Aktualisiert: 12.04.2020 - 19:55

Eine Ära ist zuende Die Schauspieler erzählen: Unser Leben nach der "Lindenstraße"

Das Ende einer Ära: Moritz A. Sachs ist am Set der Lindenstraße und an der Seite von Marie-Luise Marjan erwachsen geworden.

Foto: imago images / United Archives

Das Ende einer Ära: Moritz A. Sachs ist am Set der Lindenstraße und an der Seite von Marie-Luise Marjan erwachsen geworden.

Die letzte Klappe ist gefallen, die Abschiedsparty gefeiert. Noch einmal traf sich das Team am 29. März das Team und schaute gemeinsam die Schlussfolge der "Lindenstraße" an. Und dann? Wir verraten, wie das Leben für die Darsteller von "Mutter Beimer","Klausi" und Co weitergeht.

Die "Lindenstraße" war eine absolute Kultserie der deutschen Fernsehlandschaft. 272 Ensemblemitglieder, 1930 Gastrollen, 36 Hochzeiten, 54 Todesfälle, 7032 Drehtage – all das war die "Lindenstraße". 36 Tage müsste man ununterbrochen gucken, um alle Folgen am Stück zu sehen. Mehr als 10 Millionen Zuschauer schalteten am Anfang ein, am Ende waren es nur noch etwas über 2 Millionen. Am 29. März flimmerte die letzte Folge über die Bildschirme der Republik.

Im Interview mit BILD der FRAU blicken Marie-Luise Marjan, Rebecca Siemoneit-Barum, Moritz A. Sachs, Georg Uecker und Christine Neubauer, die in der vorletzten Folge einen Gastauftritt hatte, zurück auf ihre Zeit bei der "Lindenstraße"

Marie-Luise Marjan im Interview mit BILD der FRAU über ihr Leben nach der "Lindenstraße"

BILD der FRAU: Liebe Frau Marjan, was haben Sie an der "Lindenstraße" geliebt?

Marie-Luise Marjan: Ich hatte immer eine diebische Freude daran, die Geschichten rund um Mutter Beimer mitzuentwickeln. Mir war es stets wichtig, dass Helga nicht stehen bleibt, sondern auch mit der Zeit geht.

Für Sie gibt's jetzt auch einen Neubeginn. Wie sieht der aus?

Ich werde weiterhin meine Lesungen machen, das macht mir Freude. Und wenn ein Filmangebot kommt, bei dem Rolle und Besetzung stimmen, würde ich nicht Nein sagen. Aber ich möchte auf keinen Fall eine Daily Soap machen. Die Lindenstraße hat für mich ein Alleinstellungsmerkmal. Es gibt keine vergleichbare Produktion in Deutschland.

Nach 60 Jahren im Beruf kann ich nicht einfach aufhören

Sie sind jetzt 79, da dürften Sie auch etwas kürzertreten...

Ach nein. Ich bin seit 60 Jahren im Beruf, mein ganzes Leben – da kann ich nicht einfach aufhören. Ich komme ja vom Theater, da kommt es auf Durchhaltevermögen an.

Als "Helga Beimer" haben Sie zuletzt in einer Wohngemeinschaft gelebt. Wäre das vielleicht auch was für Sie?

Privat? Nein! Dafür lebe ich schon zu lange allein. Allerdings braucht man im Alter auch Hilfe. Zum Glück habe ich wunderbare Freunde.

Was empfinden Sie eigentlich für Ihren Filmsohn "Klausi" alias Moritz A. Sachs?

Ich empfinde schon mütterliche Gefühle für Moritz. Er kam mit sieben Jahren in die "Lindenstraße", jetzt ist er ein erwachsener Mann. Da frage ich mich schon, wo die Zeit geblieben ist. Aber: Nun kommt ein neuer Lebensabschnitt, da müssen wir beide nach vorn schauen.

Für Rebecca Siemoneit-Barum war die "Lindenstraße" auch ein Stück Heimat

BILD der FRAU: Liebe Rebecca, nach 30 Jahren mittendrin: Was hat Ihnen die "Lindenstraße" bedeutet?

Rebecca Siemoneit-Barum: Sie war Heimat, Arbeitsplatz, Zufluchtsort.

Dann muss Ihnen nach der letzten Klappe mulmig gewesen sein.

Absolut. Ich war tief bewegt aber auch dankbar dafür, so lange dabei gewesen zu sein.

"Eine eigene Radiosendung oder eine Talkshow wäre ein Traum"

Welche Pläne haben Sie jetzt?

Ich arbeite weiter als Event-Moderatorin, als Sängerin und als Musical-Darstellerin. Wäre cool, wenn ich auch weiter als Schauspielerin arbeiten könnte –und eine eigene Radiosendung oder eine Talkshow wäre ein Traum. Ach, und ein Buch schreibe ich auch.

Wenn Sie zurückblicken: Was war am schönsten an und in der "Lindenstraße"?

Der Zusammenhalt im Team und die ständige Weiterentwicklung meiner Rolle. Ich habe in all den Jahren tiefe Freundschaften geschlossen.

Moritz A. Sachs über sein Erwachsenwerden an der Seite von "Klausi Beimer"

BILD der FRAU: Moritz, wie fühlen Sie sich jetzt nach dem Ende der "Lindenstraße"?

Moritz A. Sachs: Ich bin schon traurig. Ich habe mich am Set immer sehr wohl gefühlt. Ich habe dort Freunde gefunden, konnte mich auch zurückziehen, wenn mal was war. Beim Drehen blieb mein Alltag draußen.

Was kommt jetzt?

Mein Buch. Ich hab meine Autobiografie geschrieben: "Ich war Klaus Beimer" (erscheint am 27. März bei echt EMF; d. Red.). Da kann ich das Ende auch gut verarbeiten. Und in Kürze arbeite ich wieder hinter der Kamera als Regie-Assistent bei "Unter uns".

"Wir sind so etwas wie eine Familie"

Welchen Dreh werden Sie niemals vergessen?

Da gibt's einige, zum Beispiel Klausis Nazi-Schwur. Gruselig. Klaus war auch dreimal verheiratet. Mein Leben ist privat nicht so turbulent wie das von "Klaus"(lacht). Aber ich werde es vermissen, ihn zu spielen. Diese Figur werde ich nicht mehr los.

Und wie ist das Verhältnis zu Ihrer Film-Mutter?

Wir sind über die Jahre Freunde geworden. Als Kind war sie für mich wie eine Tante. Ich werde den Kontakt auf jeden Fall halten, wir sind ja so was wie Familie.

Georg Uecker über das Ende einer Ära



BILD der FRAU: Herr Uecker, wie geht es Ihnen nach dem Aus?

Georg Uecker: Es gibt ein Leben nach der Serie. Trotzdem geht eine Ära zu Ende.

Was kommt jetzt?

Wahrscheinlich gehe ich wieder zurück zum Theater. Und ich entwickle neue Projekte Ich bin ja Unterhaltungs-Facharbeiter.

Die Serie war ein paralleler Lebensentwurf

Was hat die Serie in Ihren Augen ausgezeichnet?

Ich hatte hier die Möglichkeit, mit den Autoren meine Figur zu entwickeln. Das war ein paralleler Lebensentwurf. Ich mochte meine Rolle gern.

Christine Neubauer über ihren Gastauftritt in der vorletzten Folge "Lindenstraße"

BILD der FRAU: Frau Neubauer, so kurz vorm Finale durften Sie noch mal dabei sein: Wie war's?

Christine Neubauer: Großartig. Tolles Team, gute Stimmung. Auch, wenn über allem ein bisschen der Schleier der Wehmut wehte.

Die "Lindenstraße" war für mich auch Schicksal

Sie selbst wurden vor vielen Jahren für die Figur der "Gabi Zenker" gecastet – die Rolle bekam aber Andrea Spatzek...

Stimmt, ich war 1985 bei der Geissendörfer Filmproduktion zum Casting. Es war eine Schicksals-Entscheidung, welche meinen Weg in eine andere Richtung geführt hat. Umso schöner, dass ich zum Abschied dabei sein durfte. Das Aus macht mich auch traurig: Wieder gehen ein Stück Fernseh-Kult und -Geschichte zu Ende.

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Nicht nur die Schauspieler ziehen nach über 30 Jahren "Lindenstraße" ihr Resümee – auch die Fans nehemen Abschied von der Kultserie. Und auch obwohl bei der "Lindenstraße" die letzte Klappe gefallen ist, muss das Leben und das Vorabendprogramm weitergehen. Das Vorabendprogramm ist sogar schon neu besetzt. Mehr zu TV-Sendungen wie der "Lindenstraße" erfahren Sie auf unserer Themenseite.

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