31.03.2020

Supermarkt vor Ort oder online Verändert Corona unser Einkaufsverhalten für immer?

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Wird die Lebensumstellung durch die Coronavirus-Epidemie auch unser Einkaufsverhalten nachhaltig verändern? Experten meinen JA.

Foto: iStock / svetikd

Wird die Lebensumstellung durch die Coronavirus-Epidemie auch unser Einkaufsverhalten nachhaltig verändern? Experten meinen JA.

Inzwischen weichen immer mehr Verbraucher auf den Onlinehandel aus, auch bei frischen Lebensmitteln. Ist das ein Zukunftstrend?

Die Corona-Krise verändert nicht nur unser Verhalten untereinander, es wirbelt bekanntermaßen auch die Wirtschaft durcheinander. Und treibt den Onlinehandel mit frischen Nahrungsmitteln in unerwartete Höhen. Wir erklären, woran das liegt und warum die Coronakrise unser Einkaufsverhalten wahrscheinlich von Grund auf verändern wird.

Deshalb verändert Corona unsere Art einzukaufen

Ältere Menschen gehören zur Hauptrisikogruppe für einen schweren Verlauf der Coronavirus-Infektion. Besonders sie müssen sich vorsehen, sich beim Einkauf im Supermarkt nicht zu großen Gefahren auszusetzen. Menschenmengen und Nähe meiden, das ist in einem Supermarkt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gar nicht so einfach.

Aus diesen Gründen haben auch sie die Vorzüge des E-Commerce für sich entdeckt und bestellen ihre Lebensmittel zum Teil schon online. Experten gehen davon aus, dass das auch nach der Krise so bleiben wird.

Getränke und Essen per Smartphone?

Rewe, Deutschlands größter E-Commerce-Betreiber bei frischen Lebensmitteln, erkennt hier einen deutlichen Trend für den Einkauf der Zukunft. "Im Onlinehandel spüren wir eine deutlich gesteigerte Bestellintensität", sagte ein Sprecher auf Anfrage von welt.de. Auch etwas längere Wartezeiten könnten inzwischen nicht ausgeschlossen werden: "In einzelnen Liefergebieten wie Berlin sind Zeitfenster für die nächste Lieferung erst nach Ablauf einer Woche verfügbar, in anderen Regionen schon am nächsten oder übernächsten Tag."

Anstieg in der Nachfrage um fast 50 Prozent

Diese Entwicklung bestätigen auch reine Onlineanbieter, die sich über massive Steigerungsraten freuen. "Wir erleben aktuell einen Anstieg in der Nachfrage um fast 50 Prozent", so Frederic Knaudt, Mitgründer des Lieferdienstes Picnic gegenüber welt.de.

Bisher kauften die Deutschen eher konservativ im Supermarkt um die Ecke ein. Vor allem frische Lebensmittel. Das scheint sich jetzt zu ändern. Exerten gehen davon aus, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Eine Studie des Kölner IFH-Instituts mit dem Namen "Lebensmittel online – heute und 2030" fand heraus, dass 52 Prozent der Onlinelebensmittelkäufer im Vergleich zu den vergangenen ein bis zwei Jahren ihre Lebensmittel häufiger online einkaufen – oft eine bewusste Entscheidung, um den Gang in den Supermarkt zu vermeiden. Dabei wandern Nudeln, Konserven, Reis – Lebensmittel, die kein Risiko bezüglich Produktqualität beinhalten und sich lange halten – zuerst in den Onlinewarenkorb.

Unsicherheit bricht bisheriges Einkaufsverhalten auf

Die Handelsforscherin Dr. Eva Stüber fasst diese Ergebnisse folgendermaßen zusammen: "Die Unsicherheit bezüglich des neuartigen Coronavirus bricht das gewohnheitsmäßige Einkaufsverhalten in großem Maße auf und setzt den Onlinelebensmittelhandel für viele Konsumenten in attraktiveres, neues Licht."

Zwar bestehe laut Studie bei vielen Konsumenten eine gewisse Skepsis gegenüber den Lieferdiensten hinsichtlich der Qualität der Frischware wie Obst und Gemüse, dennoch überwiege der praktische Nutzen. Die Lebensmittellieferung nach Hause erscheint vielen Konsumenten nicht nur "als bequemere Option für den Wocheneinkauf, sondern aktuell auch als die gefühlt sicherere Wahl", so Stüber.

Eine Chance für die Handelsunternehmen bedeutet diese Entwicklung allemal, die durch die Coronakrise eigentlich nur beschleunigt wird. Die Beratungsfirma Oliver Wyman orakelte, der Onlineumsatz mit Lebensmitteln würde sich in Deutschland bis 2030 mindestens verfünffachen. Bereits mehr als die Hälfte der Konsumenten unter 40 Jahre hätte schon einmal bei einem Lebensmittellieferanten online bestellt, so eine Umfrage des Beratungsunternehmens. Menschen mit höherem Einkommen seien dazu noch eher bereit als solche mit niedrigerem.

In Coronazeiten folgen Lebensmittel nur dem Trend

Die Lebensmittel scheinen in Coronazeiten dem allgemeinen Trend zu folgen. Laut Handelsverband Deutschland führe die Unterhaltungselektronik mit 31 Prozent Online-Anteil (2018) die Liste der online bestellten Ware an. Aber auch Mode, Accessoires und Freizeitartikel orderten die Verbraucher zu mehr als 25 Prozent im Internet.

Und welche Lebensmittel werden per Smartphone und Tablet bestellt? Online wie im Supermarkt sei die Nachfrage hier zur Zeit identisch, so die Experten. Haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel wie Seife oder Desinfektionsspray seien die am meisten nachgefragten Güter, somit seien auch die Engpässe bei z.B. Amazon und dem Discounter nebenan fast identisch.

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Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer ausführlichen Themenseite zum Coronavirus.

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