Aktualisiert: 05.05.2020 - 19:33

Anfeindung am Wohnort Altenpflegerin soll ausziehen: "Wir wollen keine Seuche im Haus"

Mit einem Zettel an der  Wohnungstür fordern Nachbarn eine Altenpflegerin wegen vermeintlicher Seuchengefahr zum Auszug aus. Unfassbar...

Foto: imago images / allOver-MEV

Mit einem Zettel an der Wohnungstür fordern Nachbarn eine Altenpflegerin wegen vermeintlicher Seuchengefahr zum Auszug aus. Unfassbar...

Unfassbar: Eine Altenpflegerin findet an ihrer Wohnungstür einen Zettel mit der Aufforderung der Nachbarn, bitte auszuziehen, denn man wünsche "keine Seuche im Haus"...

Man sollte doch meinen, dass Menschen, die in systemrelevanten Berufen tätig sind, dieser Tage vollkommen zu Recht mehr Anerkennung kriegen sollten als sonst. Wenn man von "mehr" überhaupt sprechen kann. Stattdessen macht gerade die Geschichte einer Altenpflegerin die Runde, die einen Zettel an ihrer Haustür von ihren Nachbarn vorfand mit der Bitte, doch auszuziehen. Man wolle schließlich "keine Seuche im Haus" haben. Unglaublich...

Zettel an Wohnungstür: Nachbarn fordern Altenpflegerin wegen Seuchengefahr zum Auszug aus

Angela S. ist diplomierte Krankenschwester und arbeitet in einer Seniorenwohnanlage in Salzburg. Ältere Menschen gehören in der Corona-Pandemie zur Risikogruppe – das zumindest scheinen die Nachbarn der Frau korrekt abgespeichert zu haben. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass die Altenpflegerin vor wenigen Tagen einen Zettel an ihrer Tür fand. Darauf war zu lesen: "Wir, die Hausbewohner, bitten Sie auszuziehen! Wir wollen keine Seuche im Haus!"

Sonst war darauf nichts zu finden: keine Namen, keine weiteren Ausführungen, nichts. Ganz schön dreist, diese Aktion. Und vor allem: ganz schön erbärmlich! Wie gut, dass die Salzburgerin genau das Richtige getan hat: Den unverschämten Zettel veröffentlichte sie via Twitter und schrieb zunächst dazu: "Ohne Unterschrift; soll ich das als Scherz auffassen?"

Und dann antwortete sie freundlich, aber bestimmt, Folgendes über ihren Account: "Gerne bin ich bereit, über das Virus Fragen zu beantworten und wie man sich richtig schützt. Vielleicht nimmt es ja unbegründete Ängste. Solidarität ist in dieser schwierigen Zeit keine Einbahnstraße. Halten wir zusammen. Gemeinsam schaffen wir das! Für Angststörungen gibt es gute Fachkräfte, gerne gebe ich Ihnen diese Kontakte weiter. Ich wurde gestern negativ getestet. Also halten Sie bitte einen Meter Abstand und tragen sie MNS (einen Mund-Nasen-Schutz)."

Viele Kommentare mit viel Zuspruch für die Pflegerin

Großartig! Mehr Wind kann man wohl nicht aus den Segeln nehmen, wie Angela S. das getan hat, ohne sich im Ton zu vergreifen – auch wenn ihr das vermutlich nicht einmal jemand Übel genommen hätte. Doch die Altenpflegerin war klug genug, Gleiches eben nicht mit Gleichem zu vergelten. Ihren Twitter-Account hat sie mittlerweile übrigens sperren lassen.

Das österreichische News-Portal "heute.at" hat die Salzburgerin kontaktiert. Im Interview erzählt sie, dass sie seit zwölf Jahren in ihrer Wohnung in einer Siedlung lebt. Bislang habe es "noch nie Probleme" gegeben. Angst vor dem Coronavirus sei wohl die Intention des Zettels: "Es hat sich herumgesprochen, dass in einem Heim in der Nähe meines Arbeitsplatzes Personal und Bewohner positiv auf das Virus getestet wurden".

"Zuerst war ich geschockt", gibt sie zu. Und dass ihr Tweet so durch die Decke gegangen sei, habe sie sehr überrascht. Es dürfte der couragierten Frau aber guttun zu lesen, wie wohlwollend sich die vielen Menschen ihr gegenüber in den Kommentaren äußern. Und wie erzürnt sie über die Aktion der Nachbarn sind:

  • Wahnsinn. Die Leute wollen Personen aus dem Haus haben, die an vorderster Front helfen. Wenn sie aber Hilfe brauchen, schreien sie gleich wieder. Leute ehrlich, unterstützen, nicht ausgrenzen! Kann doch nicht so schwer sein...
  • Wenn dieser Zettel bei meinen Nachbarn hängen würde (arbeiten auch im KH), dann sorg ich mit allen Mitteln dafür, dass der Zettelschreiber ausziehen muss und hol die Polizei, denn mit solchen Irren will wiederum ich nicht im Haus wohnen - tut mir leid für Dich
  • Ob in diesem Haus noch irgendwer eine systemrelevante Arbeit hat? Ich wäre ja für eine offizielle Demonstration genau vor diesem Haus! Diese Menschen sollten schon wissen, was die Allgemeinheit über sie denkt!

So viel Solidarität tut sicher gut. Ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass solche Zettel geschrieben werden, wie er an der Tür der Pflegerin hing. bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen noch einmal über ihre niederträchtige Handlung nachdenken. Und wer weiß, vielleicht können wir demnächst von einer Entschuldigung berichten...

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