16.04.2020 - 19:45

In ihrem Land gibt es kaum welche Genial: Afghanische Frauen bauen Beatmungsgerät aus alten Autoteilen

Sechs der "Afghan Dreamers" vor rund zwei Jahren. Fünf weitere Mädchen der Gruppe haben jetzt einen Prototypen für ein Beatmungsgerät entwickelt – aus alten Autoteilen.

Foto: imago images / ZUMA Press

Sechs der "Afghan Dreamers" vor rund zwei Jahren. Fünf weitere Mädchen der Gruppe haben jetzt einen Prototypen für ein Beatmungsgerät entwickelt – aus alten Autoteilen.

Toll, was fünf junge Frauen aus Afghanistan unter schwierigsten Bedingungen gebaut haben: nämlich ein Beatmungsgerät aus alten Teilen, um im Kampf gegen das Coronavirus gewappnet zu sein.

Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt – und zu denen, die Frauen nicht viel Rechte zugestehen, um es vorsichtig auszudrücken. Und doch haben jetzt ausgerechnet Bürgerinnen dieses Landes einen kleinen Geniestreich im Kampf gegen das Coronavirus hingelegt: Lesen Sie, wie es afghanischen Frauen gelungen ist, ein Beatmungsgerät aus alten Autoteilen zu bauen. Und wie es mit dieser genialen – und sehr kostengünstigen – Erfindung weitergehen könnte.

Im Kampf gegen Corona: Afghanische Frauen bauen Beatmungsgerät aus alten Autoteilen

Auch in Afghanistan ist die Corona-Epidemie angekommen: Die Weltgesundheitsorganisation vermeldet aktuell 784 bestätigte Corona-Fälle sowie 25 Todesfälle (Stand 16.4.). Moderate Zahlen im Vergleich zu anderen Ländern – allerdings dürfte die Dunkelziffer deutlich höher liegen, und: Laut der Hilfsorganisation "Shelter Now" gibt es in ganz Afghanistan bis dato nur zwölf Beatmungsgeräte, die ein großer Teil der Ärzte nicht einmal bedienen kann.

Dieser Zustand ist nicht akzeptabel – das hat sich offenbar auch eine Gruppe hochbegabter Schülerinnen gedacht, die sich "Afghan Dreamers" nennt und schon mehrfach mit tollen Erfindungen in Erscheinung getreten ist. Fünf Mädchen der "afghanischen Träumerinnen", alle gerade einmal zwischen 14 und 17 Jahre alt, haben jetzt einen Prototypen für ein Beatmungsgerät entwickelt, das aus Teilen eines alten Toyota Corolla zusammengebaut wurde. Das Auto sieht man sehr häufig auf den Straßen des Landes.

Prototyp unter schwierigsten Bedingungen gebaut

Verschiedene Teile des Motors und der Batterie finden in dem Gerät Einsatz – und ein Plastikbeutel, der in Krankenhäusern benutzt wird, um Patienten beim Atmen zu helfen. Für ihr Beatmungsgerät haben die Teenager ein mechanisches System entwickelt, das den Beutel so bedienen kann, wie es für den jeweiligen Patienten angemessen ist.

Somaja Faruki, die 17-jährige Leiterin des Teams, erklärt es der Nachrichtenagentur AFP gegenüber so: "Der komplizierte Teil besteht darin, Zeitpunkt und Druck des Pumpens genau einzustellen, da die Patienten je nach Alter und Schwere ihrer Erkrankung unterschiedliches Luftvolumen und unterschiedlichen Luftdruck benötigen."

Unvorstellbar, wie es den Mädchen gelungen ist, diesen Prototypen tatsächlich herzustellen – unter schwierigsten Bedingungen, denn Online-Bestellsysteme, die bei uns gang und gäbe sind, gibt es in Afghanistan so gut wie nicht, Läden und Geschäfte sind karg ausgestattet, in der Corona-Krise sowieso. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als auf das zurückzugreifen, was sie kriegen können. Viel war das nicht. Sie haben es dennoch geschafft.

Geräte könnten für unter 300 Euro pro Stück hergestellt werden

Zwei Prototypen haben die klugen Tüftlerinnen verschickt: Einen an das Technologie-Institut von Massachusetts (MIT), dessen moderne Beatmungsgeräte für die afghanische Erfindung Paten standen, und einen an die Harvard-Universität.

Wird das Gerät dort jeweils für gut befunden, muss es anschließend auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) genehmigen, bevor das Team mit der Produktion weiterer Geräte beginnen kann. Auch das afghanische Gesundheitsministerium muss grünes Licht geben, teilte ein Sprecher von dort mit.

Dass der Prototyp noch ausbaufähig ist, davon gehen die Mädchen aus. Roja Mahboob, die eine Technologiefirma in Afghanistan leitet und die jungen Forscherinnen finanziell unterstützt, gibt sich aber zuversichtlich: "Wir hoffen, dass wir unser Modell mit Hilfe des MIT bis Ende Mai oder Juni verbessern und dann für den Gebrauch in der Praxis bereitstellen können", sagt sie.

Und das wäre wirklich fantastisch. Denn wenn die "Afghan Dreamers" tatsächlich eine Genehmigung erhalten, könnte das Modell für gerade einmal 300 Dollar (umgerechnet etwa 270 Euro) angefertigt werden, während moderne Beatmungsgeräte etwa das Hundertfache kosten!

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