22.03.2020 - 19:38

Starkes Geschlecht Coronavirus: Darum halten Frauen die Gesellschaft am Laufen

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Die Kinderbetreuung wird zu fast 93 Prozent Frauen gestemmt. Ohne sie und ohne all die starken Frauen in anderen Berufen würde das System in Zeiten des Coronavirus’ zusammenbrechen.

Foto: iStock/miodrag ignjatovic

Die Kinderbetreuung wird zu fast 93 Prozent Frauen gestemmt. Ohne sie und ohne all die starken Frauen in anderen Berufen würde das System in Zeiten des Coronavirus’ zusammenbrechen.

Frauen sind in der Krise rund ums Coronavirus wichtiger denn je. Warum sie die Gesellschaft am Laufen halten und welche Probleme es noch gibt.

Das Leben in Deutschland ist seit der Ausbreitung des Coronavirus ein anderes: Geschäfte haben geschlossen, die meisten Menschen arbeiten aus dem Home Office, vieles steht still. Doch es gibt zahlreiche Berufsgruppen, die in Zeiten der Krise unerlässlich für die Stabilität Deutschlands sind.

Es geht um die Betreuung von kranken Menschen – aber auch von Kindern derer, die sich um die Schwachen kümmern. Das ist wichtig, solange das Coronavirus noch nicht eingedämmt ist. Und das Besondere daran: Es sind vor allem Frauen, die diese Berufe ausüben und damit eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft haben.

Coronavirus: Ohne Frauen würde die Gesellschaft zusammenbrechen

"Systemrelevant" werden die Berufe genannt, die derzeit unerlässlich sind: Pflegekräfte, Ärzte, dazu die Kinderbetreuung und auch die Arbeit im Supermarkt, damit die Versorgung der Menschen sichergestellt ist. Wie wichtig Frauen in Zeiten des Coronavirus sind, lässt sich an einer Erhebung der "Bundesagentur für Arbeit" aus dem Jahr 2019 ableiten. In all diesen Berufsgruppen gibt es einen deutlich höheren weiblichen Anteil.

Beispiel Kassiererinnen im Supermarkt: 72,9 Prozent, also fast drei Viertel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Einzelhandel mit Nahrungsmitteln sind Frauen. In Deutschlands Krankenhäusern liegt der Anteil weiblicher Belegschaft bei 76 Prozent. Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Kinderbetreuung in Vorschulen und Kindergärten: Fast 93 Prozent weibliche Mitarbeiterinnen stehen im Verhältnis zu nur gut sieben Prozent männlichen Mitarbeitern.

"Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie"

Was würde Deutschland aktuell ohne Frauen machen? Ohne ihre Arbeit in der Kinderbetreuung hätten viele Ärzte und Pfleger nicht die Zeit, die vielen Corona-Infizierten zu betreuen. Und Polizisten könnten nicht ihren wichtigen Dienst antreten.

Genau über die von Frauen ausgeübten Berufen sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer im TV ausgestrahlten Ansprache Mitte der Woche ausdrücklich. "Danke, dass Sie da sind für ihre Mitbürger und buchstäblich den Laden am Laufen halten", so Merkel.

Vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus und die Kassiererinnen würde eine besondere Rolle in der Gesellschaft einnehmen. "Sie stehen für uns in diesem Kampf in der vordersten Linie", sagte die Bundeskanzlerin.

Pflegeberufe schlecht und ungleich bezahlt

Ja, Frauen stehen an der "vordersten Linie". Doch in der Bezahlung drückt sich das nicht aus. Ausgebildete Pflegekräfte erhalten nach Mindestlohn-Regelung lediglich knapp 2700 Euro brutto monatlich. Dabei ist die Arbeit physisch wie psychisch anstrengend und stressig durch viele Überstunden – denn noch immer gilt der Beruf des Pflegers und der Pflegerin damit als wenig attraktiv. Und in Zeiten des Coronavirus’ besteht obendrein noch eine Gefährdung für die eigene Gesundheit.

Und dann ist da noch der leidige Gehalts-Unterschied zwischen den Geschlechtern. Laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche Bruttostundenlohn in der Pflege bei Männern bei 22,61 Euro, bei Frauen fast fünf Euro weniger bei lediglich 17,72 Euro.

Zusammenhalt in Deutschland durch Frauen

Ohne Frauen würde Deutschland gerade anders dastehen, wahrscheinlich in einer wesentlich dramatischeren Lage. Die Folgen der Corona-Epidemie verdeutlichen, wie wichtig sie für den Zusammenhalt und das Funktionieren des Systems sind.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich das eines Tages auch in der Wertschätzung der Berufe und der höheren und angepassten Bezahlung ausdrückt…

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