Aktualisiert: 14.04.2020 - 20:42

Nach der Coronakrise "Ich kann es schon jetzt nicht erwarten, an diesem Tag aufzuwachen"

Am Ende des Tunnels ist immer ein Licht. Auch nach "Corona" wartet eine Zukunft. Wie wir diese angehen, kann alles verändern.

Foto: Olivia Winter

Am Ende des Tunnels ist immer ein Licht. Auch nach "Corona" wartet eine Zukunft. Wie wir diese angehen, kann alles verändern.

Das Leben hat sich verändert in Zeiten der Coronakrise. Alles ist anders, alles ist neu – und die als alltäglich empfundene Vergangenheit wird schmerzlich vermisst. Doch der Verlust birgt auch Chancen für eine bessere Zukunft – findet auch unsere Redakteurin.

Eines vorweg: Vom Wesen des Optimisten bin ich meist denkbar weit entfernt. Oft bin ich zu besorgt um die Menschen, die ich liebe und wegen all der Dinge, die um mich herum geschehen. Oft raubt mir die Sorge den Schlaf. Und natürlich: So ist es auch jetzt seit Wochen, seit das Wort "Corona" nicht nur meinen Arbeitsalltag, sondern auch mein und unser aller privates Leben bestimmt.

Doch so furchtbar die Situation auch ist: Sie ist hoffentlich der Anfang einer neuen Realität.

Coronakrise: Startschuss für ein neues Bewusstsein?

Es ist nicht lange her, da haben wir das Jahr 2020 begrüßt. Unbedarft, unbesorgt – wie es seit Jahrzehnten der Usus unserer Gesellschaft ist. Hätte uns damals jemand gesagt, wie sehr sich unser Leben binnen kürzester Zeit ändern würde – vermutlich hätte es keiner geglaubt.

Nun ist aber eben jener Fall eingetreten. Und die Menschen haben sich notgedrungen (mehr oder weniger) in das neue Jetzt eingefügt. Und nun wandern sie wie betäubt in ihren Wohnungen umher, beleuchtet vom Sonnenschein, der durch die Scheiben dringt, und haben nichts als diese diffusen Erinnerungen an die Zeit, bevor das Virus die Welt heimgesucht hat. Erinnerungen, Angst, Sorge – und keiner weiß, wie lange das alles weitergehen wird.

Selbstsichere Menschen waren wir. Im Großen und Ganzen unbesorgt. Wir konnten kaufen, wofür wir Geld hatten. Treffen, wen wir sehen wollten. Zu Orten reisen, die uns interessiert hatten. Wir hatten die Freiheit zu tun, was wir eben tun wollten. Jeder ist seines Glückes Schmied – und wir hatten so viele Materialien zur Verfügung, haben sie nur nie richtig eingesetzt.

Nun sitzen wir da, in unserem kleinen Käfig. Nichts bleibt, als die großen, unbeantworteten Fragen. Wann kann es weitergehen, wie wir es kannten? Wird es überhaupt je wieder "normal" werden?

Nun – ich finde mich oft in diesen Gedanken wieder. Aber ich möchte nicht aufgeben oder mich ergeben. Und während ich versuche, mich zu sammeln, fixiere ich den Horizont und sage mir:

Alles wird gut.

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Wenn du am Boden liegst, ist nur "Aufstehen" eine Option.

Vielleicht war unser "Altes Ich" zu selbstsicher, zu arrogant und zu unbesorgt. Vielleicht hatten wir längst die Fähigkeit verlernt, die großen Momente im Kleinen zu erkennen. Und vielleicht ist all das, was uns als Menschheit nun widerfährt, eine Prüfung. Um endlich zu lernen, was wirklich wichtig ist im Leben. Um zu wissen, wofür es sich zu leben lohnt. Zu wissen, worauf wir uns alle freuen können.

  • Mit der ganzen Familie am Frühstückstisch sitzen und lachen – danach jeden herzlich in die Arme schließen.
  • Sich blinzelnd von der Sonne blenden lassen, während man mit Freunden auf den Frühling anstößt.
  • Sich in der Melodie des Lieblingslieds verlieren – inmitten einer Masse an Zuschauer bei einem Konzert.
  • Die kleinen, vermeintlich unbedeutenden Treffen mit lieben Menschen, die man viel zu lange nicht gesehen hat.
  • Die tröstende Umarmung eines Freundes, wenn der Boden droht, unter den Füßen wegzubrechen.
  • Der sehnsuchtsvolle Blick auf den Teller, den der Lieblingskellner gerade vor uns platziert.
  • Das wohlige Schauern bei der absichtlich-unabsichtlichen Berührung des Gegenübers beim Date in der kuschligen Bar, in der man sich schon immer so wohl gefühlt hat.
  • Das Stück Kuchen, das man mit lieben Arbeitskolleginnen verputzt und das kurz den Alltag entschleunigt.
  • Das laute Mitsingen im Stadion der Lieblingsmannschaft.

Was auch immer es ist, was den Einzelnen ausmacht.

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Einst für so alltäglich befundene Momente, die zur schmerzlich vermissten Erinnerung geworden sind.

Doch: Es kann wieder so werden. Es WIRD wieder so werden.

Wenn wir etwas aus der Situation gelernt haben sollten: All diese kleinen Dinge sind NICHT selbstverständlich! Sie sind sogar unbezahlbar. Und sie sind es wert, weiter zu kämpfen, auch aus der Entfernung, Seite an Seite im Herzen. Damit all diese Momente nicht nur unsere Vergangenheit sind, sondern auch wieder unsere Zukunft werden. Eine Zukunft, die wir hoffentlich als Neustart begreifen und alles ein wenig anders angehen, als es vorher war.

Und so viel ist sicher: Ich werde all das nie wieder als gegeben erachten. Nie wieder werde ich die wunderbaren Kleinigkeiten übersehen – und ich will die unendliche Freiheit genießen, die wir hatten und hoffentlich bald wieder haben.

An irgendeinem Morgen wird die Sonne aufgehen – und wir werden all das wieder haben.

Ich kann es schon jetzt nicht erwarten, an diesem Tag aufzuwachen.

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