27.04.2020 - 16:09

Frühwarnsystem Bundesregierung will einlenken: Deshalb ist die Stopp-Corona-App umstritten

Eine neue App soll laut Bundesregierung die Corona-Pandemie unter Kontrolle bringen. Die Datenerfassung wird stark kritisiert. Jetzt will die Bundesregierung darauf reagieren.

Foto: imago images/Future Image

Eine neue App soll laut Bundesregierung die Corona-Pandemie unter Kontrolle bringen. Die Datenerfassung wird stark kritisiert. Jetzt will die Bundesregierung darauf reagieren.

Die Pläne der Bundesregierung für eine Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten per Handy sind konkret. Die "Stopp-Corona-App", besser die Speicherung der Daten, hat Datenschützer auf den Plan gerufen Jetzt scheint die Bundesregierung einlenken zu wollen.

Die Stopp-Corona-App ist laut Bundesregierung ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Sie ist zwar freiwillig, aber nicht unumstritten. Jetzt melden sich Kanzleramtschef und Bundesgesundheitsminister zu Wort. Die neuen Datenschutz-Pläne!

Update 27. April 2020

Stopp-Corona-App umstritten: Das will die Bundesregierung jetzt tun


Bei der Entwicklung und dem Einsatz der Corona-App hatte Gesundheitsminister Jens Spahn auf eine zentrale Datenspeicherung gesetzt – das gab viel Gegenwind von Datenschützern. Die Bundesregierung scheint bei dieser Frage jetzt teilweise einlenken zu wollen.

Dezentralisierte Speicherung der Nutzerdaten jetzt bevorzugt

Die Bundesregierung setzt jetzt laut dpa-Informationen bei der Corona-Warn-App auf eine dezentralisierte Speicherung der Nutzerdaten. Das bestätigten Kanzleramtschef Helge Braun und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) am Sonntag in Berlin, so web.de.

Es geht um den möglichst flächendeckende Einsatz einer Warn-App, um die Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten zu erleichtern. "Wir verfolgen als Bundesregierung bei der Entwicklung einer Tracing-App einen Ansatz, der auf Freiwilligkeit beruht, datenschutzkonform ist und ein hohes Maß an IT-Sicherheit gewährleistet", sagten Braun und Spahn.

Bekannt ist, dass die Regierung angesichts der bereits erfolgenden Öffnungen nach den umfangreichen Kontaktbeschränkungen plant, Tracing-App sehr bald einzusetzen und die Ergebnisse entsprechend auszuwerten.

Spahn wollte eine zentrale Speicherung

Im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio ließ Braun am Samstagabend den Kurswechsel erkennen. Bisher war immer von einer zentralisierten Datenspeicherung die Rede, die von Gesundheitsminister Spahn bevorzugt worden sein soll.

Dass die App durch möglichst große Teile der Bevölkerung genutzt werde, sei dabei natürlich die Grundlage eines Erfolges, betonten die CDU-Politiker. "Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Bundesregierung auf eine dezentrale Softwarearchitektur, die die in Kürze zur Verfügung stehenden Programmierschnittstellen der wesentlichen Anbieter von mobilen Betriebssystemen nutzt und gleichzeitig die epidemiologische Qualitätssicherung bestmöglich integriert. Das bedeutet konkret, dass wir den Einsatz einer konsequent dezentralen Softwarearchitektur für die Anwendung in Deutschland vorantreiben werden. Darin soll auch die Möglichkeit integriert werden, dass Bürgerinnen und Bürger freiwillig in pseudonymisierter Form Daten zur epidemiologischen Forschung und Qualitätssicherung an das Robert-Koch-Institut übermitteln können."

Aktuell gebe es Gespräche mit Google und Apple über eine entsprechende App, die erfassen soll, welche Smartphones sich einander nähern. Das Ziel: Die App soll Nutzer warnen, wenn sich die unmittelbar nahe Person später als infiziert herausstellt. Und so funktioniert sie: Diese App würde auf das Smartphone aufgespielt und dann über Bluetooth mit anderen Smartphones kommunizieren.

Und wann kommt die Corona-Warn-App?

Gesundheitsminister Jens Spahn bestätigte, dass es bis zur Einführung einer Corona-Warn-App in Deutschland noch etwas dauern könne. Ursprünglich wollte man Mitte April bereits mit der Einführung dieser App starten. Nun wolle man den neu eingeschlagenen Weg mit einer dezentralen App „so schnell als möglich, aber auch so sicher als möglich gehen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Ein konkretes Datum verriet er nicht.

Quellen: it-business.de, dpa, web.de, Tagesthemen

So berichteten wir am 4. April 2020:

Smartphone: Deshalb wird die Stopp-Corona-App für alle wichtig!

Die Bundesregierung betonte am Montag noch einmal eindrücklich die Bedeutung der Stopp-Corona-App, deren Entwicklung und freiwillige Nutzung dazu beitragen soll, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Regierungssprecher Steffen Seibert nannte die Anwendung für Smartphones einen "ganz zentralen Baustein" im Kampf gegen das Coronavirus. Das Besondere daran: Die deutsche App soll mit Software-Anwendungen in anderen europäischen Staaten kompatibel sein, da das Virus bekanntlich nicht vor Grenzen Halt mache.

In den nächsten Tagen oder Wochen soll die Stopp-Corona-App zu Download bereit stehen.

Was macht die Stopp-Corona-App?

Das Ziel der App ist es die rasche und anonyme Information möglichst vieler Kontaktpersonen von Menschen, die einen positiven Coronavirus-Test haben. Mögliche Risikopersonen zeitnah und umfassend zu informieren, war bisher die Aufgabe der Mitarbeiter der Gesundheitsämter. Sie müssen in minutiöser Kleinarbeit bisher sämtliche Kontaktpersonen erreichen, an die sich der Infizierte erinnert. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums betonte, die Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten sei "digital einfacher, als wenn jemand im Gesundheitsamt anfängt zu telefonieren". Außerdem sei es kaum für eine Infizierten möglich, diejenigen zu informieren, die neben ihm in den Öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Restaurant gesessen hätten.

Datenschutz-Kritik an der neuen Corona-App

Der Regierungssprecher sagte zwar, dass die strengen Datenschutz-Richtlinien bei der App-Entwicklung beachtet würden, dennoch gibt es kritische Stimmen, die von einem komplett vertrackten, also nachverfolgbaren und "gläsernen" Menschen ausgehen, dessen Bewegung auf Schritt und Tritt verfolgt würde. Die App, die über Bluetooth funktioniert und keine Standortdaten an staatliche Stellen weitergeben soll, wird aufgrund der drängenden Problematik wohl dennoch eine breite politische Zustimmung finden.

Experten halten die App für besonders wichtig, wenn es irgendwann wieder zur Lockerung oder Aufhebung der Kontaktsperren kommt. Ein wichtiger Grund ist, die nur in begrenzter Menge vorhandenen Coronavirus-Tests gezielter einsetzen zu können.

App soll grenzüberschreitend in Europa funktionieren

Die Regierung sucht jetzt mit Hochdruck zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) nach einer vernünftigen Lösung, die in Deutschland breit angenommen würde. Wichtig sei natürlich auch, dass diese App grenzüberschreitend in ganz Europa funktioniert.

Quellen: chip.de, stuttgarter-zeitung.de

Übrigens gibt es seitens Berliner Charité einen browserbasierten Fragebogen, der dabei helfen soll, das eigene Infektionsrisiko einzuschätzen. Dazu gibt es Handlungsempfehlungen. Das Ganze nennt sich "CovApp".

Sie wollen mehr wissen? Dann sehen Sie sich mal auf unserer Themenseite Coronavirus um.

Gebündelte Infos für Ihre Gesundheit in Coronazeiten haben wir auch in unserem Video für Sie zusammengestellt.

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