist ja ohnehin weniger mehr. Lassen Sie Pflanzen lieber wachsen, als sie ständig zu kürzen. Das gilt natürlich auch für den Rasen. Wenn überhaupt, dann setzen Sie keinen Rasenmäher, sondern eine Sense ein – das Fitnessprogramm ist hier inklusive. Langlebige Rasenmäher mit Akku sind da vielleicht für den ein oder anderen doch etwas bequemer und trotzdem relativ nachhaltig. Teure und größere Geräte, wie ein Häcksler, die nicht regelmäßig zum Einsatz kommen, werden am besten gemeinsam mit den Nachbarn anschafft.

Welche Gartenarbeiten generell im Sommer anstehen, sehen Sie in unserem Video:

Gartenarbeiten im Sommer

Gartenarbeiten im Sommer

Beschreibung anzeigen

Pflanzenkraft als Pflanzenschutz

Die Chemiekeule hat im nachhaltigen Garten gar nichts verloren. Doch was tun, wenn der gehegten und umsorgten Gemüsepracht Unkraut, Schädlinge oder gar Krankheiten zu schaffen machen? Wer da vorausschauend entsprechende Beetpartner pflanzt, kann mit einer sogenannten Mischkultur effektiv allerlei Übeltäter vertreiben. So hält Basilikum lästigen Mehltau von Tomaten fern, Lavendel schützt Rosen vor Blattläusen und Ringelblumen verscheuchen Nematoden (Fadenwürmer), die sonst Kartoffel und Kohl zusetzen. Und Unkraut hat keine Chance, wenn sogenannte Bodendecker mit ihrem kriechenden Wuchs das unerwünschte Sprießen unterdrücken.

Mit Pflanzenbrühen, wie zum Beispiel Brennesseljauche, können Sie Ihre Pflanzen stärken und ihnen etwas Gutes tun. Wenn es jedoch Schädlinge und Krankheiten auf Ihre Pflanzen abgesehen haben, wird tierische Hilfe benötigt: die Nützlinge. Dazu gehören beispielsweise Marienkäfer und Ohrenkneifer, die sehr gerne lästige Blattläuse verzehren. Wie Sie effektiv Blattläuse mit Hausmitteln loswerden, lesen Sie hier.

Nützlinge: So locken Sie Insekten an

Nützlinge sind also unsere Partner und gehen Schädlingen an den Kragen. Sie brauchen aber auch ein Zuhause in Ihrem Garten. Bieten Sie diesen kleinen Freunden sogenannte Nützling- oder Insektenhotels an, entweder selbst gebaut oder gekauft. Auch Stein- oder Reisighaufen bieten Nützlingen Unterschlupf.

Übrigens: Wenn sich genügend Singvögel in unserem Garten heimisch fühlen, haben Blattlaus-Invasionen auf Pflanzen keine Chance. Die gefiederten Sänger machen chemische Spritzmittel überflüssig. Auch ihnen können wir mit Nistkästen ein Zuhause anbieten. Es gibt Varianten für verschiedene Vogelarten, die in Bäumen oder an der Hauswand aufgehängt werden.

Heimische Pflanzen und Bienenweiden

Hummel, Biene und Co. haben immer größere Schwierigkeiten ausreichend Nahrung zu finden. Denn die weit verbreiteten Zuchtblumen sind zwar schön anzusehen, aber gefüllt blühende Pflanzen haben meist zurückgebildete Staubgefäße. Deshalb sollten Sie bei der Pflanzenauswahl auf einheimische Exemplare setzen und darauf achten, dass es sich um Bienenweiden handelt. Das sind Blüten, die ein reiches Nektar- und Pollenangebot bieten. Alte Obstsorten sind beispielsweise oft sehr robust und mit ihrer Blütenpracht bei Insekten heiß begehrt. Auch einheimische Pflanzen wie die Sonnenblume, Nachtkerzen oder Malven sehen nicht nur schick aus, sondern dienen auch vielen Nützlingen als Nahrungsquelle.

Für den nachhaltigen Balkon eignen sich mehrjährige Pflanzen wie beispielsweise die gewöhnliche Berberitze, Besenginster, Rote Heckenkirsche, Zwergmispel, und Strauchwicke.

Rasen – bunte Vielfalt

Der klassische englische Rasen ist weder natürlich noch nachhaltig. Sorgen Sie mit einer bunten Wiese für ein wunderbares Summen, Brummen und Zirpen unzähliger Bienen, Wespen, Hummeln, Schmetterlinge, Libellen und Grillen, die sich dort tummeln werden. Im Handumdrehen entwickelt sich eine solche Wiese zum Biotop, dem Lebensraum einer vielzähligen und vielfältigen Artengemeinschaft.

Gemüsegarten: Umweltfreundliche Helferlein

Um die herangezogenen Gemüseschätze vor zu argem Schaden zu bewahren, sind Gemüseschutznetze häufig unverzichtbar. Die Alternativen zu Folien und Kunststoffnetzen sind: Abdeckgaze aus Bio-Baumwolle, was sich als Frostschutz sowie zur Abwehr von Schädlingen eignet. Das Netz ist mehrmals verwendbar, kompostierbar und hinterlässt keinen Restmüll. Statt Folie kann beispielsweise auch Garten-Mulchpapier zum Einsatz kommen, das hinterher einfach untergegraben wird. Ebenso empfehlenswert ist biologisch abbaubare Tunnel- oder Mulchfolie auf Basis von Getreidemehl.

Nachhaltigkeit ist in unserem gesamten Alltag DAS Thema. Lassen Sie sich von 17 cleveren Tipps inspirieren, wie Sie Ihre Küche plastikfrei und umweltbewusst bekommen. Und weitere 17 schlaue Tipps sorgen für ein plastikfreies Badezimmer.

Weitere spannende Ratgeber und Themen zu Garten und Balkon sowie rund um das Thema Nachhaltig leben finden Sie auf unseren Themenseiten.

______________

Zu den Links:
Der Artikel enthält sogenannte Affiliate-Links. Die verlinkten Angebote stammen nicht vom Verlag. Sofern Sie die Links zum Kauf der verlinkten Produkte nutzen, erhalten wir eine kleine Provision, ohne dass Ihnen hierdurch zusätzliche Kosten entstehen. Die Einnahmen tragen dazu bei, Ihnen hochwertigen, unterhaltenden Journalismus kostenfrei anbieten zu können.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen