07.04.2020 - 20:23

Nichts geht mehr Corona-Krise: Welche Abos jetzt besonders häufig gekündigt werden

Wie hier an einem U-Bahnhof in Berlin sieht es fast deutschlandweit im öffentlichen Personennahverkehr aus: Menschenleer. Das Fazit: Viele kündigen ihr Farkarten-Abo.

Foto: imago images / Emmanuele Contini

Wie hier an einem U-Bahnhof in Berlin sieht es fast deutschlandweit im öffentlichen Personennahverkehr aus: Menschenleer. Das Fazit: Viele kündigen ihr Farkarten-Abo.

Stillstand zur Eindämmung der Corona-Pandemie, so lautet momentan für alle die Devise. Abstand halten und zuhause bleiben bedeutet jedoch auch, dass wir bestimmte Abos derzeit weder nutzen können noch wollen...

Die Corona-Krise hat die Welt fest im Griff. Um die Pandemie einzudämmen, gelten weltweit in vielen betroffenen Ländern Ausgangssperren oder Kontaktverbote. Geschäfte, Fitnessstudios und Schulen bleiben geschlossen. Die Straßen sind oft menschenleer. Wer kann, der geht seiner Arbeit weiter im Home Office nach. Unser Verhalten in der Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Abos oder Verträge, die wir vorher abgeschlossen haben. Welche Abos werden zur Zeit nicht benötigt und wo schlägt die Kündigungswelle zu?

Kündigungen durch Corona-Krise: Das Abo für die öffentlichen Verkehrsmittel

Normalerweise pendeln viele Menschen tagtäglich zur Arbeit. Dafür wird nicht nur das eigene Auto genutzt, sondern auch oft genug die Bahn, Busse oder andere öffentliche Verkehrsmittel. Durch das Coronavirus und die getroffenen Regelungen zur Vermeidung von Neuinfektionen mit dem Virus bleiben auch S-Bahnen, U-Bahnen und Busse leer. Die Kinder müssen nicht zur Schule und viele Eltern können aus dem Home Office arbeiten. Da stellt sich sicherlich für viele die Frage: Warum noch weiter für das teure Jahresabo der öffentlichen Verkehrsmittel zahlen?

Diesen Gedanken haben derzeit wohl viele Menschen, eine Kündigungswelle könnte die Folge sein. Zumindest die Zahlen des Kündigungsdienstleisters Aboalarm scheinen das zu untermauern: Seit der 12. Kalenderwoche, also seit dem 23. März, sind die Abbestellungen von ÖPNV-Abos innerhalb von gerade einmal 14 Tagen um 232 Prozent in die Höhe geschnellt.

In ganz Deutschland sind die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr um gut drei Viertel eingebrochen. Nicht jeder Arbeitnehmer kommt gut durch die Krise, sondern ist eventuell von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen. Geld für ein ungenutztes Abo für Bus und Bahn auszugeben, kann sich da nicht jeder leisten.

Die Verkehrsbetriebe können nicht überall mit Kulanz reagieren, da auch ihre Kosten weiterlaufen. Die Mobilität wird vielerorts weiter sichergestellt, auch wenn die minütliche Taktung nicht immer der im Normalbetrieb entspricht. Trotzdem wird versucht einen Betrieb in der Form zu gewähren, dass die Abstandsregelungen beachtet werden können und das Infektionsrisiko in Zeiten des Coronavirus minimiert wird.

Wo gibt es die "Abo-Pause"?

In Berlin wollte man den Nutzern eines Abos für die Öffentlichen Verkehrsmittel entgegenkommen und diskutierte die Situation. Eine Entscheidung wurde aber zunächst vertagt. Auch in Niedersachen gibt es bisher keine erfreuliche Kulanz-Regelung für die Abo-Nutzer.

Aus dem Norden gibt es allerdings Positives zu vermelden. Da auch in Hamburg die Fahrgastzahlen um 80 Prozent eingebrochen sind, entschloss man sich, den Kunden entgegenzukommen. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) bietet eine "Abo-Pause" an: Wer momentan kaum die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, kann sein Abonnement mit einer Meldung per E-Mail oder Anruf bis zum 1. Juli ruhen lassen. Auch in NRW ist häufig eine "Abo-Pause" möglich.

Fitnessstudio nicht verfügbar

Auch die Fitnessstudios trifft es hart, da sie zu den Geschäften gehören, die während der Corona-Krise nicht mehr öffnen dürfen. Wer ein Abo für ein Fitnesstudio abgeschlossen hat, zahlt auch während der Krise weiter und überlegt sich anscheinend gut, ob der Vertrag nicht gerade überflüssig ist. Auch das belegen die Zahlen des Kündigungsdienstleisters Aboalarm. Die Kündigungen von Mitgliedschaften in Fitnessstudios haben im Vergleich zu der Zeit vor dem Coronavirus um 35 Prozent zugenommen. Viele Studios versuchen, ihren Mitgliedern entgegenzukommen und bieten Gratis-Monate als Ausgleich für die ausgefallene Zeit während der Corona-Krise im Nachgang an.

Dass Fitnesstudios nicht öffnen dürfen, wurde sogar noch einmal gerichtlich bestätigt. Manch einer fragt sich sicherlich schon, wie er denn die Mitgliedsbeiträge zurückerhalten könne, die er für die Zeit der Schließung bezahlt hat. Oder ob gar eine außerordentliche Kündigung möglich ist. Dieser Frage hat sich Stiftung Warentest angenommen und die Experten kommen hier zu dem Schluss, dass ein Fall der rechtlichen Unmöglichkeit vorliege. Aufgrund der öffentlichen Beschränkungen darf das Fitnessstudio gar nicht öffnen und der Kunde verliert somit seinen Anspruch auf Nutzung des Studios. Laut Gesetz darf der Anbieter daher gar keine Bezahlung mehr verlangen.

Ist eine außerordentliche Kündigung möglich?

Zwar seien Mitglieder während der Zeit der Schließung von ihrer Beitragspflicht befreit, doch eine eindeutige Regelung für solche Fälle wird wohl in den meisten Verträgen fehlen, so die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. So wird wohl eine zeitlich begrenzte Schließung, wie diese in der aktuellen Corona-Krise, nicht für eine außerordentliche Kündigung des Vertrages ausreichen. Am besten sei es wohl, sich mit seinem Fitnessstudio direkt in Verbindung zu setzen. Sollte bereits der Gesamtjahresbetrag gezahlt worden sein, so kann sich der Kunde die Beiträge für die Zeit der Corona-Krise erstatten lassen, so Stiftung Warentest. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Vertrag ruhen zu lassen, bis die Leistung wieder vollumfänglich in Anspruch genommen werden kann.

Auch Reiseversicherungen betroffen

Viele von uns träumen schon von dem langersehnten Sommerurlaub, um am Meer unter Palmen Entspannung zu finden und endlich wieder aufzutanken. Doch das Coronavirus vermiest uns den Sommerurlaub, denn selbst der Ärztepräsident hält Reisen in diesem Sommer für unrealistisch. Wozu sollte man also seine Reiseversicherungen weiter bezahlen, wenn man in den nächsten Monaten allerhöchstens Urlaub auf Balkonien machen kann? So ist es wahrscheinlich auch nicht weiter überraschend, dass, laut der Angabe von Aboalarm, die Zahl der Kündigungen aktuell um 20 Prozent über dem Vorjahreswert liegt.

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