13.02.2020

Kehrseite des Online-Handels Weniger Müll und mehr Recycling: Ein Gesetz soll es richten

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Der Umwelt zuliebe sollen Online-Händler mehr Verantwortung übernehmen und gesetzlich verpflichtet werden, offenzulegen, welche Waren aus Retouren sie vernichten.

Foto: iStock/alvarez

Der Umwelt zuliebe sollen Online-Händler mehr Verantwortung übernehmen und gesetzlich verpflichtet werden, offenzulegen, welche Waren aus Retouren sie vernichten.

Ein neues Gesetz soll die Wirtschaft in die Pflicht nehmen, weniger Müll zu produzieren und mehr Produkte sowie Verpackungsmaterial zu recyceln.

Bereits im letzten Jahr machte eine traurige Erhebung von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Bamberg die Runde: Jede sechste Online-Bestellung wird zurückgeschickt. Laut der Forschungsgruppe Retourenmanagement waren das 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel. Die Retouren belasten vor allem das Klima. Um es zu schonen, hat das Bundeskabinett nun Gesetzänderungen auf den Weg gebracht, die das sogenannte Kreislaufwirtschaftsgesetz betreffen. Das Ziel: Weniger Müll produzieren, dafür mehr Recycling.

Die Umwelt entlasten: durch weniger Müll und mehr Recycling bei bestellten Waren

Letztes Jahr hatten die für das Klima belastenden Zahlen nach einem Umdenken gerufen. Die Retouren belasten das Ökosystem genauso wie täglich 2200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau oder 238.000 Tonnen CO2.

Immerhin 79 Prozent der Retouren werden direkt wieder als A-Ware verkauft, 13 Prozent als B-Ware und drei Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet. Vier Prozent der retournierten Waren kommen nicht wieder in den Handel, sondern landen direkt im Müll, denn Wegwerfen ist für die Händler günstiger, als zurückgesandte Artikel wieder neu anzubieten.

"Neuwertige Waren einfach wegschmeißen, einfach verbrennen, so kann man mit den Ressourcen nicht umgehen", sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Gesetzesänderung: Die "Obhutspflicht" wird kommen

Um die Händler mehr in die Pflicht zu nehmen, hat die Regierung nun einer Gesetzesänderung zugestimmt und einen neuen Rechtsbegriff eingeführt: die "Obhutspflicht". Händler müssen in Zukunft dafür sorgen, ihre Waren in einem "gebrauchsfähigen" Zustand zu halten. Weggeworfen werden dürfen nur noch verdorbene Produkte oder solche, deren Lagerung nicht zumutbar ist.

Wie genau die Gesetzesänderungen umgesetzt wird, muss noch in einzelnen Verordnungen geregelt werden. Zunächst will der Bund aber Druck auf Händler ausüben und sie zwingen, den Umgang mit nicht verkauften Waren zu dokumentieren.

Mehr Recycling

Der Bundestag hat auch das Thema Recycling im Blick. So soll zum Beispiel der Markt für Recycling-Materialien vergrößert werden. Der Bund, seine Behörden und Unternehmen wollen mit gutem Beispiel vorangehen und Recycling-Produkte statt Neuanfertigungen anschaffen. Ebenfalls sollen Reparaturen Neuanschaffungen vorgezogen werden, solange dadurch keine übermäßigen Mehrkosten entstehen.

Der Umgang mit Einweg-Produkten aus Kunststoff, wie zum Beispiel Kaffeebechern, wird ebenfalls neu geregelt. Hersteller und Händler sollen künftig an den Kosten für deren Entsorgung im öffentlichen Raum beteiligt werden. Derzeit wird geprüft, in welchem Umfang solche Produkte anfallen. Auch wer Zigaretten in den Verkehr bringt, soll sich an den Reinigungskosten von Parks und Straßen beteiligen.

Einstweilen wird nur der Handel in die Pflicht genommen. Svenja Schulze: "Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich natürlich auch fragen, ob es für die Umwelt wirklich gut ist, viele Artikel zu bestellen und die Hälfte dann wieder zurückzusenden."

Umweltverschmutzung und Klimawandel – Forscher sind überzeugt, dass durch den Anstieg des Meeresspiegels einige europäische Städte verschwinden werden:

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