19.03.2020

Sonntagsverkaufsgebot aufheben Öffnungszeiten während Corona-Krise: Sonntagsöffnung? Fehlanzeige

Von

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag
Fr, 13.03.2020, 16.56 Uhr

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag

Beschreibung anzeigen

Schließungen, Verbote, geänderte Öffnungszeiten: Zusammen mit den Ländern erlässt die Bundesregierung eine Leitlinie, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu minimieren. Worauf Sie nun achten müssen, was sich entgegen aller Behauptungen (erstmal) nicht ändert – und welche Läden zunächst nicht auf sonntäglichen Verkauf eingehen.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 hat Deutschland fest im Griff. In einer Pressekonferenz kündigte Kanzlerin Angela Merkel gesetzliche Maßnahmen an, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen sollen. Sie sind in einer Leitlinie zusammengefasst und teilweise schon in Kraft getreten. Die Veränderungen seien unumgänglich, weil "die wirksamste Maßnahme, um diese Infektion zu verringern, das Erhöhen der Distanz ist, des Abstandes ist – also das Verringern von sozialen Kontakten." Die Leitlinie umfasst dabei auch die Öffnungszeiten während der Corona-Krise. Was das jetzt bedeutet.

Die Kanzlerin betonte, dass die Bundesregierung bei allen Einschränkungen garantieren möchte, dass die medizinische Versorgung, die Energieversorgung und die Ernährung der Bevölkerung gewährleistet wird. Auch ein großer Teil von Dienstleitungen soll weiterhin in Anspruch genommen werden können.

Öffnungszeiten und Co: Inhalt der Leitlinie zur Minimierung der Ausbreitung des Corona-Virus‘

Es bleiben geöffnet:

  • Lebensmittel- und Wochenmärkte
  • Abhol- und Lieferdienste
  • Getränkemärkte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Drogerien
  • Tankstellen
  • Banken und Sparkassen
  • Poststellen
  • Friseure
  • Reinigungen
  • Waschsalons
  • Zeitungsverkauf
  • Bau- und Gartenbau
  • Tierbedarfsmärkte
  • Großhandel

Für diese Bereiche soll auch das Sonntagskaufverbot auszusetzen, um eine Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Eine Öffnung dieser Einrichtungen soll jedoch unter Auflagen zur Hygiene erfolgen. Zusätzlich soll der Zutritt gesteuert werden, um Warteschlangen zu vermeiden.

Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen. Auch alle Einrichtungen des Gesundheitswesens bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet.

Was bedeutet das jetzt für Supermärkte und Einkaufsmöglichkeiten?

Viele Menschen denken, dass solche Einschränkungen jetzt die Möglichkeit nehmen, noch normal einzukaufen. Kein Wunder, Fake News zum Coronavirus machen die Runde, in denen behauptet wird, die Läden würden ganz schließen oder nur zu bestimmten Uhrzeiten ihre Tore öffnen. Dies ist bisher nicht geplant – Letzteres übrigens auch zum Schutz der Bevölkerung, denn kürzere Öffnungszeiten würden noch größeren Andrang bedeuten. Auch Hamsterkäufe sind vor diesem Hintergrund unnötig und erhöhen höchstens das Risiko, sich doch anzustecken.

Fakt ist: Die Supermärkte sind weiterhin geöffnet, sowohl Lidl, Aldi, Rewe und Co machen momentan alles, um die Regale voll zu halten. Denn die Menschen kaufen momentan extrem viel, die Mitarbeiter kommen kaum hinterher und sind so auch Gefahren ausgesetzt. Daher der Appell: Ganz normal, ohne Panik, ohne Hamsterkäufe einkaufen. Nur so lässt sich Abstand halten!

Eine Reaktion auf die Fake News twitterte etwa der Handelsverband. Die Stellungnahme: "Es gibt genügend Produkte am Markt. Bei dem einen oder anderen Produkt werden sich dennoch Engpässe vorübergehend nicht vermeiden lassen", so Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Nachfrage sei einfach sehr hoch, die Logistik müsse hinterherkommen. Er warnt: "Wenn sich alle Haushalte für eine längere Zeit als üblich bevorraten, kann das die bestehenden Lieferstrukturen schnell überfordern."

Eine Änderung der Öffnungszeiten gibt es in Bayern, allerdings werden diese nun gelockert: Sie dürfen laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nun werktags bis 22 Uhr und sonntags bis 18 Uhr offen lassen. Das betrifft folgende Läden:

  • Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte und Drogerien, Apotheken, Tankstellen, Banken, Bau- und Gartenmärkte, Sanitätshäuser, Optiker und Hörgeräteakustiker, Post, Tierbedarf, Reinigungen

Aldi, Rewe und Penny reagieren: Sonntags bleiben Läden erst einmal zu

Update vom 19. März 2020: Nun haben sich die ersten Lebensmittelhändler-Gruppen gemeldet und auf die Leitlinien, insbesondere das gelockerte Ladenschlussgesetz reagiert. Aldi und Rewe-Gruppe einschließlich Discounter Penny wollen vorerst nicht sonntags öffnen. Das liege zum einen daran, dass die reguläre Öffnung an sechs Tagen die Woche bedarfsgerecht sei und zum anderen daran, dass man die Mitarbeiter nun nicht noch weiter belasten wolle. Aufgrund eines stark erhöhten Einkaufsverhaltens vieler Bürgerinnen und Bürger arbeiten Verkäuferinnen und Verkäufer seit Wochen am Limit.

In einem Brief schrieb Rewe-Chef Lionel Souque am Mittwoch an die selbstständigen Rewe-Kaufleute: "Mit dem gegenwärtigen Pensum verlangen wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Märkten bereits Erhebliches ab. Und wir haben aktuell wenig Grund zu der Annahme, dass sich daran binnen sehr kurzer Frist etwas verändert." Man verzichte daher innerhalb der Rewe-Gruppe auf die Sonntagsöffnung. Die Kunden könnten bereits innerhalb der bestehenden Öffnung an sechs Tagen bedarfsgerecht bedient werden.

Eine Aldi-Sprecherin betonte, dass auch die Mitarbeiter angesichts der aktuell hohen Belastung Ruhephasen brauchen, um Kräfte zu sammeln. Verlängerte Öffnungszeiten und Sonntagsverkauf seien daher nicht geplant.

Regelungen zur Minimierung der Verbreitung des Corona-Virus

Andere Stellen des öffentlichen Lebens werden zum Schutz geschlossen oder der Besuch wird eingeschränkt. Für den Publikumsverkehr geschlossen werden:

  • Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen
  • Theater, Opern- und Konzerthäuser und ähnliche Einrichtungen
  • Messen und Ausstellungen
  • Kinos
  • Freizeit- und Tierparks und Anbieter von Freizeitaktivitäten (drinnen und draußen)
  • Spezialmärkte,
  • Spielhallen und -banken, Wettannahmestellen und ähnliche Einrichtungen
  • Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen
  • der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen
  • Schwimm- und Spaßbäder
  • Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen
  • Outlet-Center
  • Spielplätze

Verboten sind:

  • Zusammenkünfte in Vereinen und sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen
  • Wahrnehmung von Angeboten in Volkshochschulen, Musikschulen und sonstigen öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen im außerschulischen Bereich
  • Reisebusreisen
  • Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften

Weitere Regelungen der Leitlinie

Es soll außerdem Besuchsregelungen für Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen geben. Pflegeheime und besondere Wohnformen im Sinne des SGB IX und ähnliche Einrichtungen sollen ebenfalls im Besuch eingeschränkt werden (z.B. Besuch einmal am Tag, für eine Stunde, allerdings nicht von Kindern unter 16 Jahren, nicht von Besuchern mit Atemwegsinfektionen, etc.).

In Universitäten, Schulen und Kindergärten – soweit deren Betrieb nicht gänzlich eingestellt wird – wird ein generelles Betretungsverbot für Personen geben, die sich in den letzten 14 Tagen in Risikogebieten im Ausland oder besonders betroffenen Regionen im Inland nach RKI-Klassifizierung aufgehalten haben.

Restaurants und Speisegaststätten sollen generell frühestens ab 6 Uhr öffnen dürfen und spätestens 18 Uhr schließen. Übernachtungsangebote sollen im Inland nur in Anspruch genommen werden dürfen, wenn sie notwendig und ausdrücklich nicht touristisch sind.

In Mensen, Restaurants, Speisegaststätten und Hotels soll das Risiko einer Verbreitung des Coronavirus minimiert werden, indem etwa Abstandsregelung für die Tische umgesetzt werden sollen. Es soll weiterhin eine Reglementierung der Besucherzahl geben. Außerdem soll in solchen Einrichtungen explizit über Hygienemaßnahmen informiert werden.

Wie es aktuell ist und wie es weitergehen könnte: Corona-Angst: Was ist ein Shutdown und was bedeutet er für uns alle?

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Beschreibung anzeigen