Aktualisiert: 09.04.2020 - 08:08

"Alltag" in Corona-Zeiten Eine Fitnesstrainerin erzählt: "Einnahmenverluste von 100%"

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In Zeiten von Corona ist alles anders. Verdienstausfall und Onlinekurse: Wie eine Fitnesstrainerin die Situation wahrnimmt, erzählt sie selbst.

Foto: iStock [M]

In Zeiten von Corona ist alles anders. Verdienstausfall und Onlinekurse: Wie eine Fitnesstrainerin die Situation wahrnimmt, erzählt sie selbst.

Die Corona-Pandemie macht den Menschen zu schaffen: Den einen, weil sie deutlich mehr in ihrem Job leisten müssen, den anderen, weil es für sie kaum mehr etwas zu arbeiten gibt. BILD der FRAU lässt die zu Wort kommen, die die jetzige Krise noch mehr meistern müssen als alle anderen. Heute erzählt eine Fitnesstrainerin aus ihrem derzeitigen Leben.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 stellt unser ganz normales Leben völlig auf den Kopf. Einen Alltag, wie er sich bislang gestaltet hat, gibt es momentan nicht. Für niemanden. Das ist für uns alle nicht einfach – für manche allerdings ist es eine Herausforderung, die an die Grenzen geht. Denn zum einen müssen Menschen mit sogenannten systemrelevanten Berufen mitunter bis zur Erschöpfung arbeiten. Zum anderen fürchten Angestellte aus Tourismusbetrieben und kleinen Unternehmen, mit Kurzarbeit oder gar ohne Beschäftigung auskommen zu müssen.

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Die Corona-Pandemie fordert uns alle, keine Frage. Doch hier sollen die zu Wort kommen, denen die momentane Situation noch mehr zusetzt als ohnehin schon und die das Leben in Zeiten von Corona jetzt schon an ihre Grenzen bringt oder bringen wird. Bei BILD der FRAU erzählen sie aus ihrem Alltag. Heute redet eine Fitnesstrainerin Klartext.

Das Leben in Zeiten von Corona: Eine Fitnesstrainerin erzählt

Nicole Alagha ist 34 Jahre alt und lebt als freiberufliche Fitness- und Tanztrainerin in ihrer Wahlheimat Hamburg. Als zweites Standbein arbeitet sie als Mindset Coach mit dem Schwerpunkt Selbstfindung & Selbstverwirklichung. Wir haben mit ihr angesichts der Corona-Lage gesprochen.

BILD der FRAU: Was hat Corona für Ihren Beruf für Konsequenzen? Wie gehen Sie mit den neuen Herausforderungen um?

Nun, mit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland wurde relativ zügig beschlossen, sämtliche Sport- und Fitnesseinrichtungen bis auf Weiteres zu schließen. Dies bedeutet für mich als Kurstrainerin einen Einnahmenverlust von 100%. Das selbe gilt für mein Coaching Business. Auch vor dem Beschluss hat man schon einen starken Teilnehmerrückgang wahrnehmen können und erste Termine wurden abgesagt. Bis zum konkreten Verbot habe ich aber schon versucht, alle meine Kurse stattfinden zu lassen, einfach, weil Sport so immens wichtig ist für die Psyche, das Immunsystem und auch eine stabile emotionale Lage. Die Kunden, die weiterhin gekommen sind, waren sehr dankbar, wenige Stunden der aufkommenden Panik entfliehen zu können. Unter den jetzigen Bedingungen kann ich dies leider nur noch in abgeschwächter Form kompensieren und habe vielen meiner Kunden einfach ein offenes Ohr und Zeit zum telefonieren angeboten, denn vielen fällt jetzt einfach die Decke auf den Kopf und das Gefühl von Einsamkeit schlägt weitreichend um sich.

Wie gehen Sie mit dem Arbeitsausfall um? Oder haben Sie neue Möglichkeiten der Ausübung gefunden?

Ich hatte das Glück, dass ich wenige Tage vor dem großen Ausbruch in Deutschland bereits begonnen hatte, mein Coaching Business an die Bedingungen des Online Marktes anzupassen und mit meinem eigens kreierten Coaching Programm und virtuellen Kursen online zu gehen. So konnte ich nach Schließung der Fitnessstudios und Sportvereine auf diese Plattform zurückgreifen und auch meine Fitnesskurse innerhalb von 24 Stunden in einem virtuellen Kursraum anbieten. Nach Anmeldung haben meine Kunden 24/7 Zugriff auf eine Vielzahl an Trainingsformaten wie Cardio- und Krafttraining sowie einigen Tanzformaten.

Für mich persönlich hat sich im Alltag also recht wenig geändert. ich nehme Fitnesskurse auf und kümmere mich um mein virtuelles Coaching Business. Ich habe somit glücklicherweise nicht das Problem, meine Zeit totschlagen zu müssen und ins Grübeln zu kommen. Gerade jetzt wachsen bei mir viele tolle neue Geschäftsideen.

Wie groß ist die Angst vor vermeintlicher Ansteckung oder dem Arbeitsausfall?

Angst vor der Ansteckung habe ich nicht. Von Anfang an war ich da relativ entspannt. Ich habe schon viel schlimmere persönliche Krisen durchlebt und gedacht: "Da kommst du nicht mehr raus" oder "Jetzt geht's nicht mehr weiter". Und ich bin immer noch hier, gesund, fröhlich und erfolgreich. Ich glaube fest daran, dass ich das Schicksal nicht aufhalten kann. Und ich habe gelernt, dass Krisen dazu da sind, aus ihnen zu lernen und gestärkter hervorzugehen. Dies gilt für mich während Corona genauso - gesundheitlich als auch geschäftlich.

Die einzige Sorge die ich habe, gilt den Alten und schwachen Menschen, und jenen, die vielleicht gerade sowieso schon mental geschwächt sind nun nicht alleine zurecht kommen. Das kann wirklich gefährlich werden und da sind wir als Gesellschaft gefragt, Rücksicht zu nehmen und zu unterstützen, wo wir nur können. Da der Arbeitsausfall bei mir bereits eingetreten ist, mache ich mir darüber aktuell keine Sorgen, ändern kann ich es im Moment eh nicht. Also geht es nun darum, weitere Wege zu finden, Umsatz zu generieren und das Beste aus der aktuellen Situation zu machen.

Wie lange können Sie das in dieser Form stemmen? Erhalten Sie Ihrer Meinung nach genügend Hilfsangebote?

Das ist eine Frage, auf die es mir schwer fällt zu antworten. Es gibt Hilfen vom Staat. Ob die greifen wird sich zeigen, ob die für mich zutreffen und hilfreich sind ebenfalls. Wir Solo-Selbstständige leben ja oft von den betrieblichen Einnahmen. Hier wird bei den staatlichen Hilfen aber stark unterschieden zwischen betrieblichen und privaten Ausgaben. Ich mag kein Urteil dazu fällen, denn einfach ist die Entscheidung nicht. Fakt ist, ich werde Hilfe in Anspruch nehmen müssen, ob ich will oder nicht. Und darüber hinaus gilt es heutzutage mehr denn je neue Kunden zu finden und das Business zu stärken, um nicht an dieser Krise zu zerbrechen.

In welcher Form würden Sie sich mehr Hilfe / Angebote wünschen?

Ich finde, die Regierung hat da schon ein gutes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Zumindest für uns Solo-Selbstständige. Das Einzige, was ich sehr kritisch sehe ist, dass es in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt wird. In einigen Ländern ist die Nutzung der Soforthilfe des Bundes ausschließlich für betriebliche Kosten aufzubrauchen, in anderen auch für die privaten Ausgaben. Die Höhe variiert auch stark. In manchen Ländern bekommt man pauschal die 9.000€ in anderen musst du genau belegen, wieviel du benötigst und dann bekommst du vielleicht auch nur 2.000€. Das sollte schon einheitlich sein.

Und ich hoffe sehr, dass es auch an die Branchen angepasst wird. Je nachdem, in welcher Branche du arbeitest, hast du viel höhere Fixkosten. Vermutlich sind solche Überlegungen aber aufgrund der Kurzfristigkeit des Angebots unter den Tisch gefallen. Hier würde ich mir wünschen, dass die Regierung zeitnah nachbessert und flexibel bleibt, gerade auch in Bezug auf die Eidesstattlichen Erklärungen unsererseits noch einmal nachprüft, in wiefern diese denn Gültigkeit behalten, wenn an den Richtlinien, wie aktuell geschehen, nachgebessert wird, nachdem Anträge bereits gestellt wurden.

Wird sich diese Erfahrung auf Ihr weiteres Leben auswirken? Wenn ja, inwiefern?

Definitiv! Bereits jetzt habe ich viel daraus gelernt! Mir wurde noch einmal sehr deutlich gemacht, dass Krisen dazu da sind, um zu wachsen. Ich habe mir als persönliches Ziel gesetzt, nach Corona fitter und auch geschäftlich erfolgreicher zu sein als vorher. Viele von uns haben doch gerade jetzt die Zeit die Dinge anzupacken, für die vorher nicht genug Raum zur Verfügung stand. Projekte, die wir immer aufgeschoben haben, können nun endlich angegangen werden - und dabei ist es egal, ob dies auf geschäftlicher, körperlicher oder auch mentaler Ebene passiert.

Was würden Sie jetzt anders machen, wenn Sie könnten, um dieser Situation entgegenzuwirken?

Natürlich kann man viel darüber philosophieren, ob wir weniger Fleisch hätten essen sollen, ob wir mehr auf die Umwelt oder die Mitmenschen achten sollten. Ich finde es gut, dass diese Prozesse nun angestoßen wurden und sich sehr viele Menschen darüber Gedanken machen. Kürzlich erst habe ich gelesen, Deutschland hätte nun sein Klimaziel für 2020 erreicht - bereits im März! Das wäre vorher schier undenkbar gewesen!

Aber dennoch missfällt mir die Panikmache. Wir hatten in unserer Evolutionsgeschichte schon viele Krisen. Sie gehören einfach zu Entwicklungen dazu. Wir können jetzt vielleicht lernen, wie man Corona in Zukunft verhindern kann, aber dann gibt es irgendwann ein neues uns unbekanntes Virus oder ein ganz anderes neuartiges Problem, welches wir noch nicht kannten und es wird uns wieder überraschen. Man kann nicht allen unbekannten Eventualitäten vorbeugen.

Nach der Krise geht es auch wieder bergauf mit der Wirtschaft und jetzt beschäftigt sich hoffentlich zeitnah jeder mit Maßnahmen, die den Aufschwung bringen, statt die Rezession abzuwehren. Das gilt übrigens auch für das Privatleben! Was kann ich denn jetzt tun, damit es bei mir persönlich wieder bergauf geht, statt mich auf die Angst, die Verluste und die Trauer zu fokussieren.

Weitere Informationen über Nicole Alagha bekommen Sie auf ihrer Seite www.n-act.de oder auf facebook: n-act Nicole Alagha Coaching & Training.

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