30.01.2020 - 14:57

Machen sie noch aggressiver? So wirken Informationen über Wartezeiten in der Notaufnahme

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Lange Wartezeiten in der Notaufnahme machen sowieso schon angeschlagenen Patienten zu schaffen. Nicht jeder kann seinen Zorn im Zaum halten.

Foto: iStock/ShaniMiller

Lange Wartezeiten in der Notaufnahme machen sowieso schon angeschlagenen Patienten zu schaffen. Nicht jeder kann seinen Zorn im Zaum halten.

"Noch drei Stunden bis zur Behandlung." Will man wirklich Informationen über die Wartezeiten in der Notaufnahme haben? Das sind die Ergebnisse einer Studie.

Die Zustände in der Gesundheitsversorgung werden immer schlimmer. Auf Termine beim Arzt wartet man oft monatelang, mit einem akuten Leiden wird man häufig in die Notaufnahme verwiesen. Doch auch hier wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt. Stundenlanges Warten ist keine Seltenheit. Eine Studie hat nun untersucht, wie sich die Informationen über Wartezeiten in der Notaufnahme auswirken.

Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, in der Telefon-Warteschleife zu hören, dass unser Anruf wichtig ist und wir mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden werden. Warten müssen wir dennoch bis zu zwanzig Minuten... Und das hebt nicht gerade die Stimmung. Auch die Notaufnahme prüft das Sitzfleisch von Patienten. Allerdings kommt hier erschwerend hinzu, dass wir gesundheitlich angeschlagen und damit natürlich auch besonders sensibel und nicht mehr so resilient sind.

Dem ein oder anderen reißt unter diesen Umständen schon mal die Hutschnur. Ärzte und Pflegepersonal berichten immer häufiger von aggressiven Patienten, die ihrem Unmut lautstark Luft machen.

Aktuelle Studie: Informationen über Wartezeiten in der Notaufnahme

Wie lassen sich die aufgebrachten Massen beruhigen? Diese Frage stellte sich ein Team aus Wissenschaftlern von der israelischen "Ben-Gurion University of the Negev". Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal "Plos One" veröffentlicht.

Die Kollegen um Studien-Leiterin Dorit Efrat-Treister befragten demnach über drei Wochen 328 Patienten in der Notaufnahme eines großen israelischen Krankenhauses. In der ersten und dritten Woche blieben die Wartenden uninformiert, in der zweiten Woche erhielten sie einen Ablaufplan mit voraussichtlichen Wartezeiten für verschiedene Stationen. Zum Beispiel, dass es noch zwei Stunden dauert, bis die Ergebnisse eines Bluttests da sind.

Die Forscher befragten die Patienten danach unter anderem, ob sie die Abfolge von Patienten gerecht fanden und nach ihrem Gefühlszustand. Die Forscher untersuchten auch Tendenzen zu schreien, zu fluchen, Personal zu beleidigen oder in den Arbeitsablauf einzugreifen.

Steigende Aggressivität bei langen Wartezeiten

Das Ergebnis der Studie: Aggressive Tendenzen lassen sich nur mit Informationen verringern, wenn Patienten mit kürzeren und mittleren Wartezeiten zu rechnen ist. War die tatsächliche Wartezeit besonders lang oder länger angegeben, erhöhte das die Aggressivität eher.

Da jedoch bei der heutigen Entwicklung – Personalmangel einerseits und steigende Zahlen von Patienten, die die Notaufnahme aufsuchen, andererseits – nicht damit zu rechnen ist, dass Wartezeiten sinken, werden wir in Zukunft wohl nicht damit rechnen müssen, Informationen über die Wartezeiten zu erhalten.

Wer weiß, vielleicht erwartet uns demnächst Sicherheitspersonal am Eingang der Notaufnahme...?

Stundenlange Wartezeiten und viel zu viele Patienten: Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sollen entlastet werden Bundesgesundheitsminister Spahn hat große Pläne . So will er sie umsetzen.

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