31.01.2020

Aktuelle Oxfam-Studie Frauenarbeit: Täglich zwölf Milliarden Stunden ohne Lohn

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Frauen verdienen immer noch weniger als Männer oder sogar nichts für ihre Arbeit. Die aktuelle Oxfam-Studie hat dazu denkwürdige Zahlen veröffentlicht.

Foto: iStock/shapecharge

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer oder sogar nichts für ihre Arbeit. Die aktuelle Oxfam-Studie hat dazu denkwürdige Zahlen veröffentlicht.

Das weltweite Ungleichgewicht nimmt weiter zu. So eine aktuelle Studie des Oxford Committee for Famine Relief (Oxfam). Die Zahlen zur unbezahlten Arbeit von Frauen, die jetzt veröffentlicht wurden, sind kaum vorstellbar, aber leider tägliche Realität.

Das Gefälle zwischen arm und reich wird laut einer aktuellen Oxfam-Studie immer größer. Und: Die Frauen leiden darunter am meisten, so das Fazit. Denn sie leisten immer noch unbezahlte Arbeit, obwohl diese Billionen wert ist.

Frauenarbeit: Täglich zwölf Milliarden Stunden ohne Lohn

Die Vermögensschere klafft immer weiter auseinander. Laut der Studie gehören einem Prozent der Menschheit ca. 45 Prozent des globalen Vermögens, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen nicht einmal ein Prozent des globalen Vermögens besitzt. Amitabh Behar von Oxam International: „Jetzt haben Milliardäre mehr Reichtum als 4,6 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Das ist eine Ungleichheit, auf die wir schauen. Und dabei muss man im Blick haben, dass fast die Hälfte der Weltbevölkerung weniger als 5,50 Dollar pro Tag zum Leben hat.“

Frauen als große Verliererinnen in der Ungleichheitskrise

Die Oxfam-Studie spricht von einer Ungleichheitskrise und Frauen als den großen Verliererinnen dieser Entwicklung. „Sie verdienen im Durchschnitt weniger, haben weniger Vermögen und sind häufiger von Armut betroffen. Und ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Frauen häufig unbezahlte Pflege- und Fürsorge-Arbeit leisten, sich um Angehörige und Kinder kümmern“, so Ellen Ehmke von Oxfam Deutschland.

Unglaubliches Rechenbeispiel

Weltweit leisten Frauen und Mädchen täglich mehr als zwölf Milliarden Stunden unbezahlter Arbeit. Würde man ihnen dafür auch nur den Mindestlohn zahlen, dann entspräche ihr Einkommen einem Wert von über elf Billionen US-Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Das ist 24 Mal mehr als der Umsatz der Technologie-Riesen Apple, Google und Facebook zusammen, so Oxfam.

Starke Ungleichheit auch in Deutschland

Keine oder geringere Bezahlung für die gleiche oder sogar mehr Arbeit. Auch in Deutschland leiden Frauen unter diesem Phänomen und sogar stärker als vielleicht gedacht. Ellen Ehmke dazu: „Mit Blick auf Geschlechtergerechtigkeit schneidet Deutschland sehr schlecht ab, wir haben einen der größten Gender Pay Gaps, das heißt die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern ist sehr groß, Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer, und auch hier ist die Ursache, dass Frauen deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit leisten als Männer, im Durchschnitt 1,5 Stunden mehr täglich.“

Massive Investitionen in Infrastruktur nötig

Das Fazit: Um Frauen von unbezahlter Pflege- und Fürsorgearbeit zu entlasten, müssen laut Oxfam massive Investitionen in die öffentliche Infrastruktur getätigt werden. So müsse es mehr Bildungsangebote, eine professionellere Pflege von alten und kranken Menschen sowie mehr Kinderbetreuung möglich sein, damit eine gerechtere Verteilung von Erziehungs- und Betreuungszeiten ermöglicht werde. Umso wichtiger, da auch gefälschte Pflegeabschlüsse im Umlauf sind.

Das gelte ebenso für den Abbau der Vermögensungleichheit. Und wie soll das finanziert werden? „Wir können nicht mit diesem schiefen System fortfahren, das die Reichen und die Super-Eliten begünstigt. Das muss sich komplett ändern. Und das kann sich ändern, wenn die Regierungen dafür sorgen, dass jeder die richtigen Steuern zahlt. Man kann nicht mit einem System fortfahren, in dem Unternehmen letztlich weniger Steuern zahlen als die Bürger“, so Amitabh Behar.

Wer ist Oxfam? Das Oxford Committee for Famine Relief arbeitet als internationaler Zusammenschluss verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen für den weltweiten Zugang armer Länder zu Bildung und Gleichberechtigung.

Mehr Informationen finden Sie hier.

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