03.04.2020 - 20:41

Umweltschutz wichtig Nicht nur Corona: Wie die Umweltzerstörung Epidemien beeinflusst

Die Zerstörung der Umwelt führt dazu, dass natürliche Lebensräume für wilde Tiere immer knapper werden und Menschen und Tiere immer näher zusammenrücken. Pandemien können eine Folge davon sein.

Foto: imago images / McPHOTO/Volz

Die Zerstörung der Umwelt führt dazu, dass natürliche Lebensräume für wilde Tiere immer knapper werden und Menschen und Tiere immer näher zusammenrücken. Pandemien können eine Folge davon sein.

Das Coronavirus wütet weltweit und die Pandemie hält die Menschheit weiterhin in Atem. Dass die vom Menschen verursachte Umweltzerstörung einen entscheidender Faktor bei der Verbreitung neuer Infektionskrankheiten darstellt, können Sie hier nachlesen.

Die Welt ächtzt unter der Corona-Krise. Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote sollen helfen, die Coronavirus-Pandemie einzudämmen und die Zahl der Neuinfizierten zu senken. Gesundheitssysteme in Italien oder auch in New York stehen vor dem Zusammenbruch. Doch wie konnte es soweit kommen? Welche Stellung nimmt die vom Menschen verursachte Umweltzerstörung in der Förderung von Pandemien ein? Die Zerstörung der Umwelt führt dazu, dass natürliche Lebensräume für wilde Tiere immer knapper werden und Menschen und Tiere immer näher zusammenrücken. Wie die Umweltzerstörung Pandemien beeinflussen kann, lesen Sie hier.

Umweltzerstörung begünstigt Epidemien

Noch ist die Übertragungskette des Coronavirus auf den Menschen nicht lückenlos aufgeklärt. Doch vieles spricht bisher dafür, dass das Virus von einem Wildtier stammt. Eine solche Übertragung eines Erregers von Tier auf Mensch oder umgekehrt nennt man Zoonose. Und der Mensch begünstigt derartige Epidemien durch seine eigenen Handlungsweisen. Regenwälder werden abgeholzt, die Agrarwirtschaft intensiv betrieben und die globale Erwärmung hat Einfluß auf ganze Ökosysteme. Die Folgen für Wildtiere sind verheerend – ihr Lebensraum schrumpft. Doch die daraus resultierende Nähe von Mensch und Tier bleibt eben auch für die Menschheit nicht ohne Folgen.

Die Quelle des neuartigen Coronavirus ist möglicherweise die Fledermaus. Die Säugetiere besitzen ein Immunsystem, das Virusinfekte sehr effektiv unterdrücken kann. Als Folge rüsten die Viren auf. Sollte es dann zu einer Übertragung auf den Menschen kommen, wie bei Sars-CoV, Ebola und Sars-CoV-2, ist die schwächere Abwehr schnell überfordert.

Bei der Sars-Pandemie 2003 soll die Fledermaus eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Übertragung des Virus geschah von der Fledermaus auf den Menschen über einen Zwischenwirt. Der Larvenroller, eine in Süd- und Südostasien verbreitete Art der Schleichkatze, die in Teilen Chinas auch gejagt und gegessen wird, soll diese Funktion übernommen haben. Die Wildtiere leben meist auf Bäumen, gehen aber auch auf dem Boden auf Futtersuche.

Der Mensch sorgt selbst für Krankheitsübertragungen aus dem Tierreich

Doch nicht nur das Coronavirus hat die Artenbarriere überschritten. Denn 70 Prozent der Infektionen, die in den letzten vierzig Jahren auf den Menschen übertragen wurden, stammen aus dem Tierreich. Die meisten Infektionskrankheiten wurden sicherlich durch den Kontakt mit Haus- und Nutztieren auf den Menschen übertragen, wie etwa durch Hunde, Katzen oder Ziegen. Relativ neu sind eben die Erkenntnisse von Übertragungen von neuen Erkrankungen durch Wildtiere. Leider sind die Ursachen für diese Entwicklungen bei den Menschen selbst zu suchen. Der Mensch breitet sich flächenmäßig weiter aus und gefährdet durch die fortlaufenden Umweltzerstörungen das labile Gleichgewicht der Ökosysteme. So können sich auch die Übertragungsketten der Viren verändern.

Ein Beispiel dazu aus Indonesien: Die Herstellung von Palmöl boomt, da der Rohstoff immer noch in vielen Produkten eingesetzt wird. Um großflächige Plantagen für die Gewinnung von Palmöl anzulegen, hat der indonesische Staat dreiviertel seiner Wälder gerodet. Viele wilde Tiere haben durch die Rodungen ihren Lebensraum verloren und wurden vertrieben. So siedelten etwa die Fledermäuse 1998 von der Insel Sumatra nach Malaysia über. In Malysia ließen sich die Säugetiere auf Obstbäumen nieder. Fledermäuse können jedoch Überträger gefährlicher Erreger sein, wie etwa dem Nipah-Virus. Dieses Virus übertrug sich von den Fledermäusen über Schweine auf den Menschen und sorgte von September 1998 bis zum Mai 1999 für den Malaysia-Nipah-Ausbruch. Die regionale Epidemie bescherte eine Todesrate von 70 Prozent.

"Der Mensch ist Teil dieser Vielfalt, ob er will oder nicht"

Andere Faktoren verändern die globale Ausbreitung von Infektionen, wie etwas die globale Erwärmung. Diese gefährdet wiederum die Artenvielfalt auf der Erde. Wohin diese Entwicklung in der Konsequenz führt, ist ungewiss. Professor Rodolphe Gozlan, Forschungsleiter am Institut für Entwicklungsforschung (IRD) stellt klar: "Der Mensch ist Teil dieser Vielfalt, ob er will oder nicht. Wir Wissenschaftler sind uns über eines im Klaren: Der Schutz der Umwelt und der Artenvielfalt ist keine romantische Ideologie. Sondern hier besteht ein ganz konkreter Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Infektionskrankheiten."

Das Fazit lautet also: Umweltschutz bedeutet zugleich Gesundheitsschutz, und zwar global. Denn auch wenn das Coronavirus erst weit entfernt in Wuhan begann – heute wütet es in New York, und in Deutschland vor der eigenen Haustür. Spätestens jetzt sollten wir wissen, das Viren vor keiner Grenze halt machen...

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