Aktualisiert: 02.04.2020 - 18:21

Sie ist 85, er 89 Jahre alt Corona-Sperre: Rentnerpaar trifft sich täglich am Grenzzaun

Karsten Tüchsen Hansen (r) und Inga Rasmussen beim Kaffeekränzchen am deutsch-dänischen Grenzübergang. Wegen des Coronavirus ist es dem Paar derzeit nicht erlaubt, sich zu besuchen.

Foto: picture alliance/Frank Molter/dpa

Karsten Tüchsen Hansen (r) und Inga Rasmussen beim Kaffeekränzchen am deutsch-dänischen Grenzübergang. Wegen des Coronavirus ist es dem Paar derzeit nicht erlaubt, sich zu besuchen.

Was tun, wenn die Landesgrenze, die wegen der Corona-Krise momentan unüberwindbar ist, ein Paar trennt? Es trifft sich eben am Grenzübergang zum Kaffeetrinken, wie es ein 89-Jähriger und seine 85 Jahre alte Freundin handhaben.

Die Liebe ist grenzenlos, heißt es so schön. Zumindest physischen Grenzen widersetzt sich ein Rentnerpaar, das die Corona-Sperre zum Grenzzaun-Rendezvous zwingt. Denn genau das machen die beiden hochbetagten Turteltäubchen: sie treffen sich tagtäglich an der deutsch-dänischen Grenze, die sie seit der Corona-Pandemie wieder räumlich trennt.

Corona-Sperre: Rentnerpaar macht Grenzzaun zum täglichen Treffpunkt

Der Grenzübergang Aventoft / Møllehus ist zum derzeitigen Wohnzimmer von Inga Rasmussen und Karsten Tüchsen Hansen geworden: Jeden Nachmittag treffen sich die beiden dort, trinken Kaffee und halten ein Schwätzchen. Denn die 85-Jährige wohnt im dänischen Gallehus, ihr 89 Jahre alter Partner in Süderlügum auf deutscher Seite.

Die Corona-Krise lässt das Schengener Abkommen mit seinen offenen Grenzen vorübergehend zur Makulatur werden. Wie in vielen anderen Ländern ist es seit Mitte März auch nicht mehr erlaubt, nach Dänemark ohne triftigen Grund einzureisen.

Was bleibt den beiden also anderes übrig, wenn sie nicht nur telefonieren und sich zumindest sehen wollen, wo Berührungen momentan schon nicht drin sind? Also radelt Karsten Tüchsen Hansen mit seinem E-Bike von seinem Dorf zum Treffpunkt an der Grenze, während Inga Rasmussen mit ihrem Auto angefahren kommt.

Kaffee und Kekse auf der Betonsperre

Dann setzen sich die beiden auf ihren mitgebrachten Stühlen mitten auf die Straße: Inga Rasmussen auf der dänischen, Karsten Tüchsen Hansen auf der deutschen Seite. Autoverkehr müssen die beiden ja gerade nicht fürchten. Meist genießen sie Kaffee und Gebäck zum Plausch, gelegentlich steht auch eine Flasche Hochprozentiges auf dem wuchtigen Betonpoller, der zum Wohnzimmertisch umfunktioniert wurde. Davon gibt's aber nur für den 89-Jährigen ein Schlückchen, seine Freundin muss immerhin noch mit dem Auto nach Hause fahren.

Kennengelernt haben die beiden sich vor rund zwei Jahren rein zufällig, da waren sie beide längst verwitwet, wie die Lokalzeitung "Der Nordschleswiger" berichtet. Doch dann ging alles ganz schnell, und seitdem sehen sie sich nahezu täglich. Jetzt eben an der Grenze. Schon zwei Schiffsreisen haben Inga Rasmussen und Karsten Tüchsen Hansen miteinander gemacht, ein dritter Urlaub ist für die Zeit nach Corona schon in Planung. Bis dahin bleibt den beiden ihr nachmittäglicher Treffpunkt – natürlich mit der gebotenen Mindestabstandsregelung, denn vernünftig sind sie in ihrem hochbetagten Alter sowieso.

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Bei all dem Leid und den Einschränkungen, verursacht durch das Coronavirus, zeigt die Krise auch, wie erfinderisch und solidarisch viele in der Not werden.

So ist etwa ein Mann in Corona-Isolation einen ganzen Marathon auf seinem Balkon gerannt!. Viele Menschenhelfen sich in Corona-Zeiten. Was Sie alles jetzt tun können, lesen Sie hier. Und bei einem bayrischen Vermieter müssen die Mieter jetzt nur die Hälfte zahlen. Außerdem haben erste Supermärkte zeitweise nur für Senioren geöffnet, andere Supermärkte lassen Alltagshelden bevorzugt einkaufen.

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