06.03.2020 - 16:06

Belastungsprobe für Leber, Magen und Psyche Stiftung Warentest: Vorsicht bei diesem Schmerzmitteln

Von Stephanie Brümmer

Stiftung Warentest hat rezeptfreie und verschreibungspflichtige Schmerzmittel untersucht. Wir sagen Ihnen, worauf zu achten ist.

Foto: imago images/McPHOTO

Stiftung Warentest hat rezeptfreie und verschreibungspflichtige Schmerzmittel untersucht. Wir sagen Ihnen, worauf zu achten ist.

Schmerzen sind eine Belastung für Körper, aber auch Geist. Es gibt rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente, beide bergen aber Risiken. Stiftung Warentest hat Schmerzmittel untersucht. Das sind die Ergebnisse.

Schmerzmittel finden sich in fast jeder Heimapotheke. Was ist drin, wie wirken sie und wann muss man aufpassen? Es gibt rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente, beide bergen aber Risiken. Stiftung Warentest hat Schmerzmittel untersucht. Das sind die Ergebnisse.

Stiftung Warentest: Vorsicht bei diesem Schmerzmitteln

Laut Schema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können Schmerzmittel je nach Stärke in drei Arten eingeteilt werden. Zu den Nicht-Opioiden gehören Wirkstoffe wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Schwache Opioide beinhalten Wirkstoffe wie Tramadol, Codein und Tilidin. Starke Opioide wirken mit zum Beispiel Morphin, Oxycodon, Fentanyl und Buprenorphin.

Viele der Wirkstoffe sind effektiv gegen Schmerzen und laut Stiftung Warentest auch für den sporadischen Einsatz geeignet. Allerdings können die Schmerzmittel auch Nebenwirkungen verursachen. Bei nicht-opioiden Wirkstoffen sind das vor allem körperliche Schäden, bei Opioiden sind es vor allem psychische Folgen. Das sind die Hinweise der Experten für einen sicheren Umgang mit Schmerzmitteln.

Schmerzmittel können helfen, das sind aber die Risiken

Schmerzen sind ein Alarmsignal und weisen auf Erkrankungen oder Verletzungen hin. Im Normalfall vergehen die Schmerzen mit der Heilung auch wieder. Die Belastung von Schmerzpatienten ist groß, manchmal werden die Schmerzen auch chronisch.

Laut Schätzungen leiden mehrere Millionen Menschen in Deutschland an chronischen Schmerzen. Der Grund: Entweder ist das Grundproblem nicht gelöst oder der Schmerz hat sich verselbstständigt, d.h. er ist da, obwohl der Auslöser verschwunden ist. Oftmals ist es schwierig, die passende Medikation zu finden, denn Schmerzmittel können Schmerzen zwar lindern, aber auch gravierende Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten gehören Risiken für Herz oder Magen. Mittel wie Opioide und Cannabis können auch psychische Probleme verursachen.

Wichtig ist daher, Medikamente in ein Therapie-Gesamtkonzept zu intergrieren. Auch die Verträglichkeit und der Therapieerfolg sollten regelmäßig ärztlich überprüft werden.

Die Lehren aus der "Opioidkrise"

Wohin exzessiver Einsatz von Schmerzmitteln führen kann, offenbart die "Opioidkrise" in den USA. Opioide lindern Schmerzen und verändern die Stimmung, Patienten berichten von Beruhigung und Hochgefühlen. Die Folge: Zahlreiche Schmerzpatienten in den USA wurden abhängig.

"In weiteren Ländern wie Kanada, Australien oder manchen asiatischen Staaten gibt es ähnliche Probleme“, sagt Professor Christoph Maier, langjähriger leitender Arzt an der Schmerzklinik der Uni Bochum und Mitglied im Arzneimittelexpertenkreis der Stiftung Warentest. In Deutschland dürfen Ärzte Opioide nur achtsam verordnen, bei Schmerzen durch Krebs und in der Akut- und Notfallmedizin sind Opioide allerdings oft unverzichtbar, bestätigen Mediziner.

Cannabis als Schmerzstiller

Die Kosten für Cannabis werden bei Indikation, also Vorliegen ernsthafter Erkrankungen, seit 2017 von den Krankenkassen erstattet, dazu gehören auch akute oder chronische Schmerzen. Aber auch Canabis hat Risiken, dazu zählen z.B. psychische Nebenwirkungen. Eine solche Medikation müssen Patienten immer mit ihrem Arzt besprechen.

Und welche Risiken haben andere Schmerzmittel?

Nicht jeder Patient bekommt Canabis oder Opioide. So genannte nichtsteroidale Antirheumatika zum Beispiel hemmen die Bildung von Schmerz- und Entzündungsbotenstoffen. "Allerdings haben diese Botenstoffe im Körper auch günstige Effekte“, sagt Maier. "Das wiederum erklärt Nebenwirkungen von Schmerzmitteln, zum Beispiel Nieren- oder Magenschäden." Bei längerem Einsatz können bestimmt Schmerzmittel auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, darunter zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac. Das bekannteste Schmerzmittel, Acetylsalicylsäure (ASS), ist oft eine Belastung für den Magen. Paracetamol dagegen kann vor allem die Leber belasten.

Rezeptfreie Mittel haben Wirkungsgrenzen

Alle oben genannten Schmerzwirkstoffe sind in Deutschland rezeptfrei erhältlich. Um es vorweg zu nehmen: Wer nur ab und zu eine Schmerztablette nimmt, sollte laut Experten kein Kombipräparat einnehmen. Der Grund: Therapeutisch gesehen gibt es keinen Vorteil, das Risiko von Nebenwirkungen wird aber erhöht. Wichtig ist auch die Länge der Selbstmedikation: Als Faustregel gilt, Schmerzmittel dürfen ohne ärztlichen Rat höchstens vier Tage am Stück und zehn Tage im Monat genommen werden.

Diese Gefahren drohen bei Langzeiteinsatz

Medikamente können durch den Gewöhnungseffekt des Körpers an Wirksamkeit verlieren. Sie können sogar selber Schmerzen verursachen, indem sie die Schmerzschwelle im Gehirn senken. "Möglich ist das bei allen Mitteln, von rezeptfreien bis zu den Opioiden", sagt Maier. "Wenn Ärzte oder Patienten das nicht erkennen und die Dosis sogar noch steigern, kann das in einen richtigen Teufelskreis führen. Teils hilft dann nur noch ein Entzug."

Chronische Schmerzen zu therapieren, ist schwierig, oft stoßen Ärzte in ihrer Fachrichtung hier an ihre Grenzen. Ein Weg: Suchen Sie Schmerztherapeuten auf, ob ambulant oder in einer Klinik. Adressen bekommen Sie zum Beispiel bei der Deutschen Schmerzliga: www.schmerzliga.de.

Wie sieht eine solche Behandlung aus? Ärzte untersuchen fachübergreifend die Ursachen und kombinieren Therapien, etwa Wärme oder Kälte sowie Entspannungs- und Bewegungstraining. "Das soll helfen, Schmerzspiralen zu durchbrechen", erklärt Schmerz-Experte Maier. Hier kommen zwar unter Umständen auch Medikamente zum Einsatz – zum Beispiel für den Übergang, bis andere Maßnahmen wirken. Aber eben nicht nur. Wichtig sind auch seelische Therapien, bestätigt Maier. "Weil Schmerz so belastend ist, kann er zu psychischen Problemen führen.“ Umgekehrt würde eine stabile Psyche helfen, die Schmerzen besser auszuhalten. "Viele Patienten erhoffen sich maximale Schmerzfreiheit, aber das schaffen oft leider die besten Therapien nicht. Wer schon eine Linderung als Erfolg betrachten lernt, hat viel gewonnen.“

Das meint Stiftung Warentest zu Cannabis-Produkten

Ob Extrakte oder getrocknete Blüten: Schwerkranke Patienten können Cannabis auf Kosten der Krankenkasse bekommen. Das Problem: Oftmals sind medizinische Wirksamkeiten schlecht belegt oder vergleichsweise schwach, so die Arzneimittelexperten von Stiftung Warentest. Am erfolgversprechendsten sei hier ein Therapieversuch etwa bei Schmerzen oder Krämpfen durch multiple Sklerose, bestimmten Formen der Epilepsie, Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapien oder Appetitmangel wegen schwerer Krankheiten.

Laut einer Analyse ist bei vielen psychischen Leiden aber Vorsicht beim Einsatz solcher Präparate geboten oder wird von Cannabis sogar ganz abgeraten. Die möglichen Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit sowie psychische Probleme.

Cannabisblüten gelten zwar als natürlich, ihr Wirkstoffgehalt kann aber stark schwanken.

Besser seien laut Stiftung Warentest eher Produkte mit einzelnen Cannabinoiden, etwa Rezepturen mit Dronabinol oder Fertigarzneien wie Canemes, Epidyolex, Sativex. Ganz wichtig: Ärzte sollten grundsätzlich zusätzliche Maßnahmen kombinieren und regelmäßig die Wirksamkeit und Notwendigkeit der Cannabis-Therapie überprüfen.

Alle Ergebnisse der aktuellen Stiftung Warentest- Untersuchung von Schmerzmitteln finden Sie hier.

Lesen Sie auch, welche , warum Diclofenac trotz hoher Nebenwirkungen immer noch genommen wird und was es mit dem Frühwarnsystem bei Medikamentenknappheit auf sich hat. Hier finden Sie Tipps für ganz ohne Medikamente.

Sie möchten noch mehr Ergebnisse lesen? Dann schauen Sie sich mal auf unseren Themenseiten Stiftung Warentest und Rückenschmerzen um.

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