20.01.2020

Schlechter Scherz oder Profitgier? Tamponsteuer gesenkt: Und jetzt erhöhen die Hersteller die Preise!

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Nach der Senkung der Tamponsteuer, droht jetzt der nächste Coup: Einige Hersteller von Monatshygiene-Artikeln wollen angeblich die Preise für ihre Produkte erhöhen. Was steckt dahinter?

Foto: iStock/zoranm

Nach der Senkung der Tamponsteuer, droht jetzt der nächste Coup: Einige Hersteller von Monatshygiene-Artikeln wollen angeblich die Preise für ihre Produkte erhöhen. Was steckt dahinter?

Eigentlich eine tolle Nachricht: Die Tamponsteuer wurde ab 1.1.2020 von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Jetzt die Überraschung: Mit der Steuersenkung erhöhen die Hersteller nun die Preise für Monatshygiene! Ein Scherz?

Endlich war der Mehrwertsteuersatz auch für Damenhygieneartikel, die so genannte Tamponsteuer gesenkt worden, nun das böse Erwachen. Einige Hersteller scheinen sich daran bereichern zu wollen und haben Preiserhöhungen für ihre Produkte angekündigt. Da sind die Hintergründe!

Tamponsteuer gesenkt: Und jetzt erhöhen die Hersteller die Preise!

Als Bundesfinanzminister Olaf Scholz verkündete, die Mehrwertsteuer für Damenhygieneartikel von 19 auf sieben Prozent zu senken, war die Freude der Verbraucherinnen groß. Die Handelsketten bestätigten, die Vergünstigung eins zu eins an die Verbraucherinnen weiterzugeben und auf den Preis anzuwenden. "Die vollständige Weitergabe des Steuervorteils ab 2020 ist für uns eine Selbstverständlichkeit", so Kaufland. Auch die großen Drogerieketten dm und Rossmann senkten die Preise für Tampons und Binden sogar schon vor dem 1. Januar.

Nun lassen aktuelle Aktivitäten einiger Hersteller von Damenhygieneprodukten aufhorchen: Pünktlich zur Steuersenkung haben diese ihre Preise gegenüber dem Handel jetzt kräftig erhöht. Wie der "Tagesspiegel" berichtete: "Auch wir haben Preiserhöhungen für Monatshygieneprodukte erhalten", so Kaufland. Man könne die höheren Forderungen der Lieferanten nicht nachvollziehen. "Aktuell ist uns nicht bekannt, dass die Preise für Rohstoffe erhöht wurden", so der Discounter weiter. Und man sei nicht bereit, diese Preiserhöhungen zu akzeptieren, sei derzeit dazu sogar in Verhandlungen.

Das sollen die Gründe für Preiserhöhungen der Hersteller sein

Die "Lebensmittelzeitung" nennt explizit den Hersteller Johnson & Johnson, zu denen die marktführende Marke "ob" gehört. Die Rede ist von Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Und der Grund? Offiziell natürlich keineswegs die Steuersenkung und damit mögliche Bereicherung der Hersteller, sondern eine angebliche Verbesserung der Produktqualität. Dennoch kann man sich nicht des Verdachts erwehren, man wolle die zwölf gesenkten Steuer-Prozente abschöpfen, die nun nicht mehr dem Staat zufließen.

Was sagen die Hersteller dazu?

Auf Anfrage sagten Johnson & Johnson, man habe "zum Jahreswechsel“ die Herstellerabgabepreise nicht erhöht. Konkurrent Procter & Gamble mit der Marke "Always" sagte, man habe vor der Steuersenkung keine Preiserhöhungen durchgeführt und das "in diesem Zusammenhang" auch nicht geplant.

Der Handel, so zum Beispiel dm und Rewe, kündigte an, die Preise nicht anheben zu wollen. Es bleibt also abzuwarten, ob sich der Handel gegen die Hersteller durchsetzen kann, und die langersehnte Tamponsteuer wirklich für eine Erleichterung im Portemonnaie der Verbraucherinnen sorgt.

So wurde die Tamponsteuer endlich gesenkt

Die stark kritisierte "Tamponsteuer", nach der in Deutschland sämtliche Hygieneprodukte mit 19 Prozent besteuert wurden, war zum 1.1.2020 gekippt worden. Mit gutem Recht, da Tampons und Binden zum Grundbedarf von Frauen gehören. Hintergrund: Wichtige Güter des täglichen Bedarfs werden mit dem reduzierten Satz von sieben Prozent besteuert.

Trotz Tamponsteuersenkung, erhöhen die Hersteller die Preise. Lesen Sie wie es auf dem Weg der Senkung der Tampon-Steuer voranging und wie der Handel schon vor dem Ende der "Tamponsteuer" reagiert hat.

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Mehr Informationen rund um das Thema können Sie auf unserer Themenseite lesen.

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