16.03.2020

Öffentliches Leben lahmgelegt Corona-Angst: Was ist ein Shutdown und was bedeutet er für uns alle?

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Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag
Fr, 13.03.2020, 16.56 Uhr

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag

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Keine Kino-, Bar- und Theaterbesuche mehr, Schulen und Kitas sind geschlossen. Das sind die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus und das bedeutet ein "Shutdown" für unser Leben.

Auch in Deutschland sind Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben, es gibt mehr als 5800 bestätigte Sars-CoV-2-Infizierte und das Virus breitet sich weiter aus. Die Regierungen greifen jetzt durch: "Shutdown“ heiß das drastische Mittel, das das öffentliche Leben zum Erliegen bringt. "Shutdown" bedeutet übersetzt so viel wie "stilllegen", "abschalten" oder "herunterfahren". Ein "Shutdown" kann Banken und Wirtschaft betreffen, aber auch das gesamte kulturelle und soziale Leben. Was das genau für uns bedeutet, erfahren Sie hier!

"Shutdown" in Deutschland: Das sind die Maßnahmen

Was Regierungen anderer Ländern im Zuge der sich ausbreitenden Coronavirus-Pandemie gemacht haben, wird jetzt auch in der deutschen Hauptstadt umgesetzt. Um die Ausbreitung von Sars-CoV-2 und die Erkrankungen mit Covid-19 einzudämmen, hat Berlin das öffentliche Leben eingeschränkt. "Shutdown" wird das Stilllegen von wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Leben genannt.

Wenn ab Montag Oberstufenzentren, ab Dienstag dann sämtliche allgemeinbildende Schulen wie Grund- und Oberschulen geschlossen sind, sind die Einschnitte in unser Leben offensichtlich. Bereits seit zwei Wochen sind die Arbeitnehmer, die es bewerkstelligen können, angehalten im "Home Office", also von daheim zu arbeiten. Nun müssen Kindernotbetreuungen für diejenigen organisiert werden, die nicht mobil arbeiten können, vor allem ärztliches Personal sowie Feuerwehrbedienstete und Polizisten.

Update vom 16.03., 16 h: Aktuell wurden noch härtere Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Die Regierung schlägt nun die Schließung einer Vielzahl von Geschäften vor. Wie bild.de berichtet, sollen weiterhin Einzelhandelsbetriebe für Lebens- und Futtermittel, Wochenmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen und Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Zeitungsverkauf, Waschsalons und der Großhandel geöffnet bleiben. Zusätzlich dazu sollen Sonntagsverkaufsverbote für diese Läden bis auf Weiteres grundsätzlich ausgesetzt werden. Die Länder entscheiden selbst, ab wann diese Regelungen gelten sollen.

Geschlossen werden sollen nach Bars, Clubs, Diskotheken, Theater, Opern, Konzerthäuser, Museen, Messen und Ausstellungen jetzt sogar Spielplätze, Freizeit- und Tierparks. Das gilt auch für Einrichtungen in denen Sportbetrieb stattfindet, d.h. Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder, Fitnessstudios sowie alle Verkaufsstellen des Einzelhandels, die oben nicht genannt sind.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen schlägt ein 30-tägiges Einreiseverbot in die EU vor. Die Bundesliga und die 2. Liga pausieren den Spielbetrieb bis mindestens zum 2. April.

Quelle: bild.de

Update vom 16.03.: Als erstes Bundesland hat Bayern den Katastrophenfall ausgerufen, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) es am Sonntagabend schon angekündigt hatte. D. h., dass ab Mittwoch nur noch Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogeriemärkte, Banken und Tankstellen geöffnet bleiben dürfen. Ausgangssperren soll es vorerst nicht geben. Bereits am Samstag traten neue Allgemeinverfügungen in Kraft. So gelten Einschränkung der Besuchsrechte für Krankenhäuser, Pflege- und Behinderteneinrichtungen. Bayern sperrt außerdem Sportplätze und Spielstätten, wie heute bekannt wurde.

Bereits am Freitag wurde bekannt: Ab Montag sollen alle planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe in deutschen Krankenhäusern, soweit medizinisch vertretbar, auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Der Grund: So sollen sich die Krankenhäuser auf den "erwartbar steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen durch COVID-19" konzentrieren, heißt es in einem Beschlusspapier der Bundesregierung, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

Ein- und Ausreisestopps gibt es für folgende Länder

Polen: Für Deutsche und andere EU-Bürger ist die Grenze seit Sonntagnacht geschlossen (Ausnahme: Güterverkehr, Diplomaten). Polen dürfen nach Hause, müssen aber 14 Tage in Quarantäne.

Dänemark: Seit Montagmorgen herrscht Einreisestopp in beiden Richtungen. So lässt das Land außer Dänen, Pendlern und Lkws niemanden mehr einreisen.

Tschechien: Seit Samstagnacht herrscht Einreisestopp an der Grenze zu Deutschland und Österreich. Deutsche und Ausländer aus weiteren Risikostaaten werden abgewiesen. Ausnahmen gelten für Lieferfahrer, Pendler und Deutsche mit Wohnsitz in Tschechien.

Die Benelux-Staaten, Spanien und Italien: Hier gibt es noch keine Einreisestopps. An der Grenze zu Luxemburg, Holland, Belgien werden Einreisende nach Deutschland durchgelassen. In Spanien und Italien gibt es starke Beschränkungen (Sperrung Re­gionen, Hotels, Gaststätten etc.). Rückreisende Deutsche müssen mit Quarantäne-Auflagen rechnen.

Türkei und USA: Diese sind für deutsche Touristen völlig gesperrt, Rückreisen nach Deutschland sind bisher problemlos.

Bundesregierung rät von Reisen ab

Original vom 15. März: Die Bundesregierung rät wegen der Coronavirus-Krise von allen nicht notwendigen Reisen ins Ausland ab: "Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit hoch", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Sonntagabend auf Twitter.

Quelle: Bild.de, sueddeutsche.de

Übrigens: Hier lesen Sie, wie Sie Ihr Kind in der Quarantäne beschäftigen können.

"Shutdown" im Berliner Nachtleben

Geisterspiele und schlussendlich komplette Absagen von Spielen im Fußball, Musiker vor leeren Hallen, abgesagte Konzerte und Großveranstaltungen, geschlossene Grenzen, Touristen in Quarantäne. Bereits in der letzten Woche waren die Folgen des Kampfes gegen die Pandemie deutlich. Neben Museen, Opern- und Theaterhäusern, sind seit Samstagabend nun auch Berliner Clubs, Bars und Kneipen geschlossen. Auch Kinos, Schwimmbäder, Fitnessstudios und Bibliotheken können nicht mehr besucht werden. Vom "Shutdown" ausgenommen sind Restaurants und Imbisse, da sie mit einem Essensangebot der Versorgung dienen, so Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

"Allen muss klar sein, wir haben hier eine Krise zu bewältigen, die sich nicht in den nächsten Tagen, wahrscheinlich auch nicht in den nächsten Wochen oder Monaten lösen lässt", so der Regierungschef.

Senat beschließt weitreichende Einschränkungen

Ab sofort sind außerdem alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen ab 50 Teilnehmern untersagt. Das betrifft neben Kneipen, Clubs, Spielhallen, Spielbanken, Messen, Wettannahmestellen und ähnliche Unternehmen. Ebenfalls geschlossen sind neben Kinos, Theatern, Konzerthäusern, Museen, Ausstellungen auch Einrichtungen wie Bordelle und andere Sexclubs.

Für öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen bis 50 Personen muss eine Anwesenheitsliste mit Name, Anschrift und Telefonnummer geführt werden. Diese Liste muss mindestens vier Wochen aufbewahrt und dem Gesundheitsamt auf Verlangen ausgehändigt werden. Restaurants und Gaststätten, in denen vor Ort zubereitete Speisen serviert werden, dürfen öffnen, wenn die Tische untereinander einen Mindestabstand von 1,5 m haben. So genannte "Raucher-Gaststätten" sind allerdings von der Genehmigung ausgenommen und müssen schließen. Weitere umfangreiche Einschränkungen gelten für Sportstätten, Krankenhäuser sowie Pflegeheime. So berichtet rbb-online aktuell.

Italien als Vorbild für drastische Einschnitte

Die Regierung in Rom hatte bereits am Donnerstagmorgen die meisten Geschäfte in ganz Italien schließen lassen. Geöffnet blieben vor allem Lebensmittelläden, Apotheken und Tankstellen. Außerdem wurde die Bevölkerung angewiesen, Haus und Wohnungen nur in dringenden Fällen zu verlassen, also nur um arbeiten, einkaufen oder zum Arzt zu gehen.

Österreich folgte den Italienern am Freitag und verkündete seinen "Shutdown“. Auch die spanische Regierung will die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger einschränken und hat dafür ein Notstandsdekret verabschiedet. So sollen alle Geschäfte außer Apotheken und Lebensmittelläden schließen.

Nun hat der Vatikan alle öffentlichen Veranstaltungen zu Ostern abgesagt, somit wird das Osterfest in diesem Jahr ohne Besucher gefeiert, wie der Vatikan am Sonntag berichtete. Alle liturgischen Feiern der Karwoche fänden "ohne die physische Anwesenheit der Gläubigen" statt, wie FOCUS Online berichtete.

Die Ausbreitung des Coronavirus' war gerade in Italien rasant und besorgniserregend. Hier lesen Sie, was ein italienischer Arzt vom Ausnahmezustand berichtet.

"Shutdown" für weitere Bundesländer?

Sind Berlin und Bayern Vorreiter und droht jetzt der gesamten Republik ein solcher "Shutdown"? Die deutsche Hauptstadt befindet sich durch seine soziale Situation in einer Sonderrolle, die Stadt ist als preiswerte Partymetropole und einem einzigartigen Nachtleben mit Millionen von Touristen bekannt. Nach Expertenmeinung ist die Ansteckungsgefahr in vollen Clubs besonders hoch. Laut Senatsverwaltung hätte sich mehr als ein Drittel der Anfang der Woche 48 Berliner Corona-Infizierten beim Feiern in einem einzigen Club im Stadtteil Tiergarten infiziert.

Nach FOCUS Online-Informationen erwägen mehrere Bundesländer derzeit ebenfalls einen "Shutdown" nach berlinerischem oder gar italienischem Vorbild. Dazu gebe es aber noch keine festen Beschlüsse.

Ländergesetzgebung als Problem im Kampf gegen Corona?

Da die meisten Entscheidungen in Deutschland Ländersache sind, hat die Frage der "Shutdowns" hierzulande eine besondere Dynamik. Am Freitagmorgen gaben Bayern und das Saarland als erste die Schließung von Schulen und Kitas bekannt, bis zum Abend folgten 12 der restlichen 14 Länder.

Schleswig-Holstein beschloss am Freitagabend, dem Berliner "Shutdown" zu folgen. So untersagte das Kieler Kabinett in Kiel alle öffentlichen Veranstaltungen sowie die Schließung aller Clubs, Diskotheken, Fitness-Studios, Schwimmbäder, Kinos, Theater, Museen und Volkshochschulen.

Sind "Shutdowns" erfolgreich?

Ist eine solche Stilllegung des gesamten öffentlichen Lebens erfolgversprechend? Auch drastische Maßnahmen wie ein "Shutdown" benötigen einige Tage, bis sie statistisch auszuwerten sind und bis man ihren Erfolg messen kann. Außerdem sind viele Infektionen auch vor diesen Schließungen erfolgt.

Gesundheitsexperten weisen darauf hin, dass die hohen Todeszahlen in der Region Lombardei vermeidbar gewesen wären, wenn die Regierung früher reagiert hätte.

Inzwischen kommen aus den Krisengebieten wieder positive Meldungen. So gab es in der lombardischen Provinz Lodi, die damals als Ausgangspunkt der Corona-Epidemie in Norditalien identifiziert wurde, am Freitag vergangener Woche erstmals keine Neuansteckungen mehr.

"Die strenge Quarantäne, die dort eingeführt wurde, ist beispielhaft und der Beweis dafür, dass wir die Maßnahmen streng anwenden müssen", so der lombardische Präsident Attilio Fontana in italienischen Medien. Der Hintergrund: In Lodi waren die ersten Städte bereits Ende Februar abgeriegelt worden und nicht, wie in den meisten anderen Regionen Italiens geschehen, erst am 8. März.

Zahlenmäßig lässt sich auch belegen, dass die ebenfalls schnell abgeriegelten norditalienischen Provinzen Emilia Romagna und Veneto eine niedrigere Ansteckungsrate zu vermelden hatten als der Rest Italiens. "Nur die Wirksamkeit sozialer Distanzierungsmaßnahmen wird die Ausbreitung des Virus (...) verlangsamen", so twitterte der italienische Gesundheitsexperte Nino Cartabellotta. Er unterstreicht, dass ein kompletter "Shutdown" die mit Abstand wirksamste Variante der "sozialen Distanzierung" ist.

Weitere Shutdowns in Deutschland nicht auszuschließen

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), sagte am Freitag zum Fernsehsender n-tv. "Es kann sein, dass wir in manchen Regionen weitreichendere Quarantäne-Maßnahmen fahren müssen", erklärte Wieler. "Wir versuchen das natürlich zu verhindern. Aber ausschließen kann ich das nicht."

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Quelle: FOCUS Online, rbb-online

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