27.03.2020 - 17:28

Spargel & Co. gefährdet Keine Saisonarbeiter wegen Corona: Wer hilft jetzt bei der Ernte?

Wer erntet dieses Jahr Spargel und weiteres Gemüse sowie Obst, wenn Saisonarbeiter wegen Corona nicht mehr einreisen dürfen?

Foto: imago images / Winfried Rothermel

Wer erntet dieses Jahr Spargel und weiteres Gemüse sowie Obst, wenn Saisonarbeiter wegen Corona nicht mehr einreisen dürfen?

Die Ernte läuft an: Gemüse und Obst müssen bald nach und nach von den Feldern geholt, vor allem aber Spargel muss jetzt gestochen werden. Doch wegen Corona bleiben die Saisonarbeiter weg, die Ernte ist in Gefahr. Wer hilft den Bauern jetzt?

Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen aufgrund des Coronavirus verhageln nicht nur vielen den Urlaub, sondern Bauern möglicherweise jetzt auch die anstehende Ernte. Denn den Bauern fehlen Zehntausende Saisonarbeiter aus überwiegend osteuropäischen Ländern, denen die Einreise nach Deutschland verwehrt bleibt. Was wird jetzt aus Obst und Gemüse, das bald geerntet werden muss – allem voran der Spargel?

Keine Saisonarbeiter wegen Corona: Was wird jetzt aus der (Spargel-)Ernte?

Allein im traditionsreichen Spargelanbaugebiet Beelitz bei Berlin, Brandenburgs größtem Spargelanbaugebiet, wachsen die Stangen auf einer Fläche von 1.700 Hektar, im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 22.200 Tonnen geerntet. Spargelbauer Ernst-August Winkelmann sagt im Interview mit "rbb", es sei ja jetzt schon genug zu tun, doch rund die Hälfte der Erntehelfer aus Osteuropa fehlen: "Wenn Mitte April der Spargel richtig gut wächst, dann wird es richtig schlimm. Wer soll ihn dann stechen?"

Bundesweit fehlen laut "Bild" nach dem Einreiseverbot knapp 300.000 Helfer. Doch nicht nur die Spargel-, auch die Kohl- und Kartoffelernte sind in Gefahr. In einigen Wochen beginnt die Erdbeerernte, die ebenfalls nicht ohne Helfer aus dem Ausland auskommt. Und Feldsalat muss jetzt gesetzt werden...Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner weiß das: "Eine Ernte wartet nicht, eine Ernte, die nicht reingeholt wird, kann man nicht nachholen. Und das, was nicht gepflanzt wird, das kann man dann auch nicht ernten. Das bereitet uns große Sorge." Heißt also: Wenn es ganz schlimm kommt, wird auf einem Teil der für den Gemüseanbau in Deutschland genutzten Flächen in diesem Sommer nichts zu ernten sein.

So will Deutschland den Bauern helfen

Während in vielen Ländern strikte Ausreiseverbote herrschen, dürfen polnische Staatsbürger zwar zum Arbeiten nach Deutschland kommen, müssen ab jetzt bei ihrer Rückkehr aber zwei Wochen in Quarantäne. Ihnen zumindest macht Brandenburgs Finanzministerin Katrin Lange ein Angebot: Dem "rbb" gegenüber sagte sie, die Landesregierung in Brandenburg zahle Pendlern aus Polen, die das in Kauf nähmen, pro Tag 65 Euro sowie jedem Familienmitglied, das sich zusätzlich in Brandenburg aufhalte, täglich 20 Euro aus der Landeskasse.

Wie der "Deutschlandfunk" berichtet, kann das neue Portal daslandhilft.de, das Erntehelfer vermittelt, enorm viele Interessierte für sich verbuchen: 16.000 Menschen hätten sich demnach am Mittwochabend registriert. Allerdings sei es schwierig, über diese Plattform auch erfahrene und qualifizierte Erntehelfer zu rekrutieren, wird der Raiffeisenverband zitiert. Dennoch: Es sei eine riesige Chance, etwa Lager-Hilfsarbeitern, aber auch Studenten, darüber die Möglichkeit zu bieten, jetzt in der Landwirtschaft einzuspringen, wie Enzo Weber, Wirtschaftsexperte am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, "Focus" gegenüber mitteilt.

Einige Politiker schlagen laut "Welt" jetzt vor, arbeitslose Asylbewerber als Erntehelfer einzusetzen. Für anerkannte Asylbewerber und Ausländer mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis wäre das rechtlich auch kein Problem, sie haben uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. CDU-Politiker Mathias Middelberg sagt etwa: "Die Jobcenter müssen jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen und sollten dabei auch auf die über 600.000 Geflüchteten zurückgreifen, die auf Arbeitssuche sind". Doch weil Erntehelfer so dringend und in so großer Zahl gebraucht werden, will Landwirtschaftsministerin Klöckner noch weitergehen und "Asylbewerbern, die ein Arbeitsverbot bei uns haben, die Möglichkeit geben, sich hier einzubringen." Dazu gehören etwa Geduldete.

Norbert Lins (CDU), Chef des Agrarausschusses im Europa-Parlament, hält EU-Hilfe für angebracht: Wie der "Tagesspiegel" berichtet, schlägt er einen europäischen "Passierschein" vor, der den Erntehelfern an den Grenzen und Flughäfen freie Einreise gewähren soll. "Nur" nationale Arbeitskräfte sind seiner Meinung nach nicht ausreichend.

Schnelle Hilfe und Maßnahmen sind also gefordert, sonst drohen deutschen Bauern empfindliche Verluste – und Spargelliebhabern weniger Ausbeute.

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Auch die vielen Freiwilligen, die sich jetzt bei deutschen Bauern melden, um bei der Ernte zu helfen, zeigen: Schön, wenn sich Menschen in schweren Zeiten beistehen. Schlagerstar Andrea Berg stellt wegen der Corona-Krise in ihrem Hotel 100 Reservebetten zur Verfügung. Ein Supermarkt hat unseren Alltagshelden jetzt bestimmte Öffnungszeiten reserviert, damit sie das Einkaufen neben ihrem aufreibenden Job noch hinkriegen.

Ein bayrischer Vermieter wiederum beweist eine großes Herz – und fordert von seinen Mietern wegen der Corona-Krise vorerst nur die Hälfte der vereinbarten Miete.

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