26.03.2020

"Alltag" in Corona-Zeiten Büroleiterin eines Haustechnik-Betriebs: "Schon morgen kann alles anders sein"

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Gerade kleine Unternehmen haben jetzt in der Corona-Krise zu kämpfen. Davon berichtet nun die Büroleiterin eines Haustechnik-Betriebs.

Foto: iStock [M]

Gerade kleine Unternehmen haben jetzt in der Corona-Krise zu kämpfen. Davon berichtet nun die Büroleiterin eines Haustechnik-Betriebs.

Die Corona-Pandemie macht den Menschen zu schaffen: Den einen, weil sie deutlich mehr in ihrem Job leisten müssen, den anderen, weil es für sie kaum mehr etwas zu arbeiten gibt. BILD der FRAU lässt die zu Wort kommen, die die jetzige Krise noch mehr meistern müssen als alle anderen. Heute erzählt die Büroleiterin eines kleinen Betriebs aus ihrem derzeitigen Leben.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 stellt unser ganz normales Leben völlig auf den Kopf. Einen Alltag, wie er sich bislang gestaltet hat, gibt es momentan nicht. Für niemanden. Das ist für uns alle nicht einfach – für manche allerdings ist es eine Herausforderung, die an die Grenzen geht. Denn zum einen müssen Menschen mit sogenannten systemrelevanten Berufen mitunter bis zur Erschöpfung arbeiten. Zum anderen fürchten Angestellte aus Tourismusbetrieben und kleinen Unternehmen, mit Kurzarbeit oder gar ohne Beschäftigung auskommen zu müssen.

Die Corona-Pandemie fordert uns alle, keine Frage. Doch hier sollen die zu Wort kommen, denen die momentane Situation noch mehr zusetzt als ohnehin schon und die das Leben in Zeiten von Corona jetzt schon an ihre Grenzen bringt oder bringen wird. Bei BILD der FRAU erzählen sie aus ihrem Alltag – heute die Büroleiterin eines kleinen Betriebs.

Das Leben in Zeiten von Corona: Die Büroleiterin eines Haustechnik-Betriebs erzählt

Renate Zott kennen Sie bestimmt schon: Unsere Kolumnistin schreibt jeden Sonntag exklusiv für BILD der FRAU über Themen aus den Bereichen Mode, Beauty und Lifestyle. Doch neben ihrer Tätigkeit als Model und Lifestyle-Bloggerin betreibt sie zusammen mit ihrem Mann und zwei Mitarbeitern einen Haustechnik-Betrieb. Während ihr Mann der Handwerksmeister (Heizung/Sanitär/Solar) ist, leitet Renate Zott sozusagen das Büro und ist mit allem rund um Rechnungswesen, EDV und Marketing beschäftigt. Wie sich die Corona-Krise auf das kleine Unternehmen auswirkt, erzählt sie hier.

BILD der FRAU: Welche Konsequenzen hat die aktuelle Situation rund um das Coronavirus für Ihren Beruf als Büroleiterin?

Renate Zott: Als Handwerksbetrieb im Bereich Haustechnik (Heizung/Sanitär/Solar) müssen wir natürlich dafür Sorge tragen, dass wir für Notfälle einsatzfähig bleiben. Wenn beispielsweise die Heizung ausfällt oder ein Wasserschaden eintritt, erfordert das selbstverständlich unseren Einsatz vor Ort, gerade jetzt, wo die Menschen zu Hause sind.

Wie gehen Sie ganz akut mit dem Arbeitsausfall um?

Im Rahmen unserer sozialen Verantwortung stellen wir alle Aufträge zurück, die Zeit haben und auch zu einem späteren Zeitpunkt ausgeführt werden können. Bei Kunden, die zu den sogenannten Risikogruppen gehören, arbeiten wir nur im absoluten Notfall.

Allerdings ist die Zeit, die wir momentan nicht beim Kunden einsetzen können, tatsächlich verloren. Die zeitliche Verschiebung nach hinten wird sich als Verlust in die Bücher schreiben. Davon müssen wir ausgehen.

"Der 'unsichtbare Feind' kommt immer näher"

Wie groß ist Ihre Angst, sich bei Kunden mit dem Virus anzustecken?

Die Sorge, das Virus selbst zu bekommen, wächst im Grunde mit den steigenden Fallzahlen. Es fühlt sich so an, also würde der "unsichtbare Feind" immer näherkommen und möglicherweise ist es nur eine Frage der Zeit, bis man selbst infiziert ist. Zumindest lässt sich dieser Gedanke ableiten, wenn man an die ausgesprochenen Prognosen denkt (60-70% der Bevölkerung). Natürlich macht das Angst. Insbesondere ja auch deshalb, weil wir unsere Noteinsätze nur fahren können, solange wir gesund sind. Wir schützen uns und unser kleines Team deshalb so gut es geht und hoffen jeden Tag, dass wir verschont bleiben.

Wie lange können Sie das in dieser Form stemmen?

Das ist von vielen Faktoren abhängig, weswegen es schwierig ist, einen Zeitraum zu beziffern. Solange wir selbst nicht erkranken und Lieferketten weiter funktionieren, könnten wir möglicherweise, ggf. auch unter Inanspruchnahme von Kurzarbeit, bis zum Sommer durchhalten. Noch ist auch nicht klar, wie der Staat die Wirtschaft unterstützt und welche Mittel möglicherweise zur Verfügung gestellt werden. Klar ist aber, dass unser Handwerk auch in der Krise von den Menschen gebraucht wird. Irgendwie müssen wir da also durch.

Erhalten Sie Ihrer Meinung nach genügend Anerkennung?

Unsere Kunden loben natürlich unseren ungebrochenen Einsatz. Wenn ein ganzes Haus mit Familien, die kleine Kinder haben, oder auch mit älteren Menschen "kalt sitzt", dann ist die Freude groß, wenn wir schnell helfen. Da fallen dann schon viele besonders anerkennende Worte.

"Die Erfahrung macht auch Mut auf generelle Entschleunigung"

In welcher Form würden Sie sich mehr Angebote wünschen?

Wir würden uns dringend wünschen, dass die Möglichkeit, sich testen zu lassen, erweitert wird. Noch hatten wir den Fall glücklicherweise nicht, aber es kann jederzeit passieren, dass wir bei Menschen arbeiten, die das Virus nachweislich haben, es verschweigen, es für eine normale Grippe halten oder es selbst nicht besser wussten. Deshalb in Quarantäne gehen zu müssen, wäre für unsere kleine Firma eine Katastrophe.

Wird sich diese Erfahrung auf Ihr weiteres Leben auswirken?

Ich war schon immer überzeugt, dass man Dinge nicht aufschieben soll. Also so nach dem Motto, 'das machen wir, wenn wir in Rente sind‘. Das Virus hat gezeigt, wie fragil unser Leben im Grunde doch ist und wie schnell es vorbei sein kann. Die Erfahrung macht auch Mut auf generelle Entschleunigung rund um die Arbeit, weil der Druck immer alles sofort und am besten gestern machen zu müssen, zu einem großen Anteil wohl selbst erschaffen ist. Denn wir sehen ja, dass es jetzt auch irgendwie geht. Viele Menschen arbeiten von zu Hause, treffen sich zu Besprechungen in Videokonferenzen, sparen dabei Geld, Zeit und Ressourcen. Vielleicht können wir auch daraus lernen und den Arbeitsmarkt in der Zukunft insgesamt menschlicher gestalten.

Umreißen Sie kurz Ihren momentanen (Arbeits-)Tag? Inwiefern hat er sich jetzt geändert?

Wir müssen im Moment noch schneller reagieren und Arbeitspläne und -einsätze öfter umschmeißen als sonst. Bei größeren Baustellen bestellen wir für die Zeit "nach Corona" vor, aus Sorge, dass Lieferanten dann nicht liefern können. Den totalen Ausverkauf – wie jetzt von Toilettenpapier – bekommt man nämlich nicht so schnell aus dem Kopf. Gleichzeitig haben wir auch Ausfallzeiten, müssen Mitarbeiter tageweise nach Hause schicken. Es ist so ein bisschen wie das Spiel von Versuch und Irrtum. Das heißt, wir versuchen für Notfälle gerüstet zu sein, gleichzeitig einen Plan zu haben, wie es nach der Krise weitergeht, ohne die Geduld zu verlieren. Aber wir haben aus der aktuellen Situation gelernt, dass schon morgen alles anders sein kann. Wir denken also von Tag zu Tag und machen das Beste daraus.

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Menschen wie Renate Zott (mehr zum Betrieb von ihr und ihrem Mann auf deren Website) müssen gerade um ihre Existenz bangen und können nur hoffen, die Krise zu überstehen. So auch eine Heilpraktikerin und Yoga-Trainerin, die erzählt: "Man wird kreativ." Andere arbeiten in Berufen, die gerade dabei helfen, uns zu unterstützen und unsere Versorgung zu gewährleisten: Auch eine Kassiererin hat uns von ihrem Corona-Alltag erzählt.

Auf unserer Themenseite Coronavirus informieren wir Sie über alles, was sich die Menschen derzeit angesichts der angespannten Lage fragen. Etwa, wie Sie sich am besten vor dem Coronavirus schützen können und welche Auswirkungen das Coronavirus Sars-CoV-2 auf Deutschland hat. Erfahren Sie auch, wie sich der Shutdown auf unser ganzes Leben auswirkt.

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