22.04.2020 - 20:37

Spenden dringend benötigt, aber: Homosexuelle Menschen dürfen nicht zur Blutspende

Homosexuelle Menschen sind in Deutschland von der Blutspende quasi ausgeschlossen. Warum, lesen Sie hier.

Foto: imago images / Tom Maelsa

Homosexuelle Menschen sind in Deutschland von der Blutspende quasi ausgeschlossen. Warum, lesen Sie hier.

Freiwillige Blutspenden werden knapp in der Corona-Krise. Dennoch werden in Deutschland bestimmte Gruppierungen davon ausgeschlossen, allen voran homosexuelle Menschen.

Schon seit Wochen bittet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eindringlich darum, Blut spenden zu gehen, denn in der Corona-Krise gehen dem deutlich weniger Menschen nach als sonst, so dass eine lückenlose Patientenversorgung bald nicht mehr gewährleistet werden kann. Gleichzeitig sind in Deutschland aber einige Gruppierungen von der lebenswichtigen Spende ausgeschlossen. Was viele nicht wissen: Homosexuellen Menschen ist die sofortige Blutspende untersagt!

Homosexuelle Menschen dürfen nicht zur Blutspende

Wer ist in Deutschland zur Blutspende zugelassen und wer nicht? Das ist im Transfusionsgesetz geregelt. Darin waren unter anderem homo-, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen sowie Prostituierte bis 2017 vollständig von der Blutspende ausgeschlossen. Mittlerweile hat die Bundesärztekammer für diese Menschen eine Frist von einem Jahr Enthaltsamkeit eingeführt, um sie zur Blutspende zuzulassen.

Ein Unding, findet Jens Brandenburg, LSBTI-politischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und den Präsidenten der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt fordert er gemeinsam mit FDP-Politikerin Kathrin Helling-Plahr ein Ende der Diskriminierung: "Das ewig gestrige Blutspendeverbot für homosexuelle Männer und transgeschlechtliche Menschen fällt uns jetzt auf die Füße. Statt haltloser Vorurteile sollte nur das tatsächliche Risikoverhalten möglicher Blutspender entscheidend sein." Die Voraussetzung von 12 Monaten Enthaltsamkeit sei überdies medizinisch unnötig und lebensfremd.

Wer auf den "Spende-Check" auf der Website des Deutschen Roten Kreuzes geht, um sich über die Blutspende zu informieren, findet übrigens unter allen Fragen keine zur sexuellen Orientierung, wie "Bild" berichtet. Erst wer sich dann vor Ort zum Spenden einfindet, wird über die geltende Regelung zu Homo- und Transsexuellen informiert und kann unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen.

Homosexuelle wehren sich gegen Stigmatisierung

Kein Wunder, dass sich viele homosexuelle Menschen auf den Schlips getreten fühlen, wird ihnen durch die Regelung doch indirekt vorgeworfen, ein ausschweifendes polygames Sexualleben zu führen. Auch Emil Kusmirek wehrt sich dagegen – und macht seinem Ärger in einem Facebook-Post Luft.

Darin schreibt der Profitänzer und Choreograf, dass er und sein Partner sehr gerne Blut spenden würden, über die aktuelle Regelung deshalb "sauer und enttäuscht" seien. Schließlich würden die Reserven ja immer knapper werden: "Wie kann denn eine ganze Gruppe an Menschen über einen Kamm geschert und als Risikogruppe abgestempelt werden?", fragt er. Und erzählt weiter: "Wir leben außerdem in einer monogamen Beziehung und setzen uns keinem Risiko aus. (...). Alle schwulen und bisexuellen Männer als 'Risiko' zu bezeichnen, ist herabwürdigend und stigmatisierend."

Und auch Emil Kusmirek und sein Lebensgefährte fordern Jens Spahn dazu auf, "das Transfusionsgesetz anzugleichen". FDP-Mann Brandenburg hat es so ausgedrückt: "Es soll niemand sterben müssen, nur, weil der mögliche Blutspender der Richtlinie zu schwul war."

Dem schließen wir uns voll und ganz an: Höchste Zeit, diesen Missstand zu ändern!

Wer dazu in der Lage und befugt ist, sollte dennoch Blut spenden gehen! Das DRK warnt vor einem Engpass, viele Menschen könnte das das Leben kosten!

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