Aktualisiert: 14.04.2020 - 21:08

Was wird aus den Tieren? Zoos müssen in der Corona-Krise vielleicht zu drastischen Mitteln greifen

Auch die Zoos und Tierparks haben unter der Corona-Krise zu leiden: Woher die finanziellen Mittel nehmen, wenn keine Besucher kommen dürfen?

Foto: imago images / Stefan Zeitz

Auch die Zoos und Tierparks haben unter der Corona-Krise zu leiden: Woher die finanziellen Mittel nehmen, wenn keine Besucher kommen dürfen?

Das Ostergeschäft fiel für die Zoos und Tierparks ins Wasser. Manche sind schon so knapp bei Kasse, dass sie sich nur mit Spenden über Wasser halten können. Einige haben bereits drastische Notfall-Pläne...

Gerade zu Ostern sind Tierparks und Zoos sonst gut gefüllt und können sich nicht über zu wenig Besucher beschweren. Solche Feiertage sorgen sonst auch für ein finanzielles Polster, wenn die Zeit naht, in denen sich weniger Besucher in die Zoos verirren. Doch auch wenn die Türen geschlossen sind: dahinter muss es weitergehen. Wie lange können Zoos die Versorgung der Tiere in der Corona-Krise finanziell stemmen? Wie sieht im schlimmsten Fall die Alternative aus, wenn den Zoos und Tierparks das Geld ausgeht?

Zoos in der Corona-Krise: Drastischer Notfallplan im Tierpark Neumünster

Die Direktorin des Tierparks Neumünster, Verena Kaspari, sprach gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" davon, dass Ostern eigentlich das wichtigste Wochenende im Jahr für den Tierpark sei. Doch aufgrund der Corona-Krise sind Zoos und Tierparks, wie viele andere Geschäfte oder Fitnessstudios, derzeit geschlossen, die Einnahmen blieben aus.

Der Tierpark Neumünster beheimatet rund 700 Tiere, die weiterhin versorgt werden wollen. Doch ohne finanzielle Einnahmen gestaltet sich das natürlich schwierig. Daher hat sich der Tierpark bereits mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, drastische Maßnahmen zurückgreifen zu müssen.

"Wir haben eine Liste erstellt, welche Tiere wir als Erstes schlachten müssen", berichtet Kaspari der "Welt". Auch wenn es eine sehr traurige Vorstellung ist: Im Fall der Fälle müssten einige Zootiere dann verfüttert werden. "Es könnte so kommen", so die Direktorin. "Und dann stellt sich immer noch die Frage, was ich mit den reinen Fischfressern mache, den Seehunden und Pinguinen. Im schlimmsten Fall werde ich Tiere euthanasieren müssen, ehe ich sie verhungern lasse." Verena Kaspari weiß: Auch wenn nicht gerne darüber gesprochen wird, andere Zoos haben ähnliche Pläne.

Es ist so traurig, wenn Tiere unter der Corona-Krise leiden müssen. Bislang ging es vielen auch noch richtig gut: So sind in einem US-Aquarium jetzt Pinguine statt Menschen die Beobachter. Es sind großartige Bilder und Videos der süßen Vögel, wie sie Tiere durch die Scheibe beobachten!

Ein Soforthilfe-Programm müsste her

Damit solche Pläne nicht umgesetzt werden müssen, setzt sich der Verband der Zoologischen Gärten für ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro ein. Der Verbandspräsident und Leipziger Zoodirektor Jörg Junhold betont: "Anders als andere Einrichtungen können wir unseren Betrieb nicht einfach runterfahren – unsere Tiere müssen ja weiterhin gefüttert und gepflegt werden." Als Beispiel führt er an, dass ein großer Zoo momentan mit einem wöchentlichen Umsatzverlust von etwa einer halben Million Euro zurechtkommen müsse.

Ein weiteres Horrorszenario würde sich ergeben, wenn ein Zoo finanziell bedingt wirklich schließen und die Tiere anderweitig unterbringen müsse. Oder wenn etwa die Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleistet werden könne. Denn nicht jedes Tier kann einfach in einem anderen Zoo untergebracht werden, da es strenge internationale Regeln gebe. Der Sprecher des Zoo-Verbandes, Sebastian Scholze, führt als Gründe die geschlossenen Grenzen, aber auch die jeweils begrenzten finanziellen Möglichkeiten an: "Wer kann sich in so einer Situation noch 30 zusätzliche Esser leisten?"

Wohin mit Eisbär, Tiger und Nashorn?

Der Tierpark Neumünster steht gerade selbst, im wahrsten Sinne des Wortes, vor einem großen Problem: Der größte Eisbär Deutschlands lebt in dem Tierpark. Vitus ist knapp 3,60 Meter lang. Falls der Park aufgrund finanzieller Probleme schließen müsste, wüsste man nicht, wohin mit ihm. "Es gibt derzeit keinen Tierpark in Europa, der ihn nehmen könnte", so Kaspari gegenüber der "Welt".

Auch der Direktor Tim Schikora vom Zoo Schwerin kommt in der "Welt" zu Wort und sieht für seinen eigenen Zoo eine ähnliche Problematik: "Eine Zoo-Insolvenz ist für uns alle ein neues Thema. Wie löse ich in einem Monat einen Tierpark auf? Dafür existieren keine Pläne. Vor allem große Exoten sind ein Problem. Unsere Tiger und Nashörner – die könnte ich kurzfristig nirgendwo unterbringen."

Helfen Sie

In Zeiten des Coronavirus brauchen also nicht nur unsere Nachbarn oder Menschen aus Risikogruppen unsere Solidarität, sondern auch die vielen Tiere in den Zoos und Tierparks überall in Deutschland, die uns sonst bei einem Zoobesuch immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Vielleicht schauen Sie einfach mal auf der Internetseite ihres Lieblingszoos vorbei. Bei vielen werden Sie Infos finden, wie Sie helfen können. Beim Zoo Berlin etwa können Sie ganz unkompliziert ein Spendenformular ausfüllen.

In Freiheit lebenden Tieren geht es in der Corona-Krise oftmals deutlich besser: Weil Menschen derzeit einen Großteil ihres Terrains nicht bevölkern können, tun das jetzt eben Tiere. Sie erobern Großstädte, Spielplätze und Vorgärten...

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Auch interessant zu wissen: Kommen die Corona-Lockerungen? Das sind die Empfehlungen. Corona-Krise: Welche Abos jetzt besonders häufig gekündigt werden oder auch ein Einblick in die Arbeit der Johns-Hopkins-Universität: Woher die wichtigen Zahlen der Coronavirus-Infizierten kommen .

Als wichtiger Tipp für Sie: Coronavirus: Ansteckung vermeiden? Hier ist die Gefahr groß!

Wichtig, um sich selbst und andere zu schützen:

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Wie Sie ihre Psyche in dieser Zeit stärken können:

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