19.03.2020

Datenschutz ade? Corona-Krise: Darum dürfen Forscher jetzt unsere Handydaten auswerten

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Ungewöhnliche Methoden in ungewöhnlichen Zeiten: Im Zuge der Corona-Krise werten Forscher jetzt unsere Handydaten aus. Wir erklären, warum.

Foto: imago images/Sven Simon

Ungewöhnliche Methoden in ungewöhnlichen Zeiten: Im Zuge der Corona-Krise werten Forscher jetzt unsere Handydaten aus. Wir erklären, warum.

Datenschutz und Handyortung in der Corona-Krise. Wir erklären Ihnen, was Forscher mit unseren Handydaten machen und warum der Bundesdatenschutzbeauftragte das für richtig hält.

Es war eine Frage der Zeit, wann die außergewöhnlichen Maßnahmen von Politik und Wirtschaft zur Eindämmung der Corona-Epidemie auch den Datenschutz betreffen. Nachdem das öffentliche Leben durch den Shutdown in Deutschland und der Welt stark eingeschränkt wurde, arbeiten Forscher mit ungewöhnlicheren Methoden zur Bekämpfung der Ausbreitung. Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun von der Deutschen Telekom die Daten von Handynutzern für die Zeit der Coronavirus-Pandemie bekommen. Der Grund:Die Forscher erhoffen sich dadurch Informationen über unsere Mobilität in Zeiten von Corona.

Coronavirus: Darum dürfen Forscher jetzt unsere Handydaten auswerten

"Die Daten zeigen uns, ob insgesamt die Mobilität der Bevölkerung nachgelassen hat", erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. "Es sind aggregierte, anonymisierte Daten und keine individuellen Daten."

Die Daten sind somit zwar nicht einzelnen Handynutzern zuzuordnen, für das RKI können sie dennoch Aufschluss über unser Mobilitätsverhalten liefern. D.h. die Wissenschaftler können sehen, ob die Maßnahmen im Zuge des Shutdowns funktionieren. "Wenn wir sehen, dass die Menschen die Maßnahmen gar nicht umsetzen – und das sehen wir anhand dieser aggregierten Daten – dann sehen wir den Grund dafür, dass die Intervention, die wir wünschen, nicht erfolgreich ist", erläuterte Wieler.

Die Ortungsdaten werden Regionen zugeordnet: Wenn die Infektionszahlen in einigen Regionen ansteigen und die Handyortung belegt, dass sich die Menschen nicht an den Rat, zuhause zu bleiben, gehalten haben, kann das Robert-Koch-Institut den Grund für die Ansteckungen belegen.

Was genau passiert mit unseren Handydaten und woher kommen sie?

So könne man mit den Daten "Bewegungsströme modellieren – bundesweit, auf Bundesland-Ebene sowie bis auf die Kreis-Gemeinde-Ebene heruntergebrochen", so eine Telekom-Sprecherin gegenüber dem "Tagesspiegel", der zuerst berichtete.

Woher diese Daten kommen? Diese sind käuflich, das RKI bekommt sie im Zuge der Epidemie von der Telekom aber kostenfrei. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber verteidigt das Vorgehen und hält diese Form der Datenauswertung für vertretbar. "Vor allem unter den aktuellen Umständen spricht nichts gegen die Weitergabe dieser Daten zum Zweck des Gesundheitsschutzes", so Kelber am Mittwoch bei Twitter. Umsomehr, als die Daten keine Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglichten.

Ist der Datenschutz in Deutschland in Gefahr?

Während in anderen Staaten im Zuge der Corona-Krise der Datenschutz zum Teil vernachlässigt werde, sieht der Experte hierzulande noch keine Gefahren: "In Deutschland sehe ich dafür keinen Grund, denn alle Lösungen lassen sich auch grundrechtskonform gestalten.“

Quellen: bild.de, tagesspiegel.de

Was passiert, wenn sich die Befürchtungen bestätigen, und die Datenauswertung unserer Handys zur Beurteilung der Maßnahmen negativ ausfällt? Dann ist klar: Der Shutdown funktioniert im jetzigen Rahmen nicht. Bereits jetzt scheinen viele die Warnungen der Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht ernst zu nehmen. Droht uns dann eine Ausgangssperre nach französischem Vorbild? Bereits vor einigen Tagen hat Deutschland die Reisebewegungen stark eingeschränkt.

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