02.04.2020 - 20:02

Verdorbenes Essen wegschmeißen Jetzt zeigt sich die hässliche Seite der Hamsterkäufe

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Es ist ein Trauerspiel: Derzeit landen tonnenweise verdorbene Lebensmittel im Müll. Die ersten kritischen Stimmen werden laut. Zu Recht!

Foto: iStock/Daisy-Daisy

Es ist ein Trauerspiel: Derzeit landen tonnenweise verdorbene Lebensmittel im Müll. Die ersten kritischen Stimmen werden laut. Zu Recht!

Hamsterkäufer stellen sich einmal mehr ein Armutszeugnis aus: Der Schlacht im Supermarkt um den vollsten Einkaufswagen folgt nun die Entsorgung verdorbener Lebensmittel.

Kaum sind die Supermarktregale leer und die eigenen Schränke gefüllt, zeigt sich schon die hässliche Seite der Hamsterkäufe: Tonnenweise verdorbene Lebensmittel werden nun unverbraucht entsorgt. Auch ohne die Corona-Krise ist die Lebensmittelverschwendung dramatisch. Rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen im Jahr in Deutschland einfach im Müll. Sechs davon gehen auf das Konto der Privathaushalte.

Was außer Kontrolle geratene Hamsterkäufer offensichtlich schon wieder vergessen haben: Vor einem Jahr stellte die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine Strategie zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung vor, in die auch die privaten Haushalte integriert werden sollen. 55 Kilogramm Lebensmittel schmeißt jeder Deutsche jährlich weg. In Zeiten von Corona dürfte diese Zahl rasant steigen.

Die hässliche Seite der Hamsterkäufe: Initiative gegen Lebensmittelverschwendung

In Drogerie- und Supermärkten wird darauf hingewiesen, dass es keinen Versorgungsnotstand gibt. Auf Schildern steht, dass einige Lebensmittel nur in "handelsüblichen Mengen" abgegeben werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte in einer Pressekonferenz, dass alles dafür getan wird, die Bevölkerung zu versorgen. Die Verbraucherzentrale informiert auf ihrer Website:

  • Die Nachfrage nach lagerfähigen Lebensmitteln und Konserven steigt, ein langfristiges Versorgungsproblem ist derzeit jedoch nicht zu erwarten.
  • Kaufen Sie Lebensmittel, die Sie mögen.
  • Vermeiden Sie Lebensmittelverschwendung – ein Grundvorrat an Lebensmitteln reicht aus.
  • Bleiben Sie in Krisenzeiten solidarisch. Lassen Sie Ihren Mitmenschen auch noch etwas übrig.

Hamsterkäufer stellen sich selbst ein Armutszeugnis aus, zumal die Lebensmittel, die jetzt in der Tonne landen, einem Mitmenschen vorenthalten wurden, der sie zum einen gut gebrauchen hätte können und zum anderen auch wirklich gegessen hätte.

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Wer auch weiterhin Hamsterkäufe tätigt, darf in Zukunft nicht mehr auf das Verständnis seiner Mitmenschen hoffen. In den sozialen Netzwerken werden immer mehr kritische Stimmen laut, die Hamsterkäufe anprangern. Schimpfworte wie "hortende Schweine" fallen. Wer mehr kauft, als er verbraucht, wird als "widerlich" bezeichnet. Auf Twitter teilten Briten Bilder von überfüllten Mülltonnen mit verdorbenen Lebensmitteln und forderten die öffentliche Bekanntgabe der Namen der Verursacher.

Jeder ist angehalten, Verantwortung zu übernehmen und Lebensmittel nicht verderben zu lassen. Das gelingt natürlich nur, wenn man so viel kauft, wie man auch verbrauchen kann. Auf diese Weise ließen sich in Deutschland pro Jahr rund 30 Milliarden Euro einsparen.

Haltbarkeit von Lebensmitteln

Ein Punkt auf der Liste der Regierung, die Lebensmittelverschwendung reduzieren soll, ist die bessere Aufklärung der Bevölkerung über die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Die aktuelle Krise bestätigt, dass diese von vielen völlig falsch eingeschätzt wird.

Ein erster sinnvoller Schritt in die richtige Richtung kann die Erstellung eines Ernährungsplanes sein, in dem die täglichen Mahlzeiten und die dafür benötigten Nahrungsmittel festgehalten werden. Hier kann bereits die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln berücksichtigt werden.

Auf Grund ihrer Inhaltsstoffe und Beschaffenheit ermöglichen es leicht verderbliche Lebensmittel Krankheits- oder Verderbniserregern, sich in kurzer Zeit stark zu vermehren. Die massenhafte Vermehrung solcher Keime kann übrigens auch ohne sichtbare Veränderung des Lebensmittels erfolgen. Zu den leicht verderblichen Lebensmitteln, die kühl gelagert werden müssen, zählen Fisch, Fleisch, Molkeprodukte, Gemüse und Obst. Beim Kauf ist also nicht nur die Frage ausschlaggebend “Kann ich das brauchen?“, sondern auch “Kann ich das Nahrungsmittel richtig lagern?“.

Je nach Verpackung und Behandlung gibt es aber auch Lebensmittel, die laut der Verbraucherzentrale Hamburg auch nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch immer essbar sind. Damit Sie richtig darüber informiert sind, haben wir diese für Sie zusammengefasst:

  • Milch, Joghurt, Quark oder Schmand: Solange das Produkt ungeöffnet ist, können Sie Milch rund drei Tage nach Ablauf noch genießen, H-Milch sogar mehrere Wochen. Joghurt, Quark oder Schmand halten ungeöffnet sogar mehrere Tage bis Monate. Ein Blick in den Becher hilft, sobald Sie das Lebensmittel dann verbrauchen wollen: Keine Auffälligkeiten? Alles gut. Ist eine Stelle aber gelblich bis grün verfärbt? Dann weg damit!
  • Eier: Ungefähr zwei Wochen nach Ablauf können Eier verwendet werden. Allerdings sollten sie dann aber zum Kochen und Backen verwendet und nicht roh verarbeitet werden – etwa in Nachspeisen wie Tiramisu. Ein einfacher Test: Ei in Wasser legen. Schwimmt es oben? Dann essen Sie es nicht mehr. Beim Aufschlagen können Sie außerdem den Dottertest machen. Bleibt der Dotter intakt und riecht das Ei nicht merkwürdig, ist es noch verzehrbar.
  • Mehl, Reis und Nudeln: Den Verbraucherschützern zufolge können diese Lebensmittel noch mehrere Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verwendet werden, wenn sie trocken gelagert werden.
  • Honig: Wenn er fest verschlossen, kühl und trocken gelagert wird, verdirbt reiner Honig so gut wie nie. Tipp: Portionen immer mit einem sauberen Löffel entnehmen!
  • Zucker: Solange Zucker nicht mit Feuchtigkeit in Verbindung kommt, hält dieses Süßungsmittel bis in alle Ewigkeit.
  • Marmelade und Konfitüre: Lagern Sie Ihren Lieblingsbrotaufstrich am besten dunkel. Sollte dieser bereits geöffnet sein, hält er sich vor allem im Kühlschrank frisch. Ungeöffnet hält er nach Ablauf mehrere Tage bis Monate. Konfitüren mit mehr als 50 Prozent Zucker können Sie sogar noch verzehren, wenn sich schon eine Schimmel-Insel gebildet hat. Großzügig abschöpfen. Bei geringerem Zuckergehalt allerdings sollte der Aufstrich in die Tonne wandern.
  • Müsli und Getreideflocken: Bewahren Sie Ihr Müsli luftdicht in einem geschlossenen Behälter auf und Sie haben nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum noch mehrere Wochen bis Monate etwas davon.
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Jeder kann dafür sorgen, dass weniger Lebensmittel im Müll landen. Gerade in Krisenzeiten wie der jetzigen aufgrund des Coronavirus müssen wir uns solidarisch zeigen. Indem wir Lebensmittel achtsam kaufen und verbrauchen, drücken wir auch allen Menschen gegenüber unsere Wertschätzung aus, die in den Herstellungs- und Verkaufsprozess involviert sind.

Es darf sogar noch größer gedacht werden: Weniger Fleischkonsum ist für alle Menschen interessant, die den Planeten retten und einen Beitrag für die Umwelt leisten wollen.

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