Aktualisiert: 27.04.2020 - 18:01

Homeoffice-Gesetz Nach Corona: Bundesarbeitsminister will Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will das Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern. Olaf Scholz äußerte sich ebenfalls positiv über das Arbeiten von zu Hause aus.

Foto: imago images / IPON

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will das Recht auf Homeoffice gesetzlich verankern. Olaf Scholz äußerte sich ebenfalls positiv über das Arbeiten von zu Hause aus.

Wenn das Coronavirus etwas Positives neben all den dramatischen Auswirkungen bewirkt hat, dann sicherlich die Beschleunigung der digitalen Transformation in Deutschland. War das Arbeiten im Homeoffice so manchem Arbeitgeber zuvor ein Dorn im Auge, konnten in der Corona-Krise nun vor allem die Berufszweige weiterhin produktiv sein, die ihre Arbeit aus dem Homeoffice heraus erledigen können.

So manch ein Arbeitnehmer hatte die letzten Wochen einen äußerst kurzen Weg bis zur Arbeit. Aus dem Bett über's Bad schnell an den heimischen Küchentisch oder mit dem Laptop auf den Balkon. Die Coronavirus-Pandemie sorgte dafür, dass die Arbeitnehmer, die es konnten, in das Homeoffice umzogen und von dort ihrer Arbeit nachgingen. Und zur Überraschung aller – aber wohl vor allem der skeptischen Arbeitgeber – funktionierte es. Trotz eventueller technischer Hürden, gleichzeitiger Kinderbetreuung oder fehlendem zweiten Bildschirm. Diese äußert nützliche Errungenschaft, aus der Not heraus geboren, möchte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nach der Corona-Krise nicht wieder in der Versenkung verschwinden sehen. Daher plant Heil eine gesetzliche Verankerung des Rechts auf Arbeiten von zu Hause aus.

Bundesarbeitsminister plant Recht auf Homeoffice per Gesetz

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil äußerte sich positiv über die Möglichkeit des Homeoffices für Arbeitnehmer und gab einen Ausblick, wie seine Pläne zur Unterstützung diesbezüglich aussehen: "Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Homeoffice, das ich bis Herbst vorlegen werde."

Gegenüber der "Bild am Sonntag" ging der Bundesarbeitsminister weiter ins Detail: "Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können - auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist. Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche. Mit "fairen Regeln" wolle der Minister verhindern, dass "sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst". Denn auch im Homeoffice gebe es einen Feierabend – "und zwar nicht erst um 22 Uhr". Die Option von zu Hause arbeiten zu können, soll für die Arbeitnehmer eine freiwillige Möglichkeit sein, aber kein Zwang, so Heil.

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Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice von 12 auf 25 Prozent gestiegen

Nach den ersten Schätzungen ist die Zahl der Arbeitnehmer, die ihre Arbeit in der Corona-Krise von zu Hause aus verrichten, von 12 auf 25 Prozent aller Beschäftigten angestiegen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat einen prominenten Verfechter für das Arbeiten von zu Hause an seiner Seite: Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). Auch Scholz äußerte sich auffallend positiv gegenüber der "Bild am Sonntag" über die Möglichkeit des Homeoffices: "Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie viel im Homeoffice möglich ist - das ist eine echte Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurückfallen sollten."

Doch es gibt auch Gegenwind bezüglich der Pläne des Bundesarbeitsministers. So gab die CDU-Arbeitsmarktexpertin Jana Schimke zu bedenken: "Wenn wir in der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten den Arbeitgebern eine weitere Zwangslast aufbürden, dann würgen wir den Aufschwung ab, bevor er begonnen hat."

Hauptgeschäftsführer der BDA sieht Heils Pläne kritisch

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter (47), sieht Heils Vorstoß ebenfalls sehr kritisch und lehnt diesen ab: "Es ist im Interesse von Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen, mobiles Arbeiten dort einzusetzen, wo es möglich und sinnvoll ist. Dabei müssen betriebliche Belange und die Wünsche der Kunden eine zentrale Rolle spielen. Mit Homeoffice allein kann die Wirtschaft nicht am Laufen gehalten werden."

Kampeter ergänzt: "Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Wir brauchen ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken."

Für die Arbeitnehmer, die ihr lieb gewonnenes Arbeiten von zu Hause nicht mehr aufgeben möchten, bleibt die Diskussion also spannend...

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