02.06.2020 - 11:38

Ausnahmeregelung beendet, aber Optionen Krankschreibung per Telefon ab jetzt nicht mehr möglich, aber...

Von

Wer ein Attest benötigte, konnte dieses bei leichten Infekten in Coronazeiten per Telefon anfordern. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Dafür entbrennen jetzt die Diskussionen um digitale Krankschreibungen, Das steckt dahinter.

Foto: imago images - fossiphoto

Wer ein Attest benötigte, konnte dieses bei leichten Infekten in Coronazeiten per Telefon anfordern. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Dafür entbrennen jetzt die Diskussionen um digitale Krankschreibungen, Das steckt dahinter.

Während des Corona Shutdown war eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt per Telefonanruf möglich. Damit ist seit Ende Mai aber Schluss. Was Sie jetzt wissen müssen.

Seit März konnten sich deutsche Arbeitnehmer bei leichten Atemwegserkrankungen zwei Wochen von Ihrem Hausarzt per Telefon krankschreiben lassen. Diese Regelung ist nun vorbei. Das gilt jetzt für Krankschreibungen und Atteste in Coronazeiten. Und das sind Ihre Möglichkeiten.


Krankschreibung in Coronazeiten: Jetzt nicht mehr per Telefon!

Die in der Corona-Epidemie eingeführte Ausnahmeregelung, dass eine Krankschreibung auch nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt möglich ist, ist nun beendet. Das bedeutet ganz konkret: Für eine Krankschreibung müssen Arbeitnehmer jetzt wieder zum Arzt.

Wie das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen jetzt verkündete, wird die Krankschreibungs-Sonderregelung nicht weiter verlängert. Seit dem 1. Juni gelten nun wieder die ursprünglichen Voraussetzungen: Wer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigt, muss ab Montag den Arzt persönlich aufsuchen.

Die befristete Ausnahme diente in Corona-Zeiten dazu, die Praxen zu entlasten und die Virus-Ausbreitung zu verringern. Durch die neuen Entwicklungen aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln, die zu einer Entspannung auch der Praxen führten, liefen die Ausnahmeregelungen zum vorgesehenen Termin nun aus.

Krankschreibung per E-Mail, Messenger oder Apps?

Wie eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1.193 Befragten ab 16 Jahren, die von Mitte April bis Mitte Mai 2020 durchgeführt wurde, ergab, zeigten sich 62 Prozent der Befragten selbst mit einer telefonischen Lösung nicht wirklich einverstanden. Sie erhoffen sich eine zukünftige Krankschreibung auch über digitale Kanäle wie beispielsweise E-Mail, Messenger oder Apps. Und das wünschen sich nicht nur jüngere Arbeitnehmer, auch bei den älteren Personen ab 65 Jahren war eine knappe Mehrheit (51 Prozent) dieser Meinung.

Auch bei weiteren medizinischen Angeboten möchte die Bevölkerung mehr Online-Lösungen. 93 Prozent der Befragten gaben an, für einen Ausbau der digitalen Gesundheitsversorgung zu sein. So wären Besprechungen per Chat und eine Video-Sprechstunde mögliche Ideen. Zukunftsmusik oder baldige Realität?

AU-Schein digital unter bestimmten Bedingungen möglich

Das Start-up AU-Schein.de scheint den Geist der Zeit aufzugreifen und bietet die Möglichkeit, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhalten, ohne den Hausarzt aufzusuchen. Hier gelten aber klare Einschränkungen.

Eine Krankschreibung ist bisher dort nur für Erkältungen, Regelschmerzen, Rückenschmerzen, Stress, Migräne, Blasenentzündungen und Magen-Darm-Grippen vorgesehen. Bei anderen Symptome oder zu häufiger Nutzung des digitalen Angebots, ist ein Arztbesuch weiter unumgänglich.

So bekommen Sie eine Online-Krankschreibung

Eine Online-Krankschreibung für ein bis drei Tage ist beim Dienstleister AU-schein.de möglich. Gegen eine Gebühr von 9 Euro wird diese per WhatsApp und zusätzlich per Post verschickt. Auf deren Seite steht, dass man sich vor allem auf die Diagnose von Erkältungen fokussiere, "da sie ungefährlich, gut erforscht und besonders gut per Anamnese zu diagnostizieren sind". Wichtig zu wissen: Mehr als zwei Krankschreibungen pro Kalenderjahr sind nicht möglich. Auch rückwirkende Krankschreibungen oder Folgebescheinigungen können nicht ausgestellt werden.

So funktioniert's: Wer sich online krankschreiben lassen möchte, füllt auf der Website einen Online-Fragebogen zu Symptomen und Gesundheitszustand aus, z.B. ob er Fieber oder Schmerzen hat und ob chronische Erkrankungen bestehen.

Abschließend werden die Selbstangaben von einem Arzt vor Ort geprüft. Wenn die Symptome für ausreichend befunden werden, wird eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt. Diese wird dem Arbeitnehmer innerhalb weniger Stunden oder bis zum nächsten Arbeitstag auf das Handy geschickt.

Wird die WhatsApp-Krankschreibung anerkannt?

Ohne körperliche Untersuchung beim Hausarzt krankgeschrieben: Schon mehren sich die Stimmen, die einen Missbrauch dieser Möglichkeit befürchten. Per WhatsApp blau machen?

Die AU per WhatsApp besitzt angeblich bundesweite Gültigkeit, und der Arbeitgeber muss sie eigentlich anerkennen. Allerdings wird es Unternehmen geben, die sich an der digitalen Krankschreibung stören, das gibt auch der Dienstleister AU-Schein.de zu bedenken und liefert gleich das Versprechen mit, dem Arbeitnehmer durch Beschwerde bei Arbeitgeber oder Krankenkasse beizustehen und sogar einen Anwalt für eine kostenlose Beratung zu vermitteln.

Auch für Fragen zu Corona und Covid-19 hat die Website ein Angebot parat: "Ab sofort können Sie Ihr Covid-19 Risiko mit dem zertifizierten Fragebogen der Charité Uni-Klinik überprüfen. Fordern Sie jetzt Ihre AU für die freiwillige häusliche Quarantäne für bis zu 14 Tage an."

Das sagen Arbeitsrechtler zur Krankschreibung per WhatsApp

Arbeitsrechtlerin Nathalie Oberthür, Vorsitzende des Arbeitsrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins hält die Angst, der Arbeitgeber könnte die digitale AU nicht akzeptieren, für realistisch. Gegenüber der Nachrichtenseite "Handwerk.com" sagte sie: "Der Service differenziert gar nicht nach Tätigkeit, sondern unterstellt pauschal, dass man mit einer Erkältung per se arbeitsunfähig ist". Und fügt hinzu: "hat jemand aber nur einen leichten Schnupfen und muss sich die Nase putzen, hätte ich Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit".

Deshalb sei besser abzuwarten, wie die Arbeitsgerichte mit der Krankschreibung per WhatsApp jetzt umgehen. Aber: Grundsätzlich hätte eine AU-Bescheinigung einen hohen Beweiswert. Vorausgesetzt natürlich, der Krankgeschriebene würde nicht beim Feiern, bzw. "Blau-Machen" erwischt.

Quellen: focus.de, inside-digital.de, merkur.de

Bisher war eine Krankschreibung per Telefon möglich, das ist nun nicht mehr der Fall. Und was tun bei Schnupfen und Husten? Wir sagen Ihnen, ob sie dann einen Corona-Test benötigen. Wir erklären Ihnen außerdem die Symptome von

Corona oder Allergie: So erkennen Sie den Unterschied!

Corona oder Allergie: So erkennen Sie den Unterschied!

Beschreibung anzeigen

Augen auf bei Fake-News! Hier wird mit der Coronavirus-Angst gespielt.

Weitere wichtige Informationen zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

So trage ich den Mundschutz richtig

So trage ich den Mundschutz richtig

Beschreibung anzeigen
Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen