22.01.2020

Weil es das wert sein sollte Tierwohl: Das kostet Sie ein glückliches Steak!

Was lässt es sich der Verbraucher kosten, um ein Steak von glücklichen Tieren auf dem Teller zu haben?

Foto: imago images / Panthermedia

Was lässt es sich der Verbraucher kosten, um ein Steak von glücklichen Tieren auf dem Teller zu haben?

Sie möchten gerne gute Qualität, aber auch Produkte auf ihrem Teller, die mit einem Mindestmaß an Tierwohl zu vereinbaren sind? Wie Tierwohl und ein angemessener Preis zusammenpassen, zeigen wir Ihnen hier.

Niemand schneidet sich wohl gern ein Stück von seinem Schnitzel zum Abendessen ab, wenn Berichte über unnötige Tierqualen in Schlachthöfen über den Bildschirm flackern. Wie lässt sich also eine artgerechte Haltung und ein angemessener Preis vereinbaren? Welchen Preis müssten wir als Verbraucher zahlen, damit den Nutztieren nicht ein Leben voller Leid bis zur Schlachtung bevorsteht? Wie realistisch ist eine Veränderung, wenn der Verbraucher gewillt ist, mit der Macht des eigenen Portemonaies für eine Veränderung im Billigfleisch-Segment zu sorgen?

Der Preis für das Tierwohl

Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren, aber bitte nicht so teuer – ist das möglich? Greenpeace hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zum Ergebnis hat, das dies möglich sein sollte. Die Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat herausgefunden, dass Fleisch im Schnitt 50 Cent pro Kilo teurer werden müsste, damit jeder Verbraucher ein Stück Fleisch von einem glücklichen Tier auf seinem Teller vorfinden würde.

Martin Hofstetter, der Landwirtschafts-Experte von Greenpeace sagt: "Von diesen 50 Cent gäbe es für die Landwirte Geld, um die Tierhaltung zu verbessern.“

Zwischen drei bis fünf Milliarden Euro könnten auf diesem Wege pro Jahr für das Tierwohl zusammenkommen. Unter einer artgerechten Haltung versteht man, dass die Tiere so gehalten werden, dass sie wenigstens annähernd das tun können, was sie auch in Freiheit tun würden. Das Verhalten ist von Art zu Art natürlich unterschiedlich. Bei Schweinen würde dies etwa bedeuten, dass sie sich auch mal im Schlamm suhlen können oder im Schweinsgalopp über die Wiese jagen. Zudem würden ihre Ringelschwänze nicht kopiert und den Schweinchen würde mehr als amoniakverseuchte Luft zur Verfügung stehen, die ihre Lungen kaputt macht.

Die Kosten für die Tierproduktion setzen sich natürlich aus unterschiedlichen Posten zusammen – den Löwenanteil mit 50 Prozent macht das Futter für die Tiere aus. Doch auch die Lohnkosten des Bauerns, die Kosten für die Ställe, Tierarzteinsätze, Versicherungen oder gar die Buchführung tragen zu den Gesamtkosten bei.

Aus der Sicht eines Bauern

Bei den Bauern selbst stößt der Vorschlag nicht auf taube Ohren, so sagt beispielsweise Schweinebauer Frank Kisfeld (40) aus Vreden (Münsterland), dass die Idee gut sei, solange das Geld auch bei den Bauern ankäme. Ein bisschen resigniert fügt er an: "Allerdings haben die Verbraucher bisher häufig nach dem Preis gekauft.“ Die Haltungsbedingungen und der Preisaufschlag müssten dann auch für Importe aus dem Ausland gelten. "Zumindest muss es dann einen Schutz für uns Bauern geben. Mir nützt Geld für einen Umbau nichts, wenn ich mein Fleisch wegen billigerer Konkurrenz aus anderen EU-Ländern oder aus den USA nicht mehr loswerde“, gibt Bauer Kisfeld zu bedenken.

Die Deutschen essen im Jahr:

  • 10 Kilo Rind essen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr: Für ein glückliches Steak müssten die Verbraucher statt 14,61 Euro 15,11 Euro pro Kilo für das Rinderfleisch bezahlen.
  • 35,8 Kilo Schweinefleisch essen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr: Für mehr Tierwohl würde der Preis nur um 50 Cent steigen – von 9,93 Euro auf 10,43 pro Kilo.
  • 12,4 Kilo Geflügel essen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr: Für Fleisch aus artgerechter Haltung würde der Preis von 8,02 Euro nur auf 8,52 Euro pro Kilo steigen.

Sie fragen sich gerade, auf welche Höhe sich die Gesamtkosten pro Jahr für Sie belaufen würden, wenn Sie für mehr Tierwohl etwas tiefer in die Tasche greifen würden? Durchschnittlich isst jeder Deutsche circa 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Käme die aus der Studie berechnete Pauschale von 50 Cent für eine artgerechte Haltung hinzu, dann wären es gerade einmal 30 Euro zusätzlich im Jahr, die der Verbraucher ausgeben müsste.

Alternativen bis zu einer eventuellen Einführung der Pauschale

Solange es diese Pauschale allerdings noch nicht gibt, empfehlen Tierschützer den Verbrauchern vor allem, weniger Fleisch zu essen – und dafür vor allem Produkte zu kaufen, die von Tieren stammen, die bereits annähernd ein Tierwohl durch die Haltungsform erfahren haben. Um den Verbrauchern einen Richtwert bei der Kaufentscheidung zu geben, markieren viele Supermärkte ihre Fleischprodukte mit Zahlen von 1 bis 4. Die Zahl 4 steht in diesem Fall für die artgerechte Haltung der Tiere.

Wer ganz sicher gehen möchte, das Tierwohl und die artgerechte Haltung der Tiere zu unterstützen, bevor sie als Schnitzel auf dem heimischen Teller landen, der kann, bis zur eventuellen Einführung der 50-Cent-Pauschale, natürlich auch auf Bio-Fleisch zurückgreifen. Dies ist allerdings teurer.

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Weil es im besten Falle für ein großes Problem viele gute Lösungsansätze gibt: 43 Gramm Fleisch pro Tag sind gesund und sollen die Welt retten.

Weil immer größer definitiv nicht immer besser ist – wie Tiere leiden, um den Profit des Menschen zu befriedigen: XL- Eier sind eine Qual für Hühner.

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