11.12.2019 - 17:13

Studie Gesetzliche Mindestgebühr gegen Retouren-Flut?

Der Online-Handel in Deutschland boomt! In diesem Jahr werden die deutschen Verbraucher Waren im Wert von 70 Milliarden Euro im Internet bestellen.

Foto: imago images / Sven Simon

Der Online-Handel in Deutschland boomt! In diesem Jahr werden die deutschen Verbraucher Waren im Wert von 70 Milliarden Euro im Internet bestellen.

Der Retouren-Wahnsinn bringt sicherlich nicht nur den Paketboten um den Verstand, sondern belastet auch die Umwelt und den Umsatz des Online-Handels. Ist eine gesetzlich festgelegte Rücksendegebühr die Lösung?

Der Online-Handel in Deutschland boomt! In diesem Jahr werden die deutschen Verbraucher Waren im Wert von 70 Milliarden Euro im Internet bestellen. Doch längst wird nicht alles behalten, was zur Ansicht oder zur Anprobe in die eigenen vier Wände bestellt wird. Jedes sechste Paket wird nämlich wieder zurückgeschickt. Um diese Retouren-Quote zu senken, könnte nach Meinung von Wirtschaftsforschern eine gesetzlich vorgeschriebene Rücksendegebühr hilfreich sein.

Retouren-Wahnsinn: Hilft eine gesetzliche Mindestgebühr gegen die Pakete-Flut?

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel vermeldet neue Rekordsummen für den Umsatz im Online-Handel – um rund 11 Prozent soll dieser auf 70 Milliarden Euro anwachsen. Doch ärgerlich für den Handel ist sicherlich, dass jedes sechste Paket wieder als Retoure zurückgeht. Auch die Klimabelastung und die Müllberge wachsen durch die Rücksendungen an. Am Mittwoch veröffentlichten Wirtschaftsforscher der Universität Bamberg eine Studie, wonach eine gesetzlich vorgeschriebene Rücksendegebühr dazu beitragen könnte, den Retouren-Wahn einzudämmen.

Die befragten Online-Händler gehen davon aus, dass eine Rücksendegebühr von circa drei Euro dazu führen würde, dass sich die Zahl der Rücksendungen um 16 Prozent verringere. Im letzten Jahr wurden 490 Millionen Artikel zurückgesendet – es könnten laut der Einschätzung mit einer anfallenden Gebühr rund 80 Millionen Retouren weniger sein. Für das Klima ließe sich so auch einiges tun, denn durch die Vermeidung dieser Rücksendungen würde man insgesamt fast 40 000 Tonnen CO2 eingesparen, so Studienleiter Björn Asdecker.

Ein weiterer Vorteil für die Kunden wäre eine Preissenkung, da der Handel momentan natürlich die Kosten für die Retoure miteinkalkuliert. Wer sich also vorher genau überlegt, was er braucht und ob wirklich die richtige Größe bei einem Bekleidungstück bestellt wurde, der kann deutlich sparen, wenn er denn weniger zurückgehen lässt. Die Gebühr mache den "E-Commerce grüner und gerechter", so die Bamberger Wirtschaftswissenschaftler in ihrer Studie.

Die Mehrheit der kleinen Händler wären für eine Streichung der portofreien Rücksendung – allerdings befürchten sie momentan Wettbewerbsnachteile, wenn sie diese allein umsetzen. Die Einführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Rücksendegebühr könnte da Abhilfe und gleiche Regeln für alle schaffen, sagen die Wirtschaftsforscher.

Retourengebühr: Pro und Contra aus dem Handel

Die großen Händler sehen die Einführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Retourengebühr eher kritisch, da sie sich mit den bisher kostenlosen Rücksendungen natürlich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, der sich für sie betriebswirtschaftlich lohnt. Daher warnt der Bundesverband bevh: "Eine gesetzlich verpflichtende Rücksendegebühr würde einen staatlichen Eingriff in Markt und Wettbewerb darstellen, der stets nur das letzte Mittel im Fall eines Marktversagens sein darf. Erkenntnisse aus der Studie reichen nach unserer Einschätzung nicht aus, diese Frage zu entscheiden."

Eine besonders große Rolle kommt dem Versand von Kleidung zu – denn ein Viertel aller heutigen Rücksendungen ließe sich vermeiden, wenn Bekleidungshersteller sich alle an verbindliche Größenangaben zu halten hätten und eine Online-Größenberatung dem Kunden die richtige Transparenz gewähre, schätzen die Wirtschaftsforscher der Universität Bamberg. Artikel in drei verschiedenen Größen und diversen Farben zu bestellen, um diese dann anzuprobieren und bei Nicht-Gefallen zurückzusenden – das ist heute leider gängige Praxis bei vielen Kunden. Rund die Hälfte aller Pakete, die mit Kleidung und Schuhen gefüllt sind, gehen als Retoure wieder zurück. Die Hersteller seien hier gefordert, denn Größenangaben seien nur "bedingt aussagekräftig und zum Teil irreführend". Die künstliche Intelligenz könnte bei der Auswahl der richtigen Größe ebenfalls helfen: Mit dem Einsatz der Handykamera oder der Analyse übermittelter Daten könnten viele Retouren vermieden werden – "sofern die Händler und Kunden die Technologien auch einsetzen".

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Wozu zu viele Pakete auch führen können: DHL-Bote lässt seinem Frust zum Black-Friday freien Lauf und Deutschland bekommt den "Amazon Tag"! Und alles rund um Ihr gutes Recht erfahren Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

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