30.04.2020 - 17:48

Drei Mediziner für 19.000 Anwohner Trotz Corona: 98-jähriger Arzt behandelt die Ärmsten weiter

Der französische Arzt Christian Chenay ist fast 99 Jahre alt und denkt nicht daran, jetzt in der Corona-Krise nicht mehr zu praktizieren...

Foto: imago images / PhotoAlto

Der französische Arzt Christian Chenay ist fast 99 Jahre alt und denkt nicht daran, jetzt in der Corona-Krise nicht mehr zu praktizieren...

Christian Chenay ist als Arzt in einem ärmlichen Pariser Vorort tätig. Trotz Corona will er für die Menschen dort weitermachen – und das, obwohl er 98 Jahre alt ist!

"Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss", sang Udo Jürgens einst. Für Christian Chenay ist es nicht einmal mit bald 99 Jahren, so scheint es, längst nicht vorbei: Der französische Mediziner ist tatsächlich immer noch im Dienst. Denn die Armen der Gesellschaft will er nicht alleine lassen – da lässt sich der 98-Jährige Arzt auch nicht vom Coronavirus aufhalten...

98 Jahre alter Arzt aus Frankreich behandelt trotz Corona weiter

Christian Chenay ist Frankreichs ältester praktizierender Arzt: Im Juni wird er unglaubliche 99 Jahre alt. Doch ans Aufhören denkt er nicht, im Gegenteil: Im Moment wird er mehr denn je gebraucht. Denn das französische Gesundheitssystem gehört zwar zu den sehr gut funktionierenden, doch die Corona-Pandemie hat das Land arg gebeutelt, der Mangel an Allgemeinärzten war nie offensichtlicher als momentan.

Dem Sender "Al Jazeera" hat der greise Arzt ein Interview gegeben: Viele seiner Patienten berichteten von Schwierigkeiten, Termine im einkommensschwachen Pariser Vorort Chevilly-Larue zu bekommen. Dort sind drei Ärzte für eine Bevölkerung von 19.000 Menschen zuständig! Und so kommt es, dass Christian Chenay auch nach 70 Dienstjahren den Menschen in den "vergessenen" Vororten von Paris immer noch hilft.

Wegen Symptomen musste er in Quarantäne gehen

In seiner Praxis kann der Arzt allerdings niemanden mehr persönlich empfangen. Nachdem sich bei ihm Symptome von COVID-19 gezeigt hätten, sei er in Quarantäne gegangen: "Wir haben nicht die Möglichkeit, Menschen zu isolieren, wir haben nicht die Mittel nachzuweisen, wer krank ist und wer nicht. Ich hatte Kontakt zu einigen kranken Menschen, die wahrscheinlich positiv waren. Es wäre überraschend, wenn ich nicht auch positiv wäre, zumal ich eine Weile Symptome hatte."

Jetzt führt Dr. Chenay eben virtuelle Konsultationen via Internet und Videotelefonie durch. Auch wenn es ihm schwergefallen ist, nicht mehr vor Ort behandeln zu können. Aber so schutzlos wäre er keine Hilfe, sondern "ein Virus-Hotspot gewesen", ein wahres Infektionszentrum, sagt er. Und nein, deshalb sei es unmöglich gewesen, so weiterzumachen.

Er macht schon wieder Hausbesuche

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, lässt es sich der bald 99-Jährige aber nicht nehmen, mittlerweile wieder wöchentliche Hausbesuche in einem Altersheim zu machen.

Angst um sich scheint er nicht zu haben, wohl aber seine Frau: Der "BBC" gegenüber sagt Chenay, sie sei sehr besorgt, dass er das Virus nach Hause bringen könnte. Er verstehe ihre Sorge. Aber seine Patienten seien eben auch wichtig: "Ich kann sie einfach nicht alleine lassen, so mitten in der Epidemie", so der leidenschaftliche Arzt. Sie würden alleine einfach nicht zurechtkommen, ist er überzeugt.

Ob er nicht daran denke, irgendwann in den Ruhestand zu gehen, wird er gefragt. Da muss Dr. Chenay lachen: Es gebe eine Menge Gründe, weshalb er aufhören sollte zu arbeiten. "Ich arbeite langsamer als zuvor, ich muss aufpassen", ist seine abschließende Antwort. Und das klingt ganz und gar nicht nach aufhören.

Chapeau vor so viel Engagement im hohen Alter!

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