Aktualisiert: 03.04.2020 - 18:48

Sie schlafen auf Luftmatratzen Wegen Corona: Pflegepersonal bleibt rund um die Uhr bei Schützlingen

Pflegerinnen und Pfleger sind jetzt vorübergehend bei ihren Schützlingen ins Heim eingezogen, um sie vor einem ständigen Personalwechsel und damit vor Corona zu schützen (Symbolfoto).

Foto: imago images / photothek

Pflegerinnen und Pfleger sind jetzt vorübergehend bei ihren Schützlingen ins Heim eingezogen, um sie vor einem ständigen Personalwechsel und damit vor Corona zu schützen (Symbolfoto).

Was für eine großartige Aktion: Um die Bewohner eines Pflegeheims nicht der Gefahr des Coronavirus auszusetzen, bleibt das Personal einfach eine komplette Woche vor Ort. Tag und Nacht. Und freiwillig.

Es tut so gut, gerade in diesen schweren Zeiten Geschichten zu lesen, in denen Menschen Solidarität, Empathie und Mitgefühl zeigen – auch wenn sie dafür selbst zurückstecken müssen. Gleich eine ganze Truppe an Pflegepersonal hat sich jetzt dazu entschieden, wegen des gefährlichen Coronavirus vorübergehend bei den Bewohnern des Heims zu bleiben, in dem sie arbeiten. Und zwar rund um die Uhr – und ohne Druck. Freiwillig ziehen sie für eine ganze Woche ein und nehmen dafür gravierende Einbußen in Kauf.

Pflegepersonal bleibt Tag und Nacht bei Bewohnern, um sie vor Corona zu schützen

Im Franziskus-Haus in Wuppertal, das zum Trägerverein Troxler Haus gehört, arbeiten rund 30 Mitarbeiter. Sie pflegen und versorgen dort 20 Bewohner mit Behinderung. Weil diese Bewohner zur Risikogruppe gehören, für die eine Infektion mit dem Coronavirus tödlich enden kann, hat sich das komplette Pflegepersonal darauf geeinigt, vorübergehend im Pflegeheim einzuziehen, um das Ansteckungs-Risiko möglichst gering zu halten.

Dafür haben sich die 30 Pflegerinnen und Pfleger in zwei Schicht-Teams aufgeteilt, die für jeweils eine Woche in dem Pflegeheim übernachten. Eine der Pflegerinnen erklärt "Bild" gegenüber: "Wir wollten vermeiden, dass wir durch Schichtwechsel das Virus einschleppen. Deshalb bildeten wir zwei Teams mit acht bis zehn Kollegen, die jetzt jeweils für eine Woche bei den Patienten wohnen." Zusätzliche Betten gibt es nicht, deshalb übernachten sie auf Luftmatratzen in momentan ungenutzten Räumen der Tagesbetreuung. Christine Böll aus dem Vereinsvorstand erzählt der "Westdeutschen Zeitung" im Interview: "Sie verlassen das Haus nicht einmal zum Einkaufen. Das übernehmen einzelne Kollegen, die bei dem neuen System aus familiären Gründen nicht mitmachen konnten."

Die Aktion läuft bereits seit drei Wochen, die Stimmung, heißt es, sei noch gut, obwohl niemand mehr zu Besuch kommen darf, wie es deutschlandweit geregelt ist. Sogar den Putzdienst haben die Pflegehelden deshalb jetzt selbst übernommen. Alles ohne Zwang, wie Christine Böll betont: "Das war eine freiwillige Aktion. Wir haben keinen Druck ausgeübt."

Selbst gebauter Lastenzug für Einkäufe und Gebäck

Schon vor einigen Tagen hatte die Pflegetruppe über Facebook mitgeteilt: "So, nun befinden wir uns in der 2. Woche. Wir halten weiterhin die Stellung und schützen unsere Schützlinge. Wir werden sehr gut versorgt. Die Mitarbeiter vom ambulanten Pflegedienst sowie Familie und andere Kollegen versorgen uns tüchtig mit vielen leckeren und aufmunternden Dingen. Wir arbeiten Häuserübergreifend trotz Absonderung, indem wir ständig in Kontakt stehen und uns austauschen. Diese Woche wollen wir anfangen, eine Wohngruppe zu streichen, gibt genug zu tun... Bleibt weiterhin zu Hause, vernünftig und gesund. Wir halten die Stellung."

Wie "Bild" berichtet, hat das Team sogar einen Lastenaufzug selbst gebaut, mit dem Einkäufe, aber auch mal Kuchen und Gebäck von Angehörigen über einen Balkon nach oben ins Haus geholt werden können. Und für den Kontakt mit den Familien werden Videoanrufe getätigt.

Der selbstlose Einsatz kommt, wie könnte es auch anders sein, richtig gut an. So lautet ein Kommentar zum Eintrag: "Euer Einsatz ist unbezahlbar! Ihr seid bewundernswert." Ein anderer: "Starke Leistung... Eine Herzensangelegenheit." Und in einem heißt es: "Liebes Team, vielen Dank für eine weitere Woche, 24h und 7 Tage für unsere Lieben da zu sein, weiterhin viel Glück."

Das wünschen wir auch, von ganzem Herzen! Ein ganz, ganz großes Dankeschön an diese Pflegehelden!

Fit & gesund durch die Coronakrise
Fit & gesund durch die Coronakrise

Corona-Helden gibt es weltweit – und verdienen jede Menge Anerkennung und Respakt! So haben britische Promis für Ärzte und Pfleger geklatscht, die im Kampf gegen das Coronavirus beinahe Unmenschliches leisten. Und Herbert Grönemeyer hat sich mit Gänsehaut-Song bei Corona-Helfern bedankt. Starkoch Tim Mälzer unterstützt mit Kollegen verschiedene Kliniken und andere Unternehmen mit kostenlosem Essen. Er will vor allem Menschen helfen, die sich wegen Corona nicht mehr selbst versorgen können. Auch weitere Promis haben sich etwas Kreatives einfallen lassen: Vor einigen Tagen starteten einige deutsche Künstler ein Wohnzimmerkonzert und übertrugen es live im Internet.

Weitere Informationen zum Coronavirus erhalten Sie auf unserer Themenseite.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe