21.03.2020

Coronavirus Ausgangssperre: Das ist dann zu beachten

Kampf gegen Coronavirus: Ausgangssperren in Deutschland
Fr, 20.03.2020, 15.38 Uhr

Im Kampf gegen Corona: Drohende Ausgangssperre

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Noch ist sie nicht da, aber wenn sich weiterhin Menschen so fahrlässig verhalten, könnte auch hier die Ausgangssperre im Kampf gegen das Coronavirus verhängt werden. Was das dann bedeutet, was wir dann noch dürfen, was gestrichen ist, zeigt ein Blick auf andere Länder.

In China scheint sie geholfen zu haben, in Italien bisher kaum, in Frankreich steht sie noch ganz am Anfang: Viele Länder verhängen als strikte Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus eine Ausgangssperre. In Deutschland wird seit Tagen darüber gesprochen, bisher gab es jedoch nur Einschränkungen im öffentlichen Leben und Empfehlungen. An die sich leider nicht alle halten. Daher vermuten Experten, dass es auch bei uns nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir unsere Häuser und Wohnungen nur noch für klar festgesetzte Erledigungen verlassen dürfen. Daher stellt sich die Frage: Was passiert bei einer Ausgangssperre? Welche Pflichten und Rechte haben wir als Bürger?

Pflichten und Rechte bei Ausgangssperre: Man darf noch raus, aber...

Erst einmal zur allgemeinen Beruhigung: Auch bei einer Ausgangssperre darf man für bestimmte Erledigungen noch das Haus verlassen. Es wird also niemand zuhause verhungern. Dennoch wäre bei dieser Maßnahme das freie Leben enorm eingeschränkt. Ein Blick auf Italien und Frankreich zeigt, wie es dann auch bei uns aussehen könnte:

Mindestens zwei Wochen lang würde eine Ausgangssperre verhängt. Je nach Erfolg könnte diese aber auch verlängert werden.

Auf die Straße darf man nur, wer einen Bescheid hat:

  • für den Weg zur Arbeit
  • für den Weg zum Arzt
  • zum Einkaufen

In Italien und Frankreich scheinen aber zumindest in Teilen noch ein paar Aktivitäten mehr gebilligt zu werden, etwa kurze Spaziergänge mit dem Hund in der Nähe der Wohnung. In Frankreich dürfen Einzelpersonen noch zum Sport machen raus, etwa zum Joggen. Dabei müssen sie jedoch alleine sein.

Auch Eltern dürfen in Frankreich noch zu ihren Kindern. Journalisten dürfen noch auf die Straßen, damit die Pressefreiheit gewährt wird.

Bayern macht es nun auch bei uns vor: Wege zur Arbeit, zum Arzt, zum Einkaufen sind gestattet, auch spazieren gehen und joggen dürfen Bürger alleine oder im Kreise der engsten Familie. Doch öffentliche Plätze bleiben geschlossen. Anders als in Frankreich sind keine Bescheide erforderlich, die Polizei ist aber gegenwärtig und kontrolliert Gruppen. In Bayern sieht das Ganze so aus: Coronavirus: Ausgangssperre für Bayern, Bundesländer ziehen nach

Überall gilt: Abstand halten, keinerlei menschlicher Kontakt.

Verboten sind jegliche Gruppenaktivitäten, auch darf man sich nicht mehr mit Freunden oder der Großfamilie treffen, wenn sie nicht zum eigenen Haushalt gehört.

Frische Luft schnappen ohne triftigen Grund ist nur auf dem Balkon oder dem eigenen Garten möglich.

Wer in Frankreich mit Grund raus muss, kann online ein Formular ausdrucken oder es handschriftlich aufsetzen. Wer gegen die Auflagen verstößt, muss mit Bußgeldern bis 135 Euro rechnen. Wie hoch die Bußgelder hierzulande sein werden, wird sich zeigen, wenn alle Bundesländer mitziehen.

Hinweis: Dies sind bisher nur Regelungen, wie sie in Italien oder Frankreich gelten. Ausgangssperren gibt es bei uns noch nicht überall, auch können die Auflagen von Bundesland zu Bundesland abweichen.

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Blick auf die Vorreiter: So gehen die Menschen mit der Ausgangssperre um

Aus China sind schon seit Wochen Videos bekannt, auch aus Italien kommen immer mehr Meldungen: Komplett vereinsamen will niemand, daher treffen sich Menschen abends an ihren Fenstern, singen aus ebendiesen heraus, musizieren miteinander. Das alles gibt Hoffnung. So schlimm alles ist, gemeinsam können wir schaffen, die Situation zu überstehen. Aber: Noch können wir eine solch drastische Maßnahme vielleicht verhindern. In China gab es diese drastische Maßnahme, langsam dürfen die Menschen wieder vor die Tür, denn die Zahl der Infektionen ist rapide gesunken. Italien wartet noch auf diese Kehrtwende. Auch, weil man nicht rasch genug gehandelt hat.

Bitte der Redaktion: Sozial ist jetzt die Isolation

Rufen wir uns also bitte alle nochmal ins Gedächtnis: Jeder Moment, den wir bereits jetzt zuhause bleiben, den wir uns von anderen Menschen fern halten, dient nicht nur uns zum Schutz. Dazu gehören unnötige Menschenansammlungen mit Kindern auf Spielplätzen, aber auch der Streit ums Toilettenpapier im Supermarkt. Jeder Moment, den wir uns von anderen fernhalten, dient vor allem denjenigen zum Schutz, die alt, geschwächt oder krank sind, und die wir dann, möglicherweise selbst angesteckt, aber ohne Symptome, beim Vorbeigehen, beim Besuchen, beim Einkaufen anstecken. Ebenso dient diese Maßnahme denjenigen zum Schutz, die vielleicht auch noch arbeiten müssen, weil sie ihren Beruf nicht von zuhause aus erledigen können.

Und er dient dem Gesundheitssystem zum Schutz und damit den jetzt schon bis zur Erschöpfung arbeitenden Pflegern, Krankenhaus- und PraxismitarbeiterInnen und ÄrztInnen. Je mehr Menschen sich anstecken, desto mehr Menschen wird es mit kritischen Verläufen geben, die dann alle irgendwie behandelt werden müssen. Die Kapazitäten, sowohl technisch als auch personell, sind aber begrenzt.

Sprich: Je mehr wir jetzt fahrlässig handeln, nur weil wir uns (jetzt schon!) in unserer Freiheit eingeschränkt fühlen, desto mehr Menschen werden am Ende sterben und desto eher wird unsere Freiheit tatsächlich eingeschränkt! Je eher wir aber etwas dagegen tun und JETZT verzichten, desto schneller können wir uns am Ende wieder frei bewegen. Es liegt jetzt an uns allen! Lasst uns die Infektionskurve so niedrig wie möglich halten, damit das Gesundheitssystem und all dessen Mitarbeiter, die jetzt schon Übermenschliches leisten, nicht zu Grunde gehen und so wenig Menschen (auch an anderen Krankheiten, die aufgrund hoher Corona-Fälle irgendwann auch nicht mehr genügend behandelt werden können) sterben. Und damit unsere Forscherinnen und Forscher Zeit haben, einen Impfstoff und wirksame Medikamente zu entwickeln. Denn dieses Virus wird uns wahrscheinlich noch länger begleiten. Es ist aber an uns, dafür zu sorgen, dass wir damit leben können.

Hier finden Sie eine interaktive Karte über den aktuellen Stand der Infektionen mit Sars-CoV-2 sowohl in Deutschland, in Europa als auch weltweit.

Mehr Infos und Artikel zum Coronavirus lesen Sie außerdem auf unserer Themenseite.

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