15.04.2020 - 18:48

Der Mensch als größter Feind Klimawandel bedroht unsere Igel: Das kann jeder dagegen tun!

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Wie süß! Igel benötigen besonderen Schutz, denn sie gehören zu den bedrohten Tierarten. Das können Sie tun!

Foto: iStock / Maren

Wie süß! Igel benötigen besonderen Schutz, denn sie gehören zu den bedrohten Tierarten. Das können Sie tun!

Die zauberhaften stacheligen Gesellen waren früher häufiger zu sehen. Durch uns Menschen wird ihr Lebensraum aber immer enger. Nun stehen die Igel auf der Roten Liste. Wer einen Garten hat, sollte jetzt aktiv werden.

Zwischen April und Mai erwachen die possierlichen Tierchen aus ihrem Winterschlaf. Bald machen sich die Igel auf Nahrungssuche, stärken sich, um sich zwischen Juni und August fortzupflanzen. Besonders wichtig ist also in den folgenden zwei Monaten, dass sie genügend Nahrung vorfinden. Igel gibt's doch viele, meinen Sie? Leider immer weniger und die Prognosen für die stacheligen Kerlchen sehen schlecht aus, sagt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Was das mit dem Klimawandel zu tun hat und was jeder zum Schutz des Igels tun kann, erfahren Sie hier.

Klimawandel bedroht Igel

Die Zahl der Igel sinkt, in Bayern er sogar schon auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. Der Grund sind wir Menschen und der von uns verursachte Klimawandel.

Aufgrund des Klimawandels und der steigenden Temperaturen wacht der Igel immer zeitiger aus dem Winterschlaf auf, und findet noch keine Nahrung. "Das kann in Zukunft problematisch sein", sagt Julian Heiermann, Referent für Umweltinformationen beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) . "Wenn die Winter immer milder werden, können sich die Igel nicht richtig anpassen. Sie erwachen also frühzeitig aus ihrem Winterschlaf, sind ausgehungert – und finden noch keine Nahrung vor."

Auch im Kleinen nehmen wir dem Igel seinen Lebensraum, indem wir unsere Gärten zu sehr gestalten und für Igel unbewohnbar machen. In Bayern zählt der Igel schon zu den gefährdeten Tierarten und steht seit drei Jahren auf der Roten Liste.

Immer weniger: Igel auf der Roten Liste

Der Naturexperte erklärt: "Um Bestandsentwicklungen erfassen und bewerten zu können, muss man Tier- oder Pflanzenarten über einen längeren Zeitraum zählen können. Bei nachtaktiven und eher heimlich lebenden Tierarten, wie dem Igel, ist das nicht einfach."

Und weiter: "Es ist daher schwer zu sagen, wie es unseren bundesweiten Igelbeständen tatsächlich geht", fügt er hinzu. "Wir nehmen daher an, dass die Population auch im ganzen Bundesgebiet immer weiter sinkt, je mehr Lebensraum man den Tieren nimmt. Desto eher sind die Igel einer zunehmenden Gefährdungslage nahe", erklärt Heiermann. "Klar ist, dass sich die Lebensbedingungen für Igel insgesamt eher verschlechtern als verbessern."

Der größte Feind des Igels

Wir Menschen schränken den Lebensraum des Igels immer mehr ein. Bodenversiegelungen wie Wohn- und Gewerbegebiete sowie Straßen nehmen dem Igel nicht nur seinen Lebensraum, sie gefährden die hübschen Tiere auch. "Zahlreiche Igel werden überfahren, weil sie sich beim Überqueren von Wegen und Straßen erschrecken und einrollen. Ein Auto fährt da leider einfach drüber", so der Naturschutzexperte.

"Am gravierendsten beschneidet die Landwirtschaft den Lebensraum der Igel. In Deutschland wird die Hälfte aller Flächen landwirtschaftlich betrieben, die Anzahl der Bio-Bauern ist jedoch sehr gering", so der Referent des NABU. Ganz konkret vernichten der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden sowie großflächige Monokulturen Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung des Igels. "Auch wir Menschen schränken den Igel so in seinem Lebensraum ein, wenn wir die Natur im Garten aussperren." Wer sich für den Erhalt des Igels einsetzen will, kann damit also ganz einfach im eigenen Garten anfangen.

Im eigenen Garten mit dem Igel-Schutz anfangen

"Betrachten Sie Ihren Garten nicht nur als Ziergarten, das ist mehr als die Verlängerung Ihres Wohnzimmers", so Heiermann. Das bedeutet nicht, dass der Garten "verwildern" müsse, wichtig sei aber mit der Natur zusammen zu arbeiten.

Diese Dinge können Igel töten

Vermeiden Sie Insektizide und andere Pestizide, wie etwa Unkrautvernichtungsmittel, in Ihrem Garten. "Durch deren Einsatz können sich bestimmte Gifte im Nahrungsnetz der Igel verbreiten und die Tiere krank machen", warnt Heiermann. Auch Mähroboter haben in einem Igelfreundlichen Garten nichts zu suchen.

"Viele lassen ihre Roboter nachts mähen, zu dieser Zeit ist der Igel jedoch unterwegs. Er kann die die Gefahr des Rasenmähers nicht einschätzen, viele Tiere verletzen sich sehr schwer an den Messern oder sterben."

Ein nicht abgedeckter Pool stellt ebenfalls eine erhebliche Gefahr für die kleinen Tiere dar. "Igel können zwar schwimmen, sie können jedoch oftmals nicht mehr aus dem Pool herausklettern. Über Nacht ertrinken deshalb viele Tiere", warnt der Experte.

Checkliste für einen igelfreundlichen Garten

Der Naturschutzbund hat einige Tipps zusammengestellt, so können Sie also einen igelfreundlichen Garten gestalten.

  • Entfernen Sie Laub- und Reisighaufen nicht. In diesen können sich Igel wärmen und schützen.
  • Außerdem sollten Sie Reisighaufen nicht einfach abbrennen, sondern, wenn Sie entfernt werden müssen, vorher unbedingt umsetzen.
  • Bieten Sie Winterquartiere an, zum Beispiel ein Igelhaus.
  • Legen Sie in Ihrem Garten heimische Pflanzen und Gehölze an.
  • Zäune dürfen durchlässig für Igel sein. Dafür empfiehlt sich eine Öffnung von mindestens 10 cm in Höhe und Breite, durch die der Igel schlüpfen kann.
  • Decken Sie Löcher, Gruben und Schächte ab.
  • Stellen Sie etwas Trinkwasser für den Igel in einer Tränke auf und wechseln sie dieses täglich, wenn möglich. Milch ist kein adäquates Getränk für Igel, es kann sie krank machen.
  • Manche Igel trinken aus Teichen: Gartenteiche sollten also flache Stellen oder Ausstiegshilfen haben, damit der Besucher eigenständig wieder hinausklettern kann.
  • Verzichten Sie auf Pestizide und halten Sie Ihren Garten giftfrei. Das tut auch Pflanzen und anderen wichtigen Tieren, etwa Bienen, gut.

Keine Angst vor Mundraub

Der Braunbrust-Igel zum Beispiel ist in Mitteleuropa weit verbreitet und kein Vegetarier, sondern ein Insektenfresser. Er frisst lieber Laufkäfer, Schmetterlingslarven, Würmer, Schnecken und Spinnen als Ihren Salat oder Ihr Obst. Deshalb sollten Sie ihn in Ihrem Garten eher willkommen heißen als verjagen.

Weißer Schaum vor dem Maul? Kein Grund zur Panik

Wichtig zu wissen: Wenn Sie einen Igel mit weißem Schaum vor de Mund sehen, haben Sie keine Angst, denn der Igel überträgt nur sehr selten Tollwut. In der Regel ist der weiße Schaum, der sich am Maul des Igels abzeichnet, nur eine Speichelabsonderung. Diese entsteht, wenn die süßen Tierchen Dinge beschnuppern, ablecken oder anknabbern.

Quelle: focus.de, NABU

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