27.03.2020 - 19:59

Die Folgen für Menschen auf der Straße Obdachlos in Coronazeiten: Zuhausebleiben ist nicht möglich

Von

Obdachlos in Coronazeiten: Zu Hause bleiben nicht möglich
Fr, 27.03.2020, 15.32 Uhr

Obdachlos in Coronazeiten: Zuhausebleiben ist nicht möglich

Beschreibung anzeigen

Das Händewaschen wird zum Problem und auch ein Zuhause haben sie nicht. Obdachlose gehören zu den am stärksten gefährdeten Menschen in der Coronakrise.

Sie gehören schon von jeher zu den verwundbarsten Menschen unserer Gesellschaft und sind während der sich ausbreitenden Coronavirus-Epidemie besonders gefährdet. Obdachlose haben kaum eine Chance die einfachsten Regeln gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu bewerkstelligen.

Obdachlos in Coronazeiten: Zuhausebleiben ist nicht möglich

Für Obdachlose bedeutet das sich ausbreitende Coronavirus eine besondere Gefahr. Der Grund: Sie haben keine Möglichkeit sich regelmäßig und häufig die Hände zu waschen, sie haben kein Geld, um sich Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel zu kaufen, aber sie sind ständig draußen unterwegs, um zu überleben. Wer an Hotspots, aus Plätzen und in Bus und Bahn permanent mit anderen Menschen in Berührung kommt, benötigt eigentlich besonderen Schutz.

Außerdem entfällt durch den Shutdown für viele das gesamte Netz, das ihnen ein bisschen Geld einbringt und über den Tag bringt. Spenden, Pfandflaschen, Zeitungsverkauf. Das alles funktioniert nun nicht mehr. "Schweren Herzens" wurde der Zeitungsverkauf eingestellt, so Jörn Sturm, Geschäftsführer des Magazins "Hinz&Kunzt" gegenüber tagesschau.de. "Unsere Sorge ist, dass wir die Verkäufer anstecken oder dass sie sich an ihrem Verkaufsplatz anstecken."

Jens Rannenberg vom Evangelischen Fachverband EBET betont außerdem: "Wohnungslose Menschen können nicht zu Hause bleiben. Ihnen fehlen die schutzbietenden eigenen vier Wände". Und die für uns einfach umzusetzenden Schutzvorkehrungen wie das regelmäßige Händewaschen sind ein Problem für Obdachlose.

Obdachlose sind durch Immunschwächung Risikogruppe

Umso schlimmer ist die Situation, da viele Obdachlose durch das jahrelange Auf-der-Straße-Leben anfälliger für Krankheiten, da körperlich geschwächt sind. Sie sind daher auch eine "Risikogruppe" was das Coronavirus anbelangt.

Ein weiteres Problem: Auch viele medizinische Hilfseinrichtungen arbeiten nur noch eingeschränkt oder haben diese sogar eingestellt. Der Grund sind fehlende Schutzkleidung und Desinfektionsmittel, sowie das Alter der in der Regel ehrenamtlichen Helfer, berichtet Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, gegenüber tagesschau.de. "Dort arbeiten oft Ärzte und Pflegekräfte im Ruhestand, die jetzt selbst zur Corona-Risikogruppe gehören." Das macht die Lage von Obdachlosen also "noch bedrohlicher als sonst", so Rosenke.

Zudem mussten bereits Tafeln und Tageseinrichtungen schließen, war die Situation weiter verschlchtert. Dafür versuche man Essenspakete vor der Tür anzubieten.

Viele wissen gar nicht was Corona ist

Diese Maßnahme sei nötig, da sich sonst "zu viele Menschen an einem Ort aufhalten würden und wir den Schutz der obdachlosen Menschen sowie der Mitarbeitenden nicht gewährleisten könnten", sagt die Projektleiterin des Diakonie-Zentrums für Wohnungslose in Hamburg, Melanie Mücher, zu tagesschau.de.

Zwar schützten sich einige, so gut sie eben könnten, dennoch gebe es auch immer noch viele ausländische Obdachlose, "die überhaupt nicht wissen, was Corona ist". Diese müsse man mit Aufklärung "möglichst einfach und in vielen Sprachen" versorgen, um zum Beispiel Gruppenansammlungen auf Straßen zu vermeiden. Erfahren Sie hier, wie viele Menschen ein Erkrankter im Schnitt ansteclen kann.

Quarantänezentren für Obdachlose in der Stadt

Wohin soll ein Obdachloser, wenn er sich mit dem Coronavirus infiziert? Die Sozialgenossenschaft Karuna, einer der Träger von Obdachlosenarbeit in Berlin, spricht sich für Quarantänezentren für Obdachlose in der Stadt aus. Und drei Berliner Hotels hätten sich bereits einverstanden erklärt, ihre Häuser dafür zur Verfügung zu stellen, so der Karuna-Vorstand Jörg Richert.

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach sucht nach neuen Unterkunftsmöglichkeiten für Obdachlose: "Wir brauchen einen Rettungsschirm für Obdachlose", so die Linken-Politikerin. Man suche deshalb nach dauerhaften Wohnplätzen in Zimmern, hauptamtlichen Sozialarbeitenden, einem Catering, einer kontrollierten Drogenabgabe und medizinischer Versorgung.

Dezentrale Unterbringung sinnvoller als Lunchpakete

Die Bevölkerung zeigt sich bereits solidarisch und kreativ, so gibt es in vielen Städten Zäune, an denen Freiwillige Carepakete mit Inhaltsbeschriftungen hängen, die sich die Obdachlosen nehmen können.

Dennoch muss nach Ansicht von Melanie Mücher von der Diakonie Hamburg mehr passieren: "Schlafsäcke und Lunchpakete schützen natürlich nicht vor einer Coronainfektion". Wichtig sei dagegen die Unterbringung der Menschen, und eben nicht in Massenunterkünften, sondern dezentral. "Da ist unsere Kreativität und Flexibilität gefordert: Von Leerständen über Tagungshäuser bis hin zu Hotels gibt es viele Möglichkeiten."

Quelle: tagesschau.de

Die Corona-Epidemie betrifft die ganze Welt. Sehen Sie sich unsere Informationsvideos zum Thema Coronavirus gern hier an:

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen
Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Nachlesen können Sie alles auch auf unserer ausführlichen Themenseite Coronavirus.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen