Aktualisiert: 08.10.2020 - 12:03

Auf der Roten Liste Lebensraum, Unterschlupf, Pflege: So helfen Sie unserem Igel im Herbst!

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Soo müde: Igel benötigen mitunter für den Winterschlaf unsere Hilfe. So machen Sie den Garten igelfreundlich – und das können Sie tun, wenn Sie ein hilfebedürftiges Tier finden.

Foto: iStock.com / DieterMeyrl

Soo müde: Igel benötigen mitunter für den Winterschlaf unsere Hilfe. So machen Sie den Garten igelfreundlich – und das können Sie tun, wenn Sie ein hilfebedürftiges Tier finden.

Die zauberhaften stacheligen Gesellen waren früher häufiger zu sehen. Durch uns Menschen wird ihr Lebensraum aber immer enger. Nun stehen die Igel auf der Roten Liste. Wer einen Garten hat, sollte vor allem im Herbst aktiv werden.

Igel gibt's doch viele, meinen Sie? Leider immer weniger – und die Prognosen für die stacheligen Kerlchen sehen schlecht aus, sagt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Das können Sie zum Schutz des Igels tun – und so helfen Gartenbesitzer ihnen im Herbst. Alles zu Lebensraum, Unterschlupf und zur Pflege der hilfsbedürftigen Tiere.

Garten als Lebensraum: So helfen Sie dem Igel im Herbst!

Die Zahl der Igel sinkt, in Bayern ist das Tier sogar schon auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. Der Grund: wir Menschen und der von uns verursachte Klimawandel.

Aufgrund des Klimawandels und der steigenden Temperaturen wacht der Igel immer zeitiger aus dem Winterschlaf auf, findet dann aber noch nichts zu fressen. "Das kann in Zukunft problematisch sein", sagt Julian Heiermann, Referent für Umweltinformationen beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) . "Wenn die Winter immer milder werden, können sich die Igel nicht richtig anpassen. Sie erwachen also frühzeitig aus ihrem Winterschlaf, sind ausgehungert – und finden noch keine Nahrung vor."

Auch im Kleinen nehmen wir dem Igel seinen Lebensraum, indem wir unsere Gärten zu sehr gestalten und für Igel unbewohnbar machen. In Bayern zählt der Igel schon zu den gefährdeten Tierarten und steht seit drei Jahren auf der Roten Liste.

Der größte Feind des Igels

Wir Menschen schränken den Lebensraum des Igels immer mehr ein. Bodenversiegelungen wie Wohn- und Gewerbegebiete sowie Straßen nehmen dem Igel nicht nur seinen Lebensraum, sie gefährden die hübschen Tiere auch. Wer sich für den Erhalt des Igels einsetzen will, sollte damit also ganz einfach im eigenen Garten beginnen. Und das ist gar nicht so schwer.

Betrachten Sie Ihren Garten nicht nur als Ziergarten, empfehlen Experten. Das bedeutet nicht, dass der Garten "verwildern" müsse – wichtig sei aber, mit der Natur zusammen zu arbeiten.

Diese Dinge können Igel töten

Vermeiden Sie Insektizide und andere Pestizide, etwa Unkrautvernichtungsmittel, in Ihrem Garten. Gifte im Nahrungsnetz der Igel machen die Tiere krank. Auch Mähroboter haben in einem igelfreundlichen Garten nichts zu suchen. Ein nicht abgedeckter Pool stellt ebenfalls eine erhebliche Gefahr für die kleinen Tiere dar.

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Checkliste für einen igelfreundlichen Garten

Der Naturschutzbund hat einige Tipps zusammengestellt: So können Sie also einen igelfreundlichen Garten gestalten.

  • Entfernen Sie Laub- und Reisighaufen nicht. In diesen können sich Igel wärmen und schützen.
  • Außerdem sollten Sie Reisighaufen nicht einfach abbrennen, sondern, wenn Sie entfernt werden müssen, vorher unbedingt umsetzen.
  • Bieten Sie Winterquartiere an, zum Beispiel ein Igelhaus.
  • Legen Sie in Ihrem Garten heimische Pflanzen und Gehölze an.
  • Zäune dürfen durchlässig für Igel sein. Dafür empfiehlt sich eine Öffnung von mindestens 10 cm in Höhe und Breite, durch die der Igel schlüpfen kann.
  • Decken Sie Löcher, Gruben und Schächte ab.
  • Stellen Sie etwas Trinkwasser für den Igel in einer Tränke auf und wechseln sie dieses täglich, wenn möglich. Milch ist kein adäquates Getränk für Igel, es kann sie krank machen.
  • Manche Igel trinken aus Teichen: Gartenteiche sollten also flache Stellen oder Ausstiegshilfen haben, damit der Besucher eigenständig wieder hinausklettern kann.
  • Verzichten Sie auf Pestizide und halten Sie Ihren Garten giftfrei. Das tut auch Pflanzen und anderen wichtigen Tieren gut, etwa Bienen.

Keine Angst vor Mundraub

Sie fürchten um Ihr Obst und Gemüse? Müssen Sie nicht: Der Braunbrust-Igel zum Beispiel ist in Mitteleuropa weit verbreitet und kein Vegetarier, sondern ein Insektenfresser. Er frisst lieber Laufkäfer, Schmetterlingslarven, Würmer, Schnecken und Spinnen als Ihren Salat oder Ihr Obst. Deshalb sollten Sie ihn in Ihrem Garten eher willkommen heißen als verjagen.

Weißer Schaum vor dem Maul? Kein Grund zur Panik

Wichtig zu wissen: Wenn Sie einen Igel mit weißem Schaum vor dem Mund sehen, haben Sie keine Angst, denn der Igel überträgt nur sehr selten Tollwut. In der Regel ist der weiße Schaum, der sich am Maul des Igels abzeichnet, nur eine Speichelabsonderung. Diese entsteht, wenn die süßen Tierchen Dinge beschnuppern, ablecken oder anknabbern.

Laubhaufen als Igel-Unterschlupf

Gärten sind für Igel wichtig. Hier finden Sie Leckereien wie Spinnen, Schnecken, Regenwürmer und anderes Getier. Besonders wohl fühlen sich Igel somit in naturbelassenen Gärten. Igel benötigen Platz, wenn Sie im Herbst auf Nahrungssuche gehen.

Tipp: Lassen Sie bei Zäunen und Mauern eine Öffnung zum Durchschlüpfen. Hecken und Lattenzäune sind besser als Drahtzäune, die die Tiere verletzen können – es sei denn, der Drahtzaun reicht nicht bis ganz nach unten und lässt den stacheligen Freunden Platz, um darunter durchzuschlüpfen.

Der Igel ist und bleibt ein wildes Tier. Bieten Sie ihm im Garten einen Unterschlupf für ihren Winterschlaf, als Versteck und zur Nahrungsaufnahme an. Eine kleine Kompostecke oder ein aufgeschichteter Zweighaufen genügen. Diese sollten sich nur in einer abgelegenen oder ruhigen Gartenecke befinden. Achten Sie natürlich bei der Gartenarbeit darauf, die Tiere nicht zu stören. Auch das Umsetzen der Igelnester ist keine gute Idee. Verzichten Sie zur Freude Ihrer "Mitbewohner" auf den Gebrauch von Laubsaugern, Rasenmähern und Motorsensen.

Igelhaus als Winterquartier aufstellen

Auch ein Igelhäuschen im Garten ist eine tolle Sache. Dieses kann selbstgebaut sein oder im Fachmarkt gekauft werden.

Weniger ist mehr: Ein Winterquartier ist gut, gesunde Tiere benötigen aber nicht mehr. Denn wenn Igel die ganze kalte Jahreszeit von Menschen versorgt werden, fällt es ihnen im Frühjahr schwer, sich in einem neuen Revier gegen Artgenossen durchzusetzen und genügend Futter zu finden.

Mit diesem Trick erkennen Sie kranke oder verletzte Igel

Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es untersagt, geschützte Arten wie den Igel "aus der Natur zu entnehmen". Erlaubt dagegen ist, kranke, verletzte Tiere und verwaiste Jungtiere kurzzeitig aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen.

Wenn Sie einen hilfsbedürftigen Igel aufnehmen, ist es Ihre Pflicht, ihn zu betreuen und zu versorgen, bis er wieder gesund in seinen Lebensraum zurück entlassen werden kann.

Und so erkennen Sie den Betreuungsbedarf: Ein schütteres Stachelkleid ist ein Anzeichen für ein krankes Tier. Auch wenn es taumelt oder auf der Seite liegt, ist das ein Hilferuf. Ob ein Igel zu dünn ist, erkennen Sie mit einem Trick: Betrachten Sie ihn von der Seite. Wenn er hinter dem Kopf eine Nackenfalte aufweist, ist er zu dünn.

Igel füttern: Diese Lebensmittel sind geeignet

Der Winterschlaf beginnt ab Mitte November. Wer bei Schnee und Dauerfrost einen Igel draußen findet, kann das Tier aufnehmen. So gehen Sie vor: Umwickeln Sie das Tier mit einem Handtuch und wärmen es vorsichtig mit einer lauwarmen Wärmflasche oder unter einer Taschenlampe auf.

Und was soll der Igel fressen? Bewährt hat sich Katzenfutter aus der Dose, wenn es mit Igel-Trockenfutter gemischt wird. Auch die Zugabe von Eiern und gebratenem ungesalzenem Rinderhack ist eine gute Idee. Als Getränk ist Wasser ausreichend.

Stark abgemagerte Tiere können auch mit Banane oder Avocado gefüttert werden. Diese für den Igel unnatürlichen Lebensmittel sollten die Ausnahme sein, helfen aber laut Experten beim Ansetzen des nötigen Winterspecks.

Absolut ungeeignet sind dagegen Speisereste, Obst und Gemüse. Auch Milch ist keine gute Idee, da Igel auf den enthaltenen Milchzucker mit Durchfall reagieren.

Und wenn der Igel die Nahrungsaufnahme verweigert? Dann ist der Besuch bei einem Tierarzt unvermeidbar. Tiere können auch in spezialisierten Igelstationen oder im Tierheim abgeben werden.

Igel geheilt entlassen? So gehen Sie vor

Der Igel gehört in seinen natürlichen Lebensram zurück. Igel müssen nach der Notversorgung und dem Aufpäppeln wieder dort ausgesetzt werden, wo man sie gefunden hat. Der Grund: Sie sind standorttreu und haben feste Reviere. Deshalb sollten Sie sich den Fundort gut merken. Diese Regel gilt natürlich nicht, wenn Sie einen Igel an einer vielbefahrenen Straße gefunden haben. Weitere Gefahr droht, wenn Sie einen Igel im Wald aussetzen: Hier fehlt der für die Tiere nötige Unterbewuchs, sie können sich nicht verstecken, werden somit also zur leichten Beute.

Für weitere Infos und Fragen hilft auch die ausführliche Website des Vereins "Pro Igel".

Quelle: NABU, Pro Igel

Nicht nur Igeln, auch Eichhörnchen droht dieses Jahr ein schwieriger Winter.

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Sie sind Tierfan? Dann lesen Sie gern weiter auf unseren Themenseiten Haustier und Katzen. Auch unter Garten und Balkon finden Sie hilfreiche Tipps.

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