28.03.2020 - 15:41

Frauenhäuser immer voller Wegen Corona-Krise: Mehr häusliche Gewalt gegen Frauen befürchtet

Die Zunahme von häuslicher Gewalt gegen Frauen in der Corona-Krise wird befürchtet.

Foto: imago images / Michael Eichhammer

Die Zunahme von häuslicher Gewalt gegen Frauen in der Corona-Krise wird befürchtet.

Gegen die Corona-Krise hilft momentan vornehmlich eins: Zu Hause bleiben und den Virus nicht weiterverbreiten. Doch die räumliche Enge in den eigenen vier Wänden könnte zu einem weiteren Problem führen: Noch mehr häusliche Gewalt gegen Frauen, aber auch gegen Kinder.

Abstand halten – social distancing bzw. eher physische Distanz schaffen, das ist momentan das Zauberwort und die Hoffnung, die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen, wenn sich die Bevölkerung endlich ausreichend daran hält. Doch diese so sinnvolle Schutzmaßnahme kann auch ihre Schattenseiten haben. Mit der Familie oder dem Ehemann für 14 Tage auf engstem Raum zu verbringen, kann eine Herausforderung sein. Spannungen können entstehen oder sich steigern. Die Zunahme von häuslicher Gewalt gegen Frauen in der Corona-Krise wird befürchtet.

Anstieg von häuslicher Gewalt gegen Frauen befürchtet

Das Frauenhaus Offenbach kommt die Folgen der Pandemie bereits zu spüren. Täglich riefen Frauen an, die nicht verstehen könnten, das man sie nicht mehr aufnehmen könne. Eine Sprecherin berichtet gegenüber der "hessenschau.de", dass Frauen mit gepackten Koffern schon vor der Geschäftsstelle gestanden hätten.

Schon vor der Corona-Krise war das Offenbacher Frauenhaus bereits voll ausgelastet, wie fast alle Frauenhäuser in Hessen. Momentan bliebe den Mitarbeiterinnen nichts anders übrig, als die Frauen zur Polizei zu schicken. Obwohl die Lage jetzt schon angespannt ist, geht die Sprecherin davon aus, dass sich die Lage noch weiter verschärfen werde und appelliert an die Städte und Gesundheitsämter eine Lösung der Situation herbeizuführen: "Man könnte für die betroffenen Frauen zum Beispiel Hotelzimmer zur Verfügung stellen."

Frauenhäuser und die Herausforderungen in der Corona-Krise

Auch die Frauenhäuser und Beratungsstellen sehen sich mit der Problematik der Ansteckungsgefahr durch den Coronavirus konfrontiert. So gibt es bereits Bemühungen, die Beratungen vor allem telefonisch oder online durchzuführen. In den Gemeinschaftsunterkünften steht man allerdings vor noch größeren Herausforderungen, um Infektionen zu verhindern. Christiane Tillmann vom Frauenhaus Wetzlar berichtet, wie begrenzt der Platz in den Gemeinschaftsunterkünften ist: "Jede Frau teilt sich ein Zimmer mit ihren Kindern, alle 24 Bewohner teilen sich zwei Toiletten und zwei Küchen."

Um sich und andere zu schützen, können Frauen und Kinder mit Erkältungssymptomen momentan gar nicht mehr aufgenommen werden. Obwohl eben gerade in Stresssituationen solche nicht selten sind. Auch Tillmann geht davon aus, dass es mehr Fälle von häuslicher Gewalt geben werde, zudem fordert sie: "Ich fände es in der aktuellen Situation besonders angebracht, wenn das Gewaltschutzgesetz verschärft werden würde, damit es leichter wird, Täter aus der Wohnung zu verweisen."

China während des Coronavirus

In China sollen die Fälle häuslicher Gewalt, laut Medienberichten, während der Corona-Krise drastisch zugenommen haben. Katja Grieger, Leiterin des Bundesverbands der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, hält dies auch für Deutschland möglich. Sie weist darauf hin, dass die Beratungsstellen auch weiterhin telefonisch erreichbar sein werden, manche auch online. Die Isolation und weitere Stressfaktoren, wie etwas finanzielle Sorgen könnten nach Grieger zu Gewalt-Eskalationen führen. Und führt aus: "In solchen Ausnahmesituationen kann es zum Beispiel passieren, dass bereits bestehende psychische Gewalt in körperliche Gewalt umschlägt."

Grieger ruft auch Nachbarn dazu auf, besonders wachsam zu sein und im Zweifelsfall lieber einmal zu viel die Polizei zu rufen. Wer zudem jetzt schon vermute, dass jemand aus seinem Umfeld betroffen sein könnte, sollte in diesen Zeiten besonders viel Kontakt herstellen: "Gewalt isoliert ja sowieso und gewaltbetroffene Menschen fühlen sich so alleine." Mit dem Kontakt kann man signalisieren, dass man da sei, wenn derjenige einen brauche.

Giffey warnt vor Zunahme von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) warnt zudem vor einer Zunahme der Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der jetzigen Corona-Krise: "Sorgen um die Gesundheit, Existenzängste, wenig Ablenkungsmöglichkeiten und viel Zeit auf engem Raum können für Familien zur enormen Belastung werden." Die telefonischen Beratungsangebote, wie etwa die "Nummer gegen Kummer" (116 111) für Kinder und Jugendliche und das Elterntelefon (0800 111 0550) sollen gestärkt werden.

Auch das Deutsche Kinderhilfswerk zeigt sich besorgt. "Es ist einfacher, sich auf 120 Quadratmetern und einem großen Garten aus dem Weg zu gehen, als in einer 60-Quadratmeter-Etagenwohnung", so Geschäftsführer Holger Hofmann. Fälle von psychischer und physischer Gewalt gegen Kinder könnten aber in den nächsten Wochen bei allen Gesellschaftsschichten zunehmen und eben "nicht nur dort, wo Familien bereits vorher schon auffällig waren". Den Kindern fehle nun ein Ansprechpartner außerhalb der Familie. "Ohne den Kontakt zu Erziehern, Lehrern und Sozialarbeitern werden wir vieles, was in den Familien passiert, nicht mitbekommen."

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Besonders wichtig, um sich selbst und andere in diesen Zeiten des Coronavirus zu schützen:

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