31.01.2020

Der Nachbar macht es vor Frankreich schafft den Bon für kleine Einkäufe ab – warum wir nicht auch?

Ein Haufen Kassenbons verschmutzt die Umwelt. Frankreich tut etwas dagegen. Warum handelt Deutschland nur kontraproduktiv?

Foto: imago images / teamwork

Ein Haufen Kassenbons verschmutzt die Umwelt. Frankreich tut etwas dagegen. Warum handelt Deutschland nur kontraproduktiv?

Um die Steuerhinterziehung einzudämmen, flutet Deutschland dank der Kassenbon-Pflicht gerade das eigene Land mit eben diesen Zetteln. Genau jetzt kommt Frankreich nun mit dem Bon-Verbot. Lohnt sich gerade da nicht mal ein prüfender Blick, was denn nun sinnvoller wäre?

Haben Sie schon einmal in Ihrer Tasche nachgeschaut, wie viele Kassenbons sich am Ende des Tages in dieser befinden? Bestimmt sind es etliche, denn es fängt ja schon morgens beim Bäcker an: Ein Brötchen gekauft – Kassenzettel erhalten. Dann folgt vielleicht der kleine Einkauf in der Mittagspause im Supermarkt. Nur einen Salat und einen Joghurt erworben – Bon bekommen. Dann auf dem Rückweg von der Arbeit geht es noch schnell in den nächsten Drogeriemarkt, um beispielsweise einen Schokoriegel oder ein Shampoo zu holen – und der nächste Bon landet in der Tasche. So zieht sich das Tag für Tag durch. Am Ende der Woche stapeln sich zu Hause zahlreiche Bons, die dann in den Müll wandern. Das muss nicht sein – findet auch Vorreiter Frankreich und schafft nun den Kassenbon für kleinere Beträge ab.

In Frankreich wird es für kleinere Einkäufe keinen Kassenzettel mehr geben

Das Gesetz, das am Donnerstag im Pariser Parlament verabschiedet wurde, enthält Änderungen, die an mehreren Stellen die Verschwendung eindämmen sollen, wie die "Deutsche Presse-Agentur" berichtete. Eine davon ist, dass bis 2022 die Kassenzettel für Einkäufe bis 30 Euro nur noch dann dem Kunden ausgehändigt werden, wenn er dies ausdrücklich wünscht. Ansonsten kann auf die Ausgabe des Kassenbons verzichtet werden, wodurch weniger Müll aufkommt. Doch die Regelung wird nicht schlagartig durchgeführt. Die Franzosen haben Zeit, sich nach und nach daran zu gewöhnen. Bis September 2020 gibt es den Kassenbon erstmal nur für Einkäufe mit einer Summe, die unter 10 Euro liegt, nicht mehr. Bis Januar 2021 soll diese Regelung für Beträge bis zu 20 Euro umgesetzt werden.

Weitere Änderungen für mehr Nachhaltigkeit in Frankreich

Ebenfalls ist im neuen französischen Gesetz enthalten, dass Elektroartikel Informationen darüber beiliegen haben müssen, wie man sie leicht reparieren kann und bis wann Ersatzteile für das Produkt erhältlich sind. Dadurch würden Elektrogeräte bei Defekten nicht so schnell weggeschmissen werden und hätten eine längere Lebensdauer, was wiederum zu weniger Abfall führen würde.

Weniger Müll wird in Frankreich auch bald dadurch anfallen, dass bis 2022 Supermärkte und Onlineplattformen angehalten sind, Textil- und Hygieneprodukte, die es nicht über die Ladentheke geschafft haben, nicht einfach zu vernichten. Bis 2040 möchte Frankreich ein Verkaufsverbot von aus Kunststoff hergestellten Einwegverpackungen umgesetzt haben.

Eine Frage bleibt: Frankreich macht es vor – warum macht Deutschland es nicht nach?

Gerade, was das Kassenbon-Thema angeht, sollte Deutschland derzeit einmal auf Frankreich schauen. Warum machen wir das nicht auch so und verzichten auf den Kassenzettel? Stattdessen hat sich die Situation diesbezüglich mit der Einführung der Bonpflicht seit dem 1. Januar 2020 sogar noch verschlimmert. Aber wir können noch hoffen: Denn wenn der Nachbar etwas Gutes hat, ist es doch meist nur noch eine Frage der Zeit, bis man es selbst auch einführt. Auch in der Politik gibt es mitunter die Ansicht, dass die Bonflicht eher einem Unsinn gleicht. Beispielsweise hält FDP Fraktionsvize Christian Dürr sie für "bürokratisch und irrsinnig". Er forderte: "Union und SPD sollten sich ein Beispiel an der französischen Regierung nehmen."

Sollte die Bonpflicht in Deutschland dennoch bleiben, könnte man es so machen wie dieser schlaue Mann: So löst ein Dresdner Bäcker das Kassenbon-Problem . Eine andere Alternative wäre der Kassenbon-Krapfen: Mit diesem setzte ein Bäcker ein originelles Zeichen gegen die Bonpflicht.

Frankreich schafft den Kassenbon ab. Damit geht eine ganze Nation einen großen Schritt Richtung Nachhaltigkeit. Deutschland hat aber immer noch die Chance, nachzuziehen. Macht es nicht Gesamt-Deutschland, kann aber jeder einzelne etwas tun. Möchten Sie erfahren, wie das geht? Dann besuchen Sie unsere Themenseite nachhaltig leben.

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