16.12.2019 - 15:06

Bessere Leistungen, günstigere Beiträge? Krankenkasse wechseln: So einfach geht‘s

Von

Wer die Krankenkasse aufgrund niedrigerer Beiträge oder besserer medizinischer Leistungen wechseln will, sollte diese Punkte beachten.

Foto: iStock / Lothar Drechsel

Wer die Krankenkasse aufgrund niedrigerer Beiträge oder besserer medizinischer Leistungen wechseln will, sollte diese Punkte beachten.

Vieles ändert sich zukünftig für Patienten. Ob längere Sprechzeiten oder bessere medizinische Angebote. Und was bedeutet das für die Beiträge der Krankenkasse? Noch sind die Beiträge relativ stabil. Das kann sich aber ändern. Wer jetzt sparen will, kann die Krankenkasse wechseln. Das ist gar nicht so schwer. Diese Punkte gilt es aber zu bedenken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in 18 Monaten ganze 18 Gesetze auf den Weg gebracht. Obwohl die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zunächst stabil sind, wird sich bei den Krankenkassen durch ein größeres und verbessertes Angebot an medizinischen Leistungen in Zukunft voraussichtlich einiges ändern. Sie wollen sparen oder bessere Leistungen beziehen? Krankenkasse wechseln: So einfach geht‘s.

Krankenkasse wechseln: Gesetzlich versichert? Das ändert sich für Sie

Gesetzlich Kranken-Versicherte können sich auf diese Änderungen einstellen. Viele Fachärzte werden ihre Sprechstunden von 20 auf 25 Stunden pro Woche erhöhen. Außerdem müssen fünf Stunden in der Woche als freie Sprechzeit angeboten werden. Auch das Einkommen des Pflegepersonals soll erhöht werden. Des Weiteren erhöhen sich die Festzuschüsse für Zahnersatz sich ab Oktober 2020 von 50 auf 60 Prozent der Kosten für die Regelversorgung. Die Folge für die Kasse: Sie zahlt mehr Geld für einfachen Zahnersatz. Die Ausgaben der Kassen werden voraussichtlich stärker steigen als die Einnahmen.

Möglich ist, dass einige Krankenkassen die höheren Kosten auf die Versicherten langfristig durch höhere Beitragssätze umlegen werden.

Und wie sieht es kurzfristig für das nächste Jahr aus?

Bisher in der Tendenz stabile Beiträge

Die Zeitschrift Finanztest wollte es genau wissen und fragte zum Jahresende alle allgemein geöffneten Krankenkassen, ob diese ihre Beitragssätze stabil halten oder anpassen. Von 78 befragten Krankenkassen hatten bis Finanztest-Redaktionsschluss 44 ihren Beitragssatz für 2020 mitgeteilt. Das Ergebnis: Bis auf die Bergische Krankenkasse, die ihren Versichertenbeitrag bei einem breiteren Angebot an Extra-Leistungen geringfügig erhöhen will, steigen die Sätze der Krankenkassen zurzeit nicht.

Krankenkassenbeiträge: Jährliche Ersparnis von 180 Euro oder mehr

Der Krankenkassenbeitrag besteht aus dem allgemeinen bei allen Krankenkassen gleichen Beitragssatz von 14,6 Prozent und einem so genannten Zusatzbeitrag. Diesen kann jede Kasse individuell festlegen. Seit 2019 zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihn je hälftig.

Sparen kann man also, wenn man eine Krankenkasse mit einem möglichst niedrigen Zusatzbeitrag findet.

Rechenbeispiel: Wer mit einem Monatsbrutto von 3 000 Euro von einer Krankenkasse mit 1,5 Prozent Zusatzbeitrag zu einer günstigeren mit 0,5 Prozent Zusatzbeitrag wechselt, kann auf eine Monatsersparnis von 15 Euro bzw. eine Jahresersparnis von 180 Euro kommen.

Krankenkassenbeiträge werden nur bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze fällig. Diese beträgt in 2019 noch 4 537,50 Euro und wird im neuen Jahr auf 4687,50 Euro steigen.

Die Krankenkassen im Überblick

Die mit 17,1 Prozent im Finanztest teuerste Krankenkasse schließt sie sich mit der BKK VBU und der Thüringer BKK zur BKK VBU zusammen. Deshalb werden Versicherte ab dem kommenden Jahr weniger Beitrag zahlen: So gelten ab Januar nur noch 15,9 Prozent. Beitrag. Auch Continentale BKK und BKK Henschel fusionieren ab Januar zur Continentale BKK.

Von einer Kassenfusion merken Versicherte meist wenig. Ändern können sich zum Beispiel medizinische Extras und sich von Kasse zu Kasse unterscheiden. Wer nach der Kassen-Fusion zu einer anderen Kasse will, muss regulär kündigen, da ein Sonderkündigungsrecht hier nicht greift.

Gut zu wissen: Jede Kasse, die in Ihrem Bundesland geöffnet ist, ist verpflichtet Sie anzunehmen – ganz egal wie alt Sie sind und welchen laufenden Behandlungen Sie sich unterziehen. Und wenn Sie in ein Bundesland ziehen, in der Ihre Kasse keine Dependance unterhält, können Sie dennoch Mitglied in Ihrer Kasse bleiben.

Vor dem Krankenkassen-Wechsel: Diese Punkte sind zu beachten

Wer jetzt zu einer günstigen Krankenkasse wechseln will, sollte vorher aber einiges beachten. Zunächst sollten Sie Ihren medizinischen Bedarf einordnen und sich die Frage stellen, welche medizinischen Leistungen von der neuen Kasse abgedeckt werden. Dies Punkte sollten Sie beim Krankenkassen-Wechsel beachten.

Gesetzlich geregelte Leistungen: Ein Großteil der Leistungen ist gesetzlich geregelt, d.h. alle Kassen übernehmen diese.

Es gibt aber auch Leistungen, bei denen Krankenkassen einen Spielraum haben: Klären Sie deshalb vor dem Wechsel, ob die Krankenkasse Ihrer Wahl die von Ihnen benötigten Leistungen auch anbietet bzw. abdeckt. Dazu gehören vor allem folgende Leistungen:

Leistungen mit Genehmigung: Wer eine genehmigte Behandlung begonnen hat, das können zum Beispiel ein Reha-Sport oder eine Therapie sein, müssen Sie die neue Kasse zwar darüber unterrichten, diese wird die Fortführung aber grundsätzlich nicht ablehnen. Wer eine genehmigte Behandlung aber noch nicht begonnen hat, muss bei der neuen Krankenkasse wieder einen Antrag stellen, den diese im Zweifel auch ablehnen kann.

Hilfsmittel oder Medikamente: Wer von der alten Kasse leihweise zum Beispiel einen Rollstuhl bekommen hat, muss dieses Hilfsmittel in der Regel zurückgeben und bekommt von der neuen Kasse einen entsprechenden Ersatz. Dasselbe Prozedere gilt für Medikamente, bei denen die Genehmigung für andere gleichwertige Produkte erteilt werden kann.

Extraleistungen: Nach dem Wechsel können Sie die Extraleistungen der neuen Krankenkasse in Anspruch nehmen, die über die gesetzlich vorgegebenen Leistungen hinausgehen.

So wechseln Sie ganz einfach die Krankenkasse

Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung ist der Krankenkassen-Wechsel einfach.

  1. Überprüfen Sie die Voraussetzungen. So müssen Sie mindestens 18 Monate Kassenmitglied sein, bevor eine Kündigung möglich ist. Etwas anderes ist das Sonderkündigungsrecht: Dieses wird Ihnen gewährt, wenn Ihre Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht.
  2. Eine Kündigung bei Ihrer alten Krankenkasse ist nur schriftlich möglich. Wer ganz sicher gehen will, sendet die Kündigung als Einschreiben. Schreiben Sie zusätzlich eine E-Mail und bitten Sie um die Kündigungs-Bestätigung. In das Schreiben gehören immer Ihre Versichertennummer und der Kündigungstermin.
  3. Diese Fristen gelten bei einer Kündigung. Eine Kündigung wird regulär zum Ablauf des übernächsten Monats wirksam. Beispiel: Kündigen Sie bis Ende Dezember, sind Sie von März an Mitglied der neuen Kasse. Sonderkündigungsrecht: Bei einer Beitragserhöhung können Sie bis zum Monatsende kündigen, in dem Ihre Kasse erstmalig den höheren Beitrag verlangt.
  4. Ihre alte Krankenkasse muss Ihnen die Kündigung innerhalb von 14 Tagen nach Eingang schriftlich bestätigen. Fragen Sie nach, wenn sie innerhalb dieses Zeitraums kein Feedback bekommen.
  5. Bei einem Kassenwechsel müssen Sie der neuen Kasse Ihren Mitgliedswunsch schriftlich erklären. Ausreichend ist ein formloses Schreiben mit Namen, Adresse, bisheriger Kasse und dem gewünschten Beginn der Mitgliedschaft. Tipp: Nutzen Sie die Vordrucke im Internet. Legen Sie diesem eine Kündigungsbestätigung der bisherigen Krankenkasse bei, damit die neue Kasse Sie aufnehmen kann, und ein Passbild für die neue Versichertenkarte.
  6. Liegt Ihnen fristgerecht eine Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse vor, müssen Sie diese Bescheinigung in der Wechselfrist dem Arbeitgeber, der Arbeitsagentur oder dem Rentenversicherer vorlegen. Wer als Selbstständiger freiwillig versichert ist, schickt die Mitgliedsbescheinigung an seine alte Kasse, da die neue Kasse den Wechsel nicht automatisch meldet. Wenn Sie keine neue Kasse gewählt haben oder Ihren Arbeitgeber nicht informiert haben, bleiben Sie automatisch in der alten Kasse.

Tipps für den Krankenkassen-Wechsel: Sie suchen nach einer Krankenkasse mit besonders günstigen Beiträgen? Laut Finanztest ist die günstigste bundesweite Kasse weiterhin die hkk mit einem gleichbleibenden Beitragssatz von 14,99 Prozent. Achten Sie beim Wechsel aber nicht nur auf den Preis, auch Extraleistungen können den Ausschlag für die Suche nach einer neuen Krankenkasse geben. Die Übernahme von Reiseimpfungen und Zuschüsse zu Zahnprophylaxe und Osteopathie können bares Geld wert sein. Hier finden Sie aktuelle Beiträge und Extraleistungen von mehr als 70 Krankenkassen.

Quelle: finanztest.de, Finanztest 1/2020, test.de

Krankenkasse wechseln: So einfach geht‘s. Lesen Sie auch, wie Bundesgesundheitsminister Spahn die Notaufnahmen entlasten und Wartezeiten verkürzen will und wie Sie einen Reha-Antrag richtig und effektiv stellen.

Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auch auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

Familie und Leben

Familie und Leben

Alles rund um Haus & Garten, Wissenswertes aus dem Alltagsleben und Ratgeberthemen sehen Sie in den Videos.

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe